Gemeinschaft steht im Mittelpunkt

So geht es beim Judo-Club in Bad Godesberg zu

Unter den rund 830 Mitgliedern des Godesberger Judo Clubs sind auch zahlreiche Nachwuchssportler.

Unter den rund 830 Mitgliedern des Godesberger Judo Clubs sind auch zahlreiche Nachwuchssportler.

Mehlem. Der 1. Godesberger Judo Club wurde am 10. Oktober 1959 gegründet. Dort setzt man auf die freundschaftliche Atmosphäre auch außerhalb der Halle.

Ein Urschrei schallt durch die Halle, gefolgt von einem Krachen, als Adnan Khankan seinen Trainingspartner mit einem Ura-Nage auf die Matte hämmert. Eine spektakuläre Szene, und doch letztlich Alltag im Dojo des 1. Godesberger Judo Clubs (GJC). Der Verein mit seinen rund 830 Mitgliedern gehört zu den aktivsten und größten seiner Art in ganz Deutschland. Im September feiert der Club zudem sein 60-jähriges Bestehen – und vor allem die freundschaftliche Atmosphäre in und außerhalb der Halle.

„Judo ist viel mehr als eine Kampfkunst“, erklärt Trainer Florin Petrehele im Anschluss an die letzte Trainingseinheit vor der Sommerpause. „Es ist eine Art zu leben. Vieles aus dem Sport lässt sich in den Alltag übertragen, vor allem die Kontrolle, die man sowohl über sich als auch über sein Gegenüber haben sollte“, so der 41-Jährige. „Wir wollen nicht nur erfolgreiche Sportler, sondern vor allem erfolgreiche Menschen formen.“ Die entstammen allen Altersklassen: Der GJC bietet in der vereinseigenen Rolf-Winkler-Halle (benannt nach einem langjährigen Vorstandsmitglied) sowohl Kurse ab vier Jahren als auch ein Seniorentraining an, bei dem der Älteste seinen 80. Geburtstag bereits hinter sich gebracht hat.

Eine passende Jacke ist für die Grifftechniken essenziell

An diesem Abend ist der Kurs wegen der Sommerferien bunt gemischt; ohnehin kann jeder mitmachen, der einfach mal in die japanische Kampfkunst reinschnuppern möchte. Eine passende Jacke und ein Gürtel sind schnell gefunden, vor allem Erstere ist für die Grifftechniken essenziell. Am Revers und am Ärmel packen, nach oben ziehen und damit aus der Balance bringen, im Anschluss ein Wurf über die Hüfte oder die Schulter – schon ist eine Trainingseinheit komplett.

Als GA-Sparringspartner hat sich Martin Ludwig zur Verfügung gestellt, der dabei ganz entspannt ist. „Hier in Godesberg trainiere ich erst seit Anfang des Jahres, Judo mache ich aber schon weitaus länger“, erzählt er während einer kleinen Pause. „Ich bin halt in der Vergangenheit viel umgezogen, so dass sich immer wieder Unterbrechungen ergaben. Aber es macht mir einfach Spaß, vor allem hier, wo insgesamt eine gute Stimmung herrscht und einige exzellente Leute im Verein sind.“

Gegründet wurde der GJC, derzeit in der 2. Bundesliga die Gruppe Nordwest anführt und auch im Taekwondo erfolgreich ist, am 10. Oktober 1959 in einem städtischen Jugendheim an der Beethovenschule, das heute nicht mehr existiert. Unter der Anleitung des damaligen Deutschen Vizemeisters Arno Schmidt graduierten sich schnell die ersten Schüler, die den Grundstein für ein erfolgreiches Vereinsleben legten. Mitte der 70er Jahre kam der GJC auf mehr als 1000 Mitglieder, doch erst 1983 konnte der Spatenstich für die eigene Halle in Mehlem erfolgen, die im November 1984, rechtzeitig zum 25-jährigen Vereinsjubiläum, eingeweiht wurde. Nun ging es mit dem regelmäßigen Trainingsbetrieb so richtig los.

Gleichzeitig wuchs der Verein weiter und hatte längst auch andere asiatische Kampfsportarten im Programm. Der spätere Vize-Weltmeister Thomas Fabula unterrichtete zu jener Zeit Taekwondo (zu seinen Schülern zählten unter anderem der spätere Taekwondo-Bundestrainer, Welt- und Europa-Meister Aziz Acharki); auch Jiu Jitsu und Ninjutsu kamen nach und nach hinzu. Viele der Mitglieder schätzen gerade diese Vielfalt, so wie auch Martin Ludwig, der neben Judo auch Goshin-Jitsu betreibt. Über allem steht jedoch die Gemeinschaft, betont Trainer Petrehele: „Der Verein lebt nicht nur von sportlichen Leistungen, sondern vor allem von der Freude und der Freundschaft der Mitglieder. Die Herausforderung für uns wird daher auch in der Zukunft sein, beides in der Balance zu halten, weiter auf hohem Niveau antreten zu können und doch den Spaß nicht zu kurz kommen zu lassen.“

Weitere Informationen zum 1. Godesberger Judo Club gibt es auf der Homepage des Vereins unter www.gjc.de. Er bietet derzeit neben Judo und Taekwondo verschiedene Selbstverteidigungskünste an, außerdem Fitness-Sportarten wie Zumba, Yoga und Pilates. Ein Einstieg ist grundsätzlich jederzeit möglich. Die Geschäftsstelle, Im Gries 48, ist montags und mittwochs von 12 bis 14 Uhr geöffnet. Außerdem ist sie dienstags und donnerstags von 15 bis 18 Uhr telefonisch erreichbar unter 02 28/34 29 55 und per Mail an info@gjc.de