Petra Schliebitz aus Bad Godesberg

So arbeitet eine Clownin für Demenzerkrankte

BAD GODESBERG. Sie arbeitet als Clownin Augusta mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Außerdem gibt sie Seminare für Pflegekräfte, Betreuer und Angehörige.

Demenzerkrankte leben in ihrer eigenen Welt. Für andere ist der Zugang oft schwer. Doch manchmal öffnet sich ein kleines Fenster in die Außenwelt. Nämlich dann, wenn Clownin Augusta alias Petra Schliebitz mit buntem Kleid, dicker Perlenkette und roter Stupsnase zu Besuch kommt. Sie schafft es mit leisen Tönen, Gestik und Mimik, dass in sich versunkene Menschen plötzlich Blickkontakt aufnehmen.

Während sie in diesen Momenten als Petra zu kopfgesteuert wäre, falle ihr als Clownin Augusta der Umgang leicht, denn für sie gelten weder Regeln noch Etikette. „Natürlich berühren mich manche Situationen“, räumt Schliebitz ein, „aber ich überlasse es Augusta und nehme mich als Petra zurück.“ Sie geht in der Rolle von Augusta, die ihre Freunde besucht, stets respektvoll mit den Demenzerkrankten um und drängt sich nie auf. Den gleichen Respekt erwartet sie für ihre Arbeit auch von den Angehörigen, die manchmal „dumme Kommentare“ abgeben. „Das verbiete ich mir dann höflich, aber bestimmt, mit Hinweis auf meine Ausbildung.“

Ihr beruflicher Weg führte die 41-Jährige von der Tanzpädagogik, Psychomotorik und Pantomime über den „Aktivitätsbegleiter für Menschen mit Demenz“ schließlich zum „Clown für Menschen mit Demenz und geistiger Behinderung“.

Hinter jeder Tür steckt etwas Unerwartetes, auf dass sich Schliebitz mit viel Achtsamkeit einstellt. So begrüßte sie einen Herrn, der stocksteif im Bett lag, flach atmete und ziellos umherblickte, mit dem Lied „Alle Vögel sind schon da“, und plötzlich passierte etwas Erstaunliches. „Er fing an, im selben Rhythmus zu atmen, wie ich sang und sang nach einer Weile sogar mit.“ Als sie zum Schluss fragte, ob sie ihn noch einmal besuchen dürfe, sagte er dann laut und deutlich: „Ja!“

Seminare für Nicht-Clowns

Neben privaten Aufträgen und regelmäßigen Engagements in Pflegeheimen, die sie alle 14 Tage buchen, gibt Petra Schliebitz ihr Wissen gern an interessierte Angehörige, Betreuer und Pfleger weiter. So wie in dem zweitägigen Seminar „Komm mit in meine Welt“, das die Weiterbildungseinrichtung der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland am Freitag und Samstag, 27. und 28. September, anbietet.

„Eine nicht nur theoretisch fundierte, sondern vor allem auch praxisnahe Vermittlung der Inhalte ist uns ein großes Anliegen“, erklärt Bildungsreferentin Nora Hahn. „Sehr gerne greifen wir hier auch kreative Ansätze auf, wie beispielsweise den Einsatz von Märchen, Kunst und Musik in der Begleitung von Menschen mit Demenz oder Humor als positive Grundhaltung in Pflege und Betreuung.“

„In meinem Seminar wird keiner zum Clown ausgebildet“, betont Schliebitz, „sondern ich möchte zeigen, dass es schon reicht, Kleinigkeiten zu verändern, um beim Gegenüber Aufmerksamkeit und Neugier zu wecken.“ Denn für Angehörige und Betreuer sei es oft frustrierend und traurig, den erhofften Zugang nicht zu finden. Anhand praktischer Übungen soll die Achtsamkeit geschult werden, inwieweit der versunkene Mensch bereit für eine Kontaktaufnahme ist und welche Möglichkeiten bestehen. „Mein Wunsch ist es, dass die Kursteilnehmer lockerer werden“, so Schliebitz, „und die Sprache des Herzens lernen.“

Info: Das zweitägige Seminar „Komm mit in meine Welt“ (Kurs-Nr. 79/19) findet am 27.09. von 17-20 Uhr und am 28.09. von 10-17 Uhr im „M2“-Haus am Moltkeplatz 2 (Eingang Oststraße, neben „Godesburger“) statt und kostet 65 Euro inklusive Getränke und Mittagsimbiss. Infos und Anmeldung unter www.weiterbildung-frauenhilfe.de.