Immobilien in Bad Godesberg

Kauf "ohne Rücksicht auf Kosten"

Noch zu haben: Die Islamische Republik Iran sucht einen Käufer für ihr Botschaftsgebäude an der Godesberger Allee sowie für die Residenz in Muffendorf.

BAD GODESBERG. Beinahe wirkt es wie die ultimative Amtshandlung des bisherigen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad. Vermutlich dürfte es sich aber eher um einen Zufall handeln, dass ausgerechnet am letzten Tag seiner Regentschaft die Islamische Republik Iran mittels Anzeige im General-Anzeiger einen neuen Anlauf genommen hat, ihre Botschaftsgebäude in Bad Godesberg zu verkaufen.

Angeboten werden die ehemalige Residenz mitsamt ihres 10.500 Quadratmeter großen Grundstücks an der Elfstraße in Muffendorf und - den meisten Bonnern vom Vorüberfahren bekannt - das frühere Botschaftsgebäude an der Ecke Godesberger Allee (B9) und Annaberger Straße. Seit seiner Errichtung vor etwas mehr als 40 Jahren fällt das sechsstöckige Gebäude schon von Weitem ins Auge. Dafür sorgen die orientalischen Verzierungen an der Fassade. Und natürlich die riesigen Antennen und Satellitenschüsseln, ebenso der unüberwindlich erscheinende, mit feinen Spitzen versehene Zaun.

All das hat ausgedient, seit die meisten Diplomaten um die Jahrtausendwende von Bad Godesberg nach Berlin zogen. Während ein Großteil der Vertretungen längst den Eigentümer gewechselt hat, konnten für die Liegenschaften der Perser bislang keine neuen Nutzer begeistert werden.

Zwar hörte man immer wieder von angeblichen Interessenten. Ebenso aber war zu vernehmen, dass manche Verhandlung an den Preisvorstellungen des iranischen Staates gescheitert sein soll. Kolportiert wurde eine Summe von dreieinhalb Millionen Euro. In der aktuellen Zeitungsannonce indes wird kein Preis genannt.

Siebenstellige Beträge für Immobilien in Bad Godesberg sind keine exotische Rarität. Wer derzeit eine Million Euro oder mehr auf der hohen Kante liegen hat und womöglich weniger Vertrauen in die Geldwertstabilität mitbringt als beispielsweise die Bundeskanzlerin oder der Finanzminister, dem bieten sich zurzeit mehrere Optionen, das Ersparte rasch in immobile Sachwerte umzuwandeln. Das zeigt allein ein Blick auf die aktuellen Offerten im Internet.

Zu haben ist da etwa ein "einzigartiges Anwesen in prominenter Bestlage" in Rüngsdorfer Rheinnähe. Es wurde 1973, so das Exposé, von einer Godesberger Industriellenfamilie "ohne Rücksicht auf Kosten" errichtet. Preisvorstellung für die "Villa der Extraklasse": 2,95 Millionen Euro. Wer sich im Altbau heimeliger fühlt, kann ebenfalls in Rüngsdorf fündig werden.

Vielleicht trifft die "frei stehende imposante Jugendstilvilla mit herrlichem Garten" aus dem Baujahr 1898 auf seinen oder ihren Geschmack. Preisvorstellung: 1,48 Millionen Euro. Stilbewusst lässt es sich gewiss auch in der sechs Jahre jüngeren Jugendstilvilla "in einer der begehrtesten Lagen von Bad Godesberg" leben. Verhandlungsbasis für die auf 450 Quadratmeter und vier Etagen verteilten 20 Zimmer sind knapp 1,4 Millionen Euro.

"Platz für die Schwiegermutter" hält der Anbieter einer anderen Villa für 1,15 Millionen Euro für einen Werbefaktor, eine "Küche mit weißen Lackfronten und Markengeräten" ist es bei einem weiteren Haus in dieser Preisklasse. Bei einer üblichen Maklerprovision in Höhe von 3,57 Prozent ist dieses Marktsegment nicht zuletzt für die - erfolgreichen - Vermittler lukrativ: "Das sind die Geschäfte, die sich lohnen", sagt ein Bad Godesberger Makler. Namentlich genannt werden möchte er nicht.