Bonner Schulkinowochen

Einer Kostümbildnerin über die Schulter schauen

Der Spielfilm "Löwenmädchen" zeigt das Leben der an Hypertrichose erkrankten Protagonistin Eva, die Anfang des letzten Jahrhunderts lebt.

Der Spielfilm "Löwenmädchen" zeigt das Leben der an Hypertrichose erkrankten Protagonistin Eva, die Anfang des letzten Jahrhunderts lebt.

Bad Godesberg. Kostümbildnerin Frauke Firl erzählt im Bad Godesberger Kinopolis von ihrer Arbeit. Die Veranstaltung ist Teil der Bonner Schulkinowochen, an der vom 25. Januar bis 7. Februar zahlreiche Bonner Kinos teilnehmen.

Wie wichtig sind authentisch wirkende Kostüme für eine hochwertige Filmproduktion? Mindestens genau so wichtig wie die Maske und eine richtige Kameraführung, findet Frauke Firl. In ihrer mehr als zwei Jahrzehnte andauernden Karriere kleidete die in Köln lebende Kostümbildnerin eine Vielzahl von Schauspielern für Leinwand und Bühne ein. Ende Januar ist Firl anlässlich der landesweiten Schulkinowochen zu Gast im Kinopolis. Hier erzählt sie nach einer Vorführung der norwegischen Romanverfilmung „Das Löwenmädchen“ von ihrer aufwendigen Arbeit an dem Film und warum für die Dreharbeiten mehrere Lkw-Ladungen an Kostümen notwendig waren.

„Das „Löwenmädchen“ gehört zu den arbeitsintensivsten Projekten, die ich bislang betreut habe“, erzählt Firl. „Es gab zwar einiges im Kostümfundus zu finden, für die Protagonistin musste jedoch viel extra angefertigt werden.“ In dem Film geht es nämlich um die Lebensgeschichte eines Mädchens namens Eva, das mit Hypertrichose geboren wird, einem Gendefekt, bei dem der gesamte Körper und auch das Gesicht stark behaart sind. Von ihrem Vater wird Eva von der Außenwelt abgeschottet aufgezogen, bis sie sich als Teenager entschließt, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen und so der Einsamkeit zu entfliehen.

Über drei Jahrzehnte begleitet die Handlung das Leben von Eva. Als wäre das für eine Kostümbildnerin nicht schon anspruchsvoll genug, spielt der Film auch noch zu Anfang des letzten Jahrhunderts. „Die Handlung setzt kurz nach der Jahrhundertwende ein und endet in den 30er Jahren“, so Firl. „Historische Kostüme mache ich aber am liebsten.“ In ihrer drei Monate langen Vorbereitungszeit habe sie alte Fotos studiert, Literaturrecherche betrieben, den Kostümfundus durchkämmt, Entwürfe gezeichnet, Stoffe besorgt, mit Schneidern gesprochen und die Schauspieler besucht. „Mir ist es wichtig, die Geschichte genau zu erzählen“, sagt Firl, die an unzähligen Produktionen mitgewirkt hat – unter anderem auch an einer Folge des „Tatort“ oder dem Kinofilm „Paula“, für den sie im vergangenen Jahr den Deutschen Filmpreis Lola für das beste Kostümbild erhielt.

Massen an Kostümen

„Das Löwenmädchen“ war jedoch nicht nur wegen seiner geschichtlichen Authentizität eine Herausforderung für Firl. „Wir haben teilweise Szenen im Schnee gedreht“, sagt die Kostümbildnerin. „Da war es schwierig, die Schauspieler in den teilweise originalen und historischen Stücke trocken und warm zu halten.“ Überhaupt mussten sie und ihr Team „irrsinnige Massen an Kostümen“ für die Vielzahl von Statisten zu den Sets bringen, wie sie sagt.

„Es waren mehrere Lastwagen, die beispielsweise kistenweise Schuhe oder schwere Männermäntel transportierten.“ Was ihr bei den Dreharbeiten mit den Kostümen aus längst vergangenen Zeiten zudem auffiel: „Die Figuren der Menschen haben sich seit dem letzten Jahrhundert stark verändert“, sagt Firl. „Die Schauspieler brauchen heute in der Regel ein bis zwei Konfektionsgrößen größer, als vor hundert Jahren.“ Auch an den Schuhen sehe man dies, originale Paare hätten meist die Größe 35 oder 36.

Am Montag, 29. Januar, steht Firl um 11 Uhr Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort. Die Veranstaltung findet im Rahmen der 11. landesweit stattfindenden Schulkinowochen statt, die von Vision Kino – Netzwerk für Film und Medienkompetenz und von „Film + Schule NRW“, einer gemeinsamen Initiative des Ministeriums für Schule und Bildung NRW und des LWL-Medienzentrums für Westfalen organisiert werden. Das Kinopolis in Bad Godesberg zeigt daher ab Donnerstag, 25. Januar, insgesamt sechs Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilme, die die Medienkompetenz von Schülern aller Schulformen und Altersstufen stärken sollen. Ein besonderes Highlight für Kinder und Jugendliche sind dabei die Begegnungen mit Filmschaffenden. Schulen können sich jetzt noch anmelden. Der ermäßigte Eintrittspreis für die Kinovorführungen beträgt 3,50 Euro, Lehrkräfte und Begleitpersonen haben freien Eintritt.

Das Programm aller in Bonn teilnehmenden Kinos sowie die Online-Anmeldung sind unter www.schulkinowochen.nrw.de zu finden.