Deutsches Museum

Berufs-Speed-Dating in Bad Godesberg für Jugendliche

Mit Gabriele Belloff (von links) diskutierten Hillevi Burmester, Andrea Niehaus, Anja Möller, Dario Thomas, Angelika Arndt.

Mit Gabriele Belloff (von links) diskutierten Hillevi Burmester, Andrea Niehaus, Anja Möller, Dario Thomas, Angelika Arndt.

Bad Godesberg. Schul- und Unternehmensvertreter trafen sich zum Berufs-Speed-Dating im Deutschen Museum. Das Ziel: Die lokale Vernetzung von Schulen und Unternehmen vor Ort.

Sechs bis sieben Minuten. Dann klingelte unbarmherzig das Glöckchen, und das Wechselspiel an den Stehtischen begann. Die Regeln eines Speed-Datings galten am Donnerstag bei der Veranstaltung „Schule-Wirtschaft-vor-Ort“ im Deutschen Museum. Wie es der Name schon andeutet, ging es nicht um Schmetterlinge im Bauch, sondern – eher emotionsloser – um lokale Vernetzung von Schulen und Unternehmen vor Ort. Davon können Jugendliche allerdings richtig profitieren: Denn an dem Abend versuchten Vertreter von Bad Godesberger Schulen und von Firmen, ihnen den Übergang von der Schule zum Beruf zu erleichtern.

„Durch eine lokale Vernetzung von Schulen und Unternehmen vor Ort werden interessante Kooperationen gefördert und die Organisation von Angeboten wie Praktika und Berufsfelderkundungen erleichtert“, sagte Gabriele Belloff. Sie ist Leiterin des Regionalen Bildungsbüros im städtischen Schulamt, das die Börse mit der Wirtschaftsförderung und der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg (IHK) sowie der Handwerkskammer zu Köln organisiert hatte.

Im Museum ging es also konkret darum, dass Schulleiter, Berufswahlkoordinatoren und Firmenvertreter sich kennenlernten, ins Gespräch kamen und Visitenkarten austauschten. Auch mögliche Zusammenarbeiten bahnten sich schon an. An Tisch drei machte Uta Weil-Kliebisch Werbung für den Großhandel – in ihrem Fall im Segment Sanitär und Haustechnik. „Wir sind der zweitgrößte Wirtschaftsfaktor. Das sollte man nicht außer Acht lassen.“ Weil dort auch duale Ausbildungen mit begleitendem Studium angeboten werden, zeigte sich Jürgen Holert von der Otto-Kühne-Schule interessiert, von der Bedeutung des Großhandels „habe ich vorher nichts gewusst“, meinte er.

Ricarda von Petersdorff stellte ihr Park Hotel in Bad Godesberg vor: „Wir bilden jedes Jahr eine Person aus.“ Sie sei gut vernetzt, so dass die Azubis auch ins Ausland und andere Hotelbetriebe geschickt würden. Für Praktika nehme sie nur Haupt- und Realschüler, keine Gymnasiasten. Rita Siegemund von der Carl-Schurz-Realschule verwies auf bestehende Partnerschaften mit der RHI AG in Niederdollendorf und dem Seniorenhaus Steinbach, wo Schüler ihre Zeit mit dementen Menschen verbringen, mit ihnen spielen, Waffeln backen oder einfach übers Leben reden. In Bonn gebe es heute bereits 45 Partnerschaften, so die Lehrerin, die diese stadtweit koordiniert.

An Tisch 1 kritisierte Anja Möller vom Bonner Schulamt das mangelnde Engagement vieler Schüler. Dem könne man nur mit Begeisterung entgegenwirken, sagte Stefan Remmel von der Maler- und Lackierer Innung Bonn/Rhein-Sieg und verglich den Beruf mit Leveln und Endgegner in einem Videospiel. Am Ende sei etwas fertig und man auch noch etwas erwirtschaftet. „Sie können aus allem was Schönes machen“, so Remmel. Auf den Punkt brachte es vielleicht Dario Thomas von der IHK: „Wir müssen Betriebe, die nicht ausbilden wollen, mit Schülern, die keine Berufe kennen, zusammenbringen.“