Streife im Bad Godesberger Villenviertel: 90 Privatleute nutzen Wachdienst

Streife im Bad Godesberger Villenviertel : 90 Privatleute nutzen Wachdienst

Seit dem 1. Juli ist es Fakt: Ein privater Wach- und Sicherheitsdienst geht im Bad Godesberger Villenviertel auf Streife. Das teilte die Mitorganisatorin des Dienstes in einer Rundmail, die dem General-Anzeiger vorliegt, an zahlreiche Adressaten mit. Demnach liegt "das Einsatzgebiet zwischen Bahntrasse und Rheinufer sowie zwischen der Wurzerstraße und Fasanenstraße/Tannenallee".

Auf Nachfrage sagte eine Mitorganisatorin, die namentlich nicht genannt werden möchte, dass sich die Privatinitiative eines "regen Zuspruchs" erfreue. Dass bestätigte auch Timo Hähnlein, dessen Sicherheitsfirma den neuen Streifendienst im Villenviertel übernommen hat. Laut Hähnlein nehmen bislang rund 90 Personen seine Dienste in Anspruch. "Außerdem bekommen wir täglich neue Anfragen", ergänzte der Sicherheitsexperte.

Wie bereits berichtet, basiert das Konzept des Streifendienstes im Villenviertel ganz auf dem Modell der City-Streife in der Bad Godesberger Innenstadt. Die wurde bislang vom Verein Stadtmarketing organisiert und ebenfalls von Timo Hähnlein durchgeführt. Aus wirtschaftlichen Gründen hat das Stadtmarketing die Zusammenarbeit mit der Firma TH Sicherheit allerdings zum 31. Juli gekündigt, Hähnlein will in eigener Regie weitermachen.

Dass Privatleute nun auf eigene Initiative einen Streifendienst im Villenviertel aus der Taufe gehoben haben, hängt ganz wesentlich mit der Kriminalitätsentwicklung in Bonn und den 2013 erneut gestiegenen Einbruchszahlen zusammen. Wie mehrfach berichtet, nimmt die Bundesstadt in der gesamtdeutschen Kriminalstatistik 2013 den Spitzenplatz ein. Laut der Statistik lag Bonn mit 563,8 Einbrüchen pro 100 000 Einwohner auf Platz eins.

"Das Ganze hat aber nichts mit einer Bürgerwehr zu tun", hatte die Mitorganisatorin bereits zu einem früheren Zeitpunkt bekräftigt. Auch könne nicht die Rede davon sein, dass der Streifendienst der Polizei die Arbeit abnehmen soll: "Es geht um eine sinnvolle Ergänzung", sagte die Frau am Montag auf Anfrage: "Es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn jemand regelmäßig mein Haus kontrolliert." Sie widerspricht Vorwürfen, wo- nach der Dienst nur etwas für "Reiche" sei: "Das ist völliger Quatsch. Bereits für einen Preis ab 50 Euro im Monat kann jeder diesen Dienst in Anspruch nehmen." Das entspreche etwa dem Preis einer Mitgliedschaft im Fitnessstudio.

Wer den Streifendienst ordert, dem verspricht Hähnlein für den Grundpreis von 50 Euro: Drei Anfahrten des Gebäudes pro Nacht, eine per GPS kontrollierte Einhaltung der Beobachtungsfrequenz sowie eine zeitnahe Benachrichtigung per E-Mail, wenn etwas beobachtet wurde. Vorstellen können sich die Organisatoren der Streife auch, eines Tages zwei Fahrzeuge zeitversetzt im Villenviertel patrouillieren zu lassen.

Polizeisprecher Frank Piontek hatte zu dem Vorstoß aus dem Villenviertel nichts einzuwenden, "weil grundsätzlich jeder einen Sicherheitsdienst beauftragen kann". Gleichwohl hält die Polizei eine aufmerksame Nachbarschaft und frühzeitige Hinweise an die Notrufnummer 110 für effektiver. "Erst einen Sicherheitsdienst zu verständigen, verschafft den Tätern unnötig Zeit", gibt Piontek zu bedenken.

Bei einem Ortstermin in der Polizeiwache Bad Godesberg hatte sich in der vergangenen Woche auch Bonns Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa zu dem Sicherheitsdienst in Bad Godesberg geäußert. Ihre Meinung dazu ist eher zurückhaltend: "Ich sehe solche Initiativen relativ kritisch", sagte sie auf Nachfrage des GA. Zwar könnten solche Streifen dazu beitragen, das subjektive Sicherheitsempfinden zu verbessern.

"Aber", ergänzte die Polizeipräsidentin mit Blick auf die begrenzten Kompetenzen privater Dienste, "im Zweifelsfalle können auch sie nicht mehr machen, als die 110 zu wählen". Etwas anders sah es bei dem Treffen Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke: "Das subjektive Sicherheitsgefühl erhöht durchaus die Lebensqualität und darf nicht unterschätzt werden."

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