Arbeiten an Weihnachten: 80 Notfälle an den Feiertagen im Godesberger Waldkrankenhaus

Arbeiten an Weihnachten : 80 Notfälle an den Feiertagen im Godesberger Waldkrankenhaus

Es gibt wohl für beide Seiten schönere Orte, um das Weihnachtsfest zu verbringen, als ein Krankenhaus: Die, denen dort geholfen wird, aber auch die, die dort im Einsatz für die Patienten sind. Ruhig war es am Wochenende im Waldkrankenhaus nicht.

Obwohl das Team vom Waldkrankenhaus am Montag keine „besonderen“ Vorkommnisse zu vermelden hatte, war es alles andere als ruhig oder dauerhaft besinnlich.

„Rund 80 Notfälle waren täglich zu betreuen“, berichtete Assistenzarzt und Unfallchirurg Dr. Stefan Sträßer. Der Mediziner tat auch Dienst im Notfallzentrum des einzigen Krankenhauses in Bad Godesberg. Das Zentrum wiederum ist Anlaufstelle für alle Notfälle im Bonner Süden. Dabei reiche das Einzugsgebiet aber auch deutlich nach Rheinland-Pfalz hinein, zum Beispiel bis nach Bad Neuenahr, so Sträßer.

Pfleger Denis Patega erzählte, dass diese Fallzahlen auch an normalen Wochenenden erreicht würden. „Am ersten Weihnachtsfeiertag war es relativ ruhig, dafür an Heiligabend umso stressiger. Da kamen dann fünf Krankenwagen fast gleichzeitig.“ Gelegenheit zum Durchschnaufen gab es auch am zweiten Weihnachtsfeiertag kaum. „Zwischen 9 und 12 Uhr ging das hier im Zehn-Minuten-Takt“, so Patega.

Dass auch einige Schnittverletzungen durch häusliche Aktivitäten dabei waren, darf durchaus im Zusammenhang mit Weihnachtsgänsen und ähnlichem Federtier im Backofen gesehen werden, ließ Sträßer durchblicken.

Auch eine „häusliche Auseinandersetzung“ am Weihnachtstisch lässt sich möglicherweise auf erhöhte Emotionen zurückführen. „Aber die war auch nicht so schlimm“, meinte Sträßer. Und auch die Magen-Darm-Probleme haben sich in der Klinik über die Feiertage gehäuft. „Da ist dann die Grenze zwischen zu viel gutem Essen und einem Virus fließend.“

Insgesamt kümmerten sich über Weihnachten im Notfallzentrum rund 20 Mitarbeiter um die Patienten, darunter ein Chirurg, ein Internist, ein Urologe, ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt, ein Anästhesist und weiteres Fachpersonal. „Nicht zu vergessen alle Oberärzte in den Fachabteilungen des Krankenhauses, die Gewehr bei Fuß stehen“, sagte Denis Patega. „Das ist Frau Schulze. Bringen Sie sie auf Station 7, da wird sie schon erwartet“, sagte Stefanie Sonder, Leiterin des Notfallzentrums, zu ihrem Kollegen. „Wir haben neun Fachabteilungen im Haus, kümmern uns aber um jeden, der kommt. Egal, welche Beschwerden er hat.“

Bevor jemand allerdings im Notfallzentrum landet, muss er erst einmal an Pförtner Thomas Riegel vorbei. „Wenn die Leute mit Magen-Darm-Problemen oder Husten kommen, schicke ich die erst einmal in die Notfallpraxis der niedergelassenen Ärzte“, sagte Riegel. „Wenn jemand dagegen mit Nasenbluten vor mir steht, schicke ich den gleich ins Notfallzentrum, wo auch ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt zugegen ist.“

Dass sich die Notfallpraxis der niedergelassenen Ärzte gleich um die Ecke befindet, „ist eine perfekte Kombination“, sagte Dr. Stefan Sträßer. Dort nimmt Krankenschwester Sabine Jacques die Patienten entgegen. „Wir hatten über Weihnachten schon mehr Betrieb als sonst“, erzählte sie. „Viele Patienten sind mit Grippe und Erkältungskrankheiten zu uns gekommen.“

Was braucht man, um im Notfallzentrum zu arbeiten? „Intuition, Nervenstärke, Bauchgefühl. Und Fachwissen, natürlich“, sagte Leiterin Stefanie Sonder. Sie arbeitet gern in Schweinheim, trotz des Stresses. Warum? „Weil das Team großartig ist. Wir identifizieren uns mit dem Waldkrankenhaus. Einer fängt den anderen auf.“ Und bringt ihn dazu, sein Bestes zu geben. Untereinander verstehen sich alle gut. Und jeder weiß, was er zu tun hat.

Kommen viele Patienten ins Notfallzentrum, die eigentlich auch beim Hausarzt gut aufgehoben wären? „Wir nehmen jeden Menschen mit seinem Anliegen ernst“, sagte Stefanie Sonder. „Ich hatte mal jemanden, der über Rückenschmerzen klagte. Ich habe trotzdem ein EKG geschrieben. Weil er grau im Gesicht war. Hinterher kam heraus, dass er einen Herzinfarkt hatte. Er wäre gestorben, wenn wir nicht sofort gehandelt hätten.“

Die Stimmung im Team ist gut. „Gerade an den Feiertagen zeigt sich das. Die Station ist festlich dekoriert, zwischendurch setzen sich alle Mitarbeiter kurz zusammen und klönen“, sagte Denis Patega. Und so kommt auch im Krankenhaus Besinnlichkeit auf – zumindest bis der nächste Patient eintrifft.