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Öko-Test schlägt Alarm: Arzneimittel im Bonner Trinkwasser

Öko-Test schlägt Alarm : Arzneimittel im Bonner Trinkwasser

Die Studie der Zeitschrift Öko-Test hat einiges Aufsehen erregt. Der Wasserversorger hingegen gibt Entwarnung.

Wie gesund ist unser Trinkwasser? Vielen schmeckt es pur, wir kochen damit Tee, Kaffee und Essen. Nun schlägt die Zeitschrift Öko-Test Alarm. Sie hat das Leitungswasser in 69 deutschen Städten untersucht und dabei vielerorts Schadstoffe gefunden. So auch in Bonn: Das Wasser vom Wahnbachtalsperrenverband enthält demnach Gadolinium, ein Kontrastmittel in der Magnetresonanztomografie (MRT). Allerdings sind die Werte äußerst niedrig.

Nichtsdestotrotz erregte die Untersuchung des Verbrauchermagazins am Dienstag Aufsehen, wurde vom Handelsblatt und zahlreichen weiteren Medien zitiert, kursierte auch im Internet.

Vorausgegangen war, dass sich Öko-Test beim Wahnbachtalsperrenverband gemeldet und Werte von Rückständen im Wasser abgefragt hatte, teilte WTV-Geschäftsführer Norbert Eckschlag mit. Der Verband würde alle ein bis zwei Monate nach Resten von Pflanzenschutzmitteln, Arzneimitteln und Spurenstoffen (etwa aus Cremes) suchen.

Die Zeitschrift hat laut Eckschlag dann selbst eine Probe in Bonn genommen und speziell nach Gadolinium gesucht - was der WTV bislang noch nicht getan hat. Das Kontrastmittel wird Patienten beim Röntgen verabreicht und gelangt über das Urin in den Wasserkreislauf - zum Teil aber auch über natürliche Vorkommen im Boden. Laut Eckschlag hat Öko-Test für Bonn einen Wert von 0,01 Mikrogramm pro Liter ermittelt und daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass Arzneimittel "wahrscheinlich" einen Anteil daran haben - so nachzulesen in einer Tabelle.

Die Trinkwasserkommission des Gesundheitsministeriums halte das nicht für einen kritischen Wert: Der sogenannte Gesundheitliche Orientierungswert (GOW) liegt nach WTV-Angaben bei einem Mikrogramm pro Liter, also dem Hundertfachen. "Der GOW wird so niedrig angesetzt, dass auch bei lebenslanger Aufnahme der betreffenden Substanz kein Anlass zur gesundheitlichen Besorgnis besteht", teilt zum Beispiel das Umweltbundesamt mit.

"Wir holen das Wasser nicht von einem anderen Planeten", sagt Eckschlag. Es gebe Stoffe, die man nicht aus dem Wasser herausbekomme. Gadolinium sei in Kläranlagen nicht abbaubar. So sei klar, dass sich in der Sieg auch Abwasser befindet, das ins Grundwasser gelangt.

Der WTV will in den nächsten Tagen noch einmal an allen drei Wasserentnahmestellen Proben ziehen und beim Institut "IWW Zentrum Wasser" in Mülheim an der Ruhr untersuchen lassen. So soll eingegrenzt werden, wo das Gadolinium tatsächlich herkommt.

Bonns Vize-Sprecher Marc Hoffmann teilte mit, dass die Stadt solche Rückstände nicht untersuche, da sie nicht auf das öffentliche Netz zurückzuführen seien. Sie sei aber zuständig, wenn etwa Bleileitungen Schadstoffe absondern.

Daher kommt unser Trinkwasser

Die Wahnbachtalsperre mit einem Speicherinhalt von 41 Millionen Kubikmetern wurde von 1955 bis 1958 errichtet. Da sie ausschließlich der Trinkwasserversorgung dient, gelten besondere Schutzmaßnahmen. "Die wasserrechtlich jährlich zugelassene Entnahmemenge liegt bei 28,1 Millionen Kubikmetern", teilte der Wahnbachtalsperrenverband (WTV) mit.

Er besitzt zudem eine wasserrechtliche Bewilligung zur Entnahme von 20 Millionen Kubikmetern Grundwasser pro Jahr aus dem Werk Untere Sieg in Sankt Augustin-Meindorf und noch mal sieben Millionen aus dem Werk Hennefer Siegbogen. Das WTV-Verbreitungsgebiet besteht aus der Stadt Bonn, dem größten Teil des Rhein-Sieg-Kreises und einem Teil des Kreises Ahrweiler.