Ansturm auf Alten Zoll und 1 000-Mann-Kaserne

Ansturm auf Alten Zoll und 1 000-Mann-Kaserne

"Vergangenheit aufgedeckt - Archäologie und Baukunde" heißt das Motto: So mancher ehrenamtliche Referent wird vom Interesse der Bonner überwältigt

Bonn. Wäre nicht die lange Schlange am Brassertufer gewesen, man hätte die unscheinbare, von Efeu verdeckte Metalltür unterhalb des Alten Zolls glatt übersehen. Rund 300 Besucher waren am Sonntag beim Tag des offenen Denkmals gekommen, um einen Blick ins Innere der barocken Stadtbefestigung zu werfen.

Hier verbirgt sich ein Gang, der ursprünglich dazu genutzt wurde, die Treidelpferde, die die Schiffe flussaufwärts zogen, am kurfürstlichen Zollhaus vorbei zu führen. Als ab 1642 die massive Eckbastion gebaut wurde, wurde der Gang integriert. Anhand von Mauerresten und Torbögen kann man noch ablesen, wo das Zollhaus stand.

Ansonsten deuten Beschriftungen wie Abort und Gasschleuse darauf hin, dass der Gang im zweiten Weltkrieg als splittersicherer Schutzraum genutzt wurde. "Ruhe bewahren" steht an den Wänden. Das musste auch Professor Heijo Klein vom Bonner Heimat- und Geschichtsverein, der vom Ansturm ziemlich überrascht wurde und nacheinander mehrere Gruppen durchschleusen musste. Der Alte Zoll war eines der Denkmäler, die sonst nicht zugänglich sind und deshalb etwas besonders Geheimnisvolles haben.

An vielen Stellen in Bonn brachten am Sonntag ehrenamtliche Referenten den Besuchern die Bedeutung von Kirchen, Friedhöfen, römischen Ausgrabungen und und mittelalterlichen Mauerresten nahe. "Vergangenheit aufgedeckt - Archäologie und Baukunde" lautete das Motto des Denkmaltages.

Kleine Anekdoten und unbekannte Details erfuhren die Teilnehmer auch in der Ermekeilkaserne in der Südstadt. So berichtete ihnen Wolfgang Alt vom Föderverein Poppelsdorfer Geschichte, wie es überhaupt zum Bau des Gebäudes kam und, dass es nach seinem Bauherrn Johann Heinrich Ermekeil benannt wurde, der gemeinsam mit weiteren Privatinvestoren in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Bebauung der Südstadt, vor allem der Argelander-, Schloss- und Ermeikeilstraße, übernommen hatte.

Die Kaserne sollte das bisher in Bonn ansässige Kavallerie-Regiment durch eine Infanterie unterstützen und vor allem den Studenten der Universität die Möglichkeit bieten, gleichzeitig ihren Wehrdienst zu leisten und ihr Studium voran zu treiben. So beherbergte das Gebäude bis zum Ersten Weltkrieg im Durchschnitt rund 600 Soldaten gleichzeitig. Kurz vor dem Krieg stieg die Zahl auf 1 000 Soldaten an, was ihr den Namen 1 000-Mann-Kaserne einbrachte.

Nicht ganz so viele Menschen beherbergt das Gebäude heute, das vom Amt für Wehrverarbeitung genutzt wird. Rund 400 Personen arbeiten täglich in den denkmalgeschützten Räumen. In vier bis fünf Jahren zieht das Amt jedoch auf die Hardthöhe, wer nachfolgt, ist bisher unklar. "Wir hoffen auf eine zivile Nutzung", erklärte Wolfgang Alt, der gemeinsam mit der Initiative zur zivilen Nutzung der Bonner Ermekeilkaserne für einen kommunikativen Raum mit neuen Wohn- und Lebensformen wirbt.

Eben so, wie es bereits zwischen den Kriegen stattgefunden habe, als kinderreiche Familien in die Seitenflügel eingezogen seien und bevor 1950 das "Amt Blank" Einzug hielt und 1956 schließlich der Dienstsitz des ersten deutschen Verteidigungsministers, Franz-Josef Strauss, errichtet worden sei.

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