Kongolesen verkaufen Residenz: Die letzte Botschaft verlässt Bonn

Es ist für den früheren Diplomatenstadtteil Bad Godesberg eine Zäsur - die letzte Botschaft, die noch ihren kompletten Betrieb am Rhein abwickelte, hat die Koffer gepackt. Und tschüss! Was die Demokratische Republik Kongo (Zaire) dabei hinterlässt, ist allerdings nicht besonders ansehnlich.

Bad Godesberg. Es ist für den früheren Diplomatenstadtteil Bad Godesberg eine Zäsur - die letzte Botschaft, die noch ihren kompletten Betrieb am Rhein abwickelte, hat die Koffer gepackt. Und tschüss! Was die Demokratische Republik Kongo (Zaire) dabei hinterlässt, ist allerdings nicht besonders ansehnlich, und schon gar nicht repräsentativ für das Erbe ehemaliger Botschaften.

Nach langwierigen Verhandlungen verkauften die Kongolesen ihre bereits seit Jahren leerstehende Residenz An der Nesselburg 38 sowie ihre Kanzlei im Meisengarten 133 an die x-haus.GmbH vom Niederrhein.

Aus der völlig verkommenen und von Vandalismus zerstörten Residenz sollen nach Abriss auf 2 000 Quadratmetern Eigentumswohnungen im klassizistischen Stil entstehen, sagt Reiner Krings von der x-haus.

Und die Kanzlei im Meisengarten wird von Grund auf saniert und "in günstige Eigentumswohnungen" umgewandelt, so Krings. Die Fertigstellung für beide Gebäude ist für Ende 2011 vorgesehen. Und - gute Nachricht für die Anwohner - die ehemalige Residenz "wird in Kürze geschlossen und gesichert".

Bis auf die ehemaligen Botschaften von Guinea in Dottendorf und des Jemen in Bonn, befinden sich sämtliche leerstehenden Immobilien ehemaliger Botschaften in Bad Godesberg. Insgesamt handelt es sich dabei um 27 Gebäude, die beiden der Kongolesen inklusive.

Betrachtet man jeden Einzelfall gesondert, hellt sich die Situation auf. Das auch vor dem Hintergrund, dass einige Gebäude in den vergangenen Jahren verkauft, allerdings immer noch auf den Abrissbagger oder eine umfassende Sanierung warten, wie beispielsweise die frühere Auslandvertretung der Republik Frankreich in Rüngsdorf gegenüber dem Rheinhotel Dreesen.

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Die ehemalige Botschaft, die sich nach über zehn Jahren Leerstand in einem trostlosen Zustand befindet, soll im Herbst abgerissen werden und Platz machen für rund 50 hochwertige Eigentumswohnungen.

Im Spektrum trostlos bis ärgerlich befinden sich außerdem noch folgende ehemalige Vertretungen: Indonesien, Bernkasteler Straße 2, Kanzlei und Residenz des Inselstaates, Im Hag 24, in Mehlem. Iran, Godesberger Allee 133: Bis es eines Tages zum Verkauf kommt, wird der Schimmelpilz sich weiter ausbreiten.

Einen optisch guten Eindruck macht dagegen die ehemalige iranische Residenz, Elfstraße 40, in Muffendorf. Nepal, Im Hag 15, Mehlem: Zwei Gebäude (Kanzlei und Residenz) auf einem Grundstück in Toplage, an denen nicht nur der Zahn der Zeit frisst, sondern auch Vandalismus für einen verheerenden Zustand sorgt. Nepal ist bemüht und will verkaufen. Nigeria, Goldbergweg 13, Muffendorf: Vor zwei Jahren wurde die Botschaft verkauft.

Allerdings ist seither wenig passiert. Eine verlassene Ruine gleich neben der Cäcilienhöhe mit Top-Ausblick. Irgendwann sollen hier schicke Wohnungen entstehen. Die Residenz Nigerias, Vulkanstraße 69, Mehlem, steht seit 2001 leer, die Regierung will das Gebäude behalten, die Anlage wird gepflegt.

Somalia, Hohenzollernstraße 12: Mitten im Villenviertel verkommt die ehemalige Botschaft des Afrikastaats. Das ovale Emailschild an der Hauswand erinnert immer noch an die afrikanischen Diplomaten von einst. Allerdings wurde das Gebäude mittlerweile verkauft.

Übrigens: 19 Nationen haben in Bonn noch vier Generalkonsulate, ein Konsulat und 14 Außenstellen, die meisten in Bad Godesberg. Hinzu kommen drei Honorarkonsule.

Botschaftstouren gibt es regelmäßig bei Bad Godesberg Stadtmarketing. Anmeldung unter der Rufnumer (02 28) 18 42 69 0.