15 bewaffnete Überfälle in sechs Wochen in Bonn und der Region

15 bewaffnete Überfälle in sechs Wochen in Bonn und der Region

"Die Anreize für Täter senken": Ein Fachmann analysiert, wie man Geschäfte für Räuber unattraktiv macht.

Ob Supermarkt, Spielhalle oder Tankstelle - in Bonn und der Region häufen sich zurzeit die bewaffneten Überfälle. Seit Mitte Dezember meldete die Polizei Bonn 15 Fälle in ihrem Zuständigkeitsgebiet (Bonn, Königswinter, Bad Honnef, Bornheim, Alfter, Meckenheim, Rheinbach und Wachtberg). Drei konnten die Beamten bislang aufklären: die Überfälle auf eine Spielhalle in Rheinbach, eine Tankstelle in Wormersdorf und einen Geldboten in Rheinbach, für die sieben 16- bis 21-Jährige verantwortlich gewesen sein sollen.

Ob die Fälle zusammenhängen, das wird laut Polizeisprecher Frank Piontek stets geprüft. "Als erstes schaut man auf die Personenbeschreibung. Dann vergleicht man natürlich." Die Tatausführungen seien fast immer ähnlich: Alles gehe sehr schnell, die Täter seien vielfach maskiert und es gebe keinen Täter-Opfer-Kontakt. Eine Serie könne dann festgestellt werden, wenn ein Einzeltäter oder eine Gruppe "in kurzer Zeit viele Taten verübt", so Piontek.

Denn: "Die Begehungsweise ist dann die gleiche, teilweise ist es auch die gleiche Wortwahl." Manchmal seien die Täter (wie in den Rheinbacher Fällen) örtlich beschränkt, würden also die Überfälle in einem engen Radius begehen. "Eine wichtige Rolle bei den Ermittlungen spielen Fotos und Filme aus den Überwachungskameras", so Piontek. Leider gebe es noch Geschäfte und Tankstellen, die entweder keine oder schlechte Kameras hätten.

Kameras wirken abschreckend

Die Videoüberwachung sei eine Möglichkeit, sich vor Überfällen zu schützen, sagt Peter Keilholz, Obmann des Arbeitskreises Verkaufsstellen im Fachausschuss "Bauliche Einrichtungen" der Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution (BGHW). Zwar lasse sich das Risiko eines Überfalls nie ganz ausschließen, "aber man kann Anreize für Täter senken", sagt der Experte. Dazu gehörten Kameras: "Es wirkt abschreckend auf potenzielle Täter, wenn die sich bereits im Verkaufsraum auf einem Bildschirm sehen." Ganz wichtig sei allerdings, "dass Betreiber ihre Kunden über Sicherheitsmaßnahmen informieren".

Eine weitere Vorkehrung bei Tankstellen ist die Einrichtung eines Nachtschalters. "Umsatzstark sind nämlich die Stunden nach Feierabend", erklärt Keilholz. Außerdem häuften sich Überfälle in der dunklen Jahreszeit. Keilholz stützt sich auf die regelmäßige Auswertung von mehr als 1000 Überfällen auf Verkaufsstellen bundesweit. Seine Erklärung ist: "Überfälle ereignen sich meist vor oder kurz nach Ladenschluss. Wenn dieser Zeitpunkt in der Dunkelheit liegt, ist die Wahrscheinlichkeit größer, unerkannt zu entkommen."

Insbesondere der Umgang und die Aufbewahrung von Geld spielt bei der Prävention eine Rolle. So solle das Personal auf Geldzählen vor Kunden verzichten, Betreiber müssten für möglichst wenig Wechselgeld in der Kasse sorgen. Schließlich sei der schnelle Kassenraub laut Keilholz immer noch "die häufigste Form von Überfällen auf Verkaufsstellen". Dabei muss der Experte feststellen, dass Räuber immer dreister vorgehen: "Die greifen auch in die Kasse, wenn Kunden dabei sind, weil sie nicht mit einem Einschreiten rechnen."

Eine "Zunahme der Bereitschaft zur Brutalität" ist auch Karin Retzlaff, Pressesprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes in Berlin, aufgefallen. Wenngleich sie sagt: "Die Überfälle auf Tankstellen unserer Mitglieder haben abgenommen, die Höhe der Beute ist unverändert."

Nicht den Helden spielen

Betroffenen Mitarbeitern legt Keilholz im Falle eines Falles ans Herz, "nicht den Helden spielen zu wollen". Das beherzte Zuschlagen der Kasse wie auch die Weigerung, Bargeld herauszugeben, seien nur dazu geeignet, den Stress beim Täter und seine Gewaltbereitschaft zu erhöhen. "Der Räuber will in aller Regel niemanden verletzten", so Keilholz. Es sei aber schon vorgekommen, dass Mitarbeiter aus reiner Aufregung die Kasse nicht aufbekommen haben: "Das muss man üben."

In Sachen Prävention ist für den BGHW-Obmann "ein separater Tresor absolut empfehlenswert". Etwa so, wie es der Shell-Konzern bei seinen Tankstellen praktiziere. "Hier wird das Geld direkt in einen Tresor eingezahlt, der der Postbank gehört, und zu dem der Pächter keinen Schlüssel hat." Es gelte die Gleichung: "Weniger Geld in der Kasse bedeutet weniger Überfälle."

Cornelia Wolber, Pressesprecherin von Shell-Deutschland, bestätigt die Aussage. Seit 2010 hätten 1300 der 2200 Tankstellen des Konzerns das kostenpflichtige System eingeführt: "Die Überfälle haben sich seitdem um etwa 50 Prozent reduziert". Auch Kathleen Seyb, Stationsleiterin der Shell-Tankstelle an der Kölnstraße in Bonn, hat sich für den geschlossenen Bargeldkreislauf entschieden. Sie sagt: "Seitdem sind wir nicht mehr überfallen worden.

[Inline: Überfälle]

Informationsmaterial und Leitfäden auf www.bghw.de.

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