Die Aktion Weihnachtslicht: Wie alles begann...

Es klingt heute vielleicht ein wenig pathetisch, was damals zum Start der Aktion Weihnachtslicht im General-Anzeiger zu lesen war. Aber was waren das auch für Zeiten damals, sieben Jahre nach Kriegsende, drei Jahre nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland?

"Den armen Menschen muss geholfen werden. Zünden wir ihnen durch ein kleines Opfer, eine kleine Gabe, ein Weihnachtslicht an - ein Weihnachtslicht für alle Leute, damit sie am Fest der Liebe wieder einmal ihres Lebens froh werden. Es gibt keine größere Freude als die, die anderen gespendet wird." General-Anzeiger vom 15. November 1952

 

Zwar hatte die Währungsreform die D-Mark gebracht und mit ihr die Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung. Aber noch lag Deutschland mehr oder weniger in Trümmern. Kriegswitwen und -waisen kämpften um ihr Überleben, Hunderttausende Vertriebene suchten eine neue Heimat, Güter des täglichen Bedarfs waren immer noch Mangelware. Das deutsche "Wirtschaftswunder" lag noch in weiter Ferne.

Wer letzten Endes den Anstoß dazu gab, angesichts offensichtlicher Not und Elend auch an Rhein, Sieg und Ahr eine Hilfsaktion der Zeitung ins Leben zu rufen - war es der damalige Chefredakteur Edmund Els, war es der damalige Lokalchef Dr. Wilhelm Kümpel, waren es beide gemeinsam, war es eine Anregung aus Leserkreisen? - lässt sich heute nicht mehr sicher rekonstruieren.

Wichtiger ist: Die gesamte Redaktion stand hinter dem Vorhaben. Und, ebenso wichtig: Auch der Verlag mit der Verlegerfamilie Neusser/ Weidert an der Spitze stellte sich von Anfang an hinter die Initiative seiner Journalistinnen und Journalisten und sagte die Übernahme aller anfallenden Kosten zu. Ein Versprechen, das bis heute seine Gültigkeit hat.

Bei großer Kälte: Frauen auf dem Bonner Markt

Bei großer Kälte: Frauen auf dem Bonner Markt

 

Ganz besonders wichtig aber: Die Hilfsaktion fand auf Anhieb die uneingeschränkte Zustimmung der Leserinnen und Leser der Zeitung. Auch das gilt uneingeschränkt bis in unsere Tage. Am 17. November 1952 beschloss die Gründungsversammlung die Satzung des Vereins "Weihnachtslicht".

Kohle statt Bares

Da die Zeitung in ihren Artikeln konkrete Menschen mit ihren konkreten Bedürfnissen vorstellte, fiel in den ersten Jahren auch die Hilfe in der Regel sehr konkret aus: in Form von Sachspenden. Wurden dringend Wintermäntel gesucht, dann wurden Wintermäntel und andere warme Kleidungsstücke gespendet. Eine kinderreiche Familie hatte zwar einen Ofen, aber kein Geld für Heizmaterial? Ein Kohlehändler spendierte ein oder zwei Zentner Briketts frei Haus.

Andere hatten zwar eine Wohnung gefunden, aber darin fehlte ein Ofen? Schon fanden sich Spender, die auf ein überzähliges Heizgerät verzichten konnten. Die eigenen Kinder waren den Windeln entwachsen, also wurden die Windeln an bedürftige Eltern weitergereicht. Man kann sich leicht vorstellen, dass das Ganze mit einem erheblichen logistischem Aufwand versehen war.

Um die Not in Europa zu lindern, wurde 1945 die US-Hilfsorganisation Care ("Cooperative for American Remittances to Europe") gegründet. Die ersten Care-Pakete erreichten Deutschland im Sommer 1946. Die 40.000-Kalorien-Kisten enthielten Büchsenfleisch, Fett in Dosen, Kekse, Kakao, Zigaretten und Schokolade.

Um die Not in Europa zu lindern, wurde 1945 die US-Hilfsorganisation Care ("Cooperative for American Remittances to Europe") gegründet. Die ersten Care-Pakete erreichten Deutschland im Sommer 1946. Die 40.000-Kalorien-Kisten enthielten Büchsenfleisch, Fett in Dosen, Kekse, Kakao, Zigaretten und Schokolade.

 

Irgendwann gingen Leserinnen und Leser, die nicht mit Sachspenden dienen konnten, aber gerne spenden wollten, dazu über, der Aktion "Weihnachtslicht" Geldbeträge zukommen zu lassen, nicht selten anonym in einem Briefumschlag. Das wiederum versetzte die Weihnachtslicht-Helfer in die Lage, dringend benötigte Hilfsmittel wie etwa Medikamente einzukaufen und auf diesem Wege Bedürftigen zu unterstützen.

Cash auf dem Konto

Mit Laufe der Jahre wurden die Sachspenden immer weniger, die Geldspenden dagegen nahmen rapide zu. Also richtete der Verein ein Spendenkonto ein. Voraussetzung dafür war die Anerkennung als gemeinnütziger und wohltätiger Verein durch die Finanzbehörden. Diese Anerkennung wurde dem "Weihnachtslicht" im Jahr 1956 erteilt und seither stets anstandlos erneuert.

Seither ist die Geldspende der Normalfall und die Sachspende nur in ganz seltenen Ausnahmen und nach nur Rücksprache mit dem Verein möglich.

Und noch etwas hat sich geändert: Konnte der Verein anfangs noch bedürftigen Kindern, Familien, Behinderten und älteren Menschen in Not zur Seite stehen, so konzentriert er angesichts zahlreicher aktiver Kinder-, Jugend- und Behinderten-Organisationen seine Hilfe schon seit geraumer Zeit auf ältere Mitbürger in Bonn und der Region, das sind aktuell etwa 3 000 vom Weihnachtslicht betreute Frauen und Männer.

Fringsen: Wer nichts zum Tauschen hatte, musste betteln oder aber "fringsen" gehen - benannt nach dem Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings. In seiner Silvesterpredigt 1946/47 hatte der Kölner Oberhirte Verständnis dafür geäußert, wenn Menschen sich in der Not nahmen, was sie zum Überleben brauchten. (Aufnahme aus dem Sommer 1947)

Fringsen: Wer nichts zum Tauschen hatte, musste betteln oder aber "fringsen" gehen - benannt nach dem Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings. In seiner Silvesterpredigt 1946/47 hatte der Kölner Oberhirte Verständnis dafür geäußert, wenn Menschen sich in der Not nahmen, was sie zum Überleben brauchten.

 

Bedürftige sagen Dank

Die Entwicklung des Spendeneingangs im Laufe der Jahre und Jahrzehnte kann sich sehen lassen. Waren es in den 50er Jahren ein paar tausend D-Mark, so steigerte sich das Spendenaufkommen kontinuierlich von Kampagne zu Kampagne. Nicht zuletzt aufgrund der Resonanz auf die Weihnachtslicht-Berichte in der Zeitung wuchs die Bereitschaft, ärmeren Mitmenschen gerade zu Weihnachten eine Freude zu bereiten.

So übersprang im Kampagnenjahr 1992/93 die Spendensumme erstmals die Millionen-D-Mark-Grenze, zwanzig Jahre später (2012/13) wurden mehr als eine Million Euro eingenommen.

All jenen, die mit ihrer Spende seit Jahren dabei sind, aber auch all jenen, die erstmals einen Betrag auf das Weihnachtslicht-Konto überweisen, sagen wir aufrichtigen Dank im Namen der von uns betreuten Mitbürger.

Soweit in Kürze die Geschichte des gemeinnützigen Vereins "Weihnachtslicht", dessen Aufgaben heute und in naher Zukunft eher mehr als weniger werden.