Alumni

Wie aus Studenten Gründer und Künstler wurden

Acht Absolventen erinnern sich an ihr Studium in Bonn und der Region. Sie erklären, was sie an der Hochschule für ihren Beruf gelernt haben.

Als Alumnus bezeichnete man im Römischen Reich noch einen Pflegesohn. Meist handelte es sich dabei um junge, ausgediente Soldaten. Später waren Alumni alle Armseligen, die "mit Speis und Trank versorgt und in allen guten Sitten unterrichtet" wurden, wie dem Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste von 1732 zu entnehmen ist.

Ab dem 13. Jahrhundert bezeichnete man arme Zöglinge, die an Internaten erzogenen wurden, als Alumni - bis der Begriff ab der Neuzeit für alle Universitätsangehörigen benutzt wurde, die nach Ende ihres Studiums untereinander und zur Universität weiter Kontakt hielten. So ist es im Grunde bis heute. Laut Duden sind Alumni alle Absolventen oder auch ehemaligen Studenten einer Hochschule.

An der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn gab es davon einige, die später berühmt wurden. So zum Beispiel die Jurastudenten Heinrich Heine, Karl Marx und Konrad Adenauer oder Friedrich Nietzsche, Student der Philosophie und Theologie. Welche Erinnerungen an ihre Studentenzeit an den fünf Hochschulen in Bonn und der Region sie haben und wie das Studium ihren jetzigen Beruf beeinflusst hat, verraten uns acht Alumni.

Konrad Beikirchner
 

Konrad Beikircher, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Kabarettist:

Ich kam 1965 nach Bonn an die Uni, weil Bonn in Psychologie führend war, Beethoven hier gelebt hat und das Schloss toll aussah. Ich habe wunderbare Erinnerungen an die Zeit.

1967 gab es die Revolution. Wir wollten studentische Mitbestimmung und veranstalteten ein Sit-in vor dem Psychologischen Institut. Wir saßen draußen auf der Treppe und das Institut war geschlossen.

Wir richteten uns auf eine längere Nacht ein, doch da ging plötzlich die Tür auf und Professor Däumling lächelte uns an und sagte: "Kommen Sie doch herein, es ist doch so kalt draußen!"

Damit war die Kampfesstimmung gebrochen, es gab ein ersprießliches Gespräch mit den Professoren und die Mitbestimmung war durch. Die Uni Bonn war überschaubar und dennoch groß, majestätisch und dennoch persönlich. Ich bin stolz darauf, hier studiert zu haben.

Ich konnte hier sowas wie ein Studium universale absolvieren - von Musikwissenschaften bis Physiologie, von Romanistik bis Philosophie und selbst bei den Soziologen war ich häufiger, weil die tolle Statistiker hatten.

Kurz: Die Uni gekoppelt mit "meiner" bönnschen Studentenwirtin waren die optimale Einführung ins Rheinland.

Judith Merchant

 

Judith Merchant, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Krimi-Autorin, Dozentin:

Als gebürtige Bonnerin fand ich, dass ich zum Studium auf jeden Fall wegziehen sollte in die große weite Welt. Ich kam dann nur bis nach Münster und begann dort mit Germanistik und Allgemeine Sprachwissenschaft.

Mit der Stadt und der Mentalität der Münsteraner konnte ich mich nicht anfreunden. Nach zwei Semestern entschloss ich mich, in Bonn weiterzustudieren.

Als ich das erste Mal abends im Hörsaal beim Lateinkurs saß und durch das Fenster den anderen Flügel des erleuchteten Hauptgebäudes sah, wusste ich, dass ich bleiben würde.

Meine Erinnerungen an die Studentenzeit sind voller Milchkaffee und fleckiger Bücher. Gefühlt habe ich das halbe Studium im "Café Göttlich" und im Oxfam verbracht.

Überhaupt: Bücher! Das ständige Beschaffen, Aufbewahren, Kopieren, Herumtragen und Zurückgeben von Literatur hat enorm viel Zeit verschlungen. Noch dazu produzierte man jedes Semester mehr Berge an bedrucktem Papier.

Es quollen Papiere aus jeder Tasche. Am liebsten waren mir die Oberseminare, in denen wir uns einfach nur lustvoll den Primärtexten widmen konnten.

Dort habe ich gelernt, einen Text auf seine empfindlichen Stellen abzutasten und diese dann wie mit einem Läusekamm durchzugehen.

Und genau darum geht es jetzt in meinem Beruf als Autorin: Festzustellen, an welcher Stelle ein Text noch verwundbar oder wackelig ist, aber auch, wo seine Stärke liegt. Dabei muss man alle Gedanken an den Leser, den Kontext oder den Abgabetermin beiseite schieben, sonst gelingt es nicht.

Nicolas Lecloux
 

Nicolas Lecloux, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Gründer von true fruits:

Nach dem Abitur hatte ich noch keinen Plan, was ich mal machen soll. Für mich stand aber fest, dass ich irgendwann mal in ein Unternehmen will.

Also habe ich 2002 mit dem BWL-Studium in Sankt Augustin begonnen. Das Studium war für mich anfangs harter Tobak. Viele Kommilitonen hatten schon eine Ausbildung und in einigen Bereich schon viel mehr Ahnung als ich.

Einmal bin ich mit zwei Kumpels über ein Fenster auf das Dach der Hochschule geklettert. Der Alarm wurde ausgelöst und wir wurden ordentlich zusammen gepfiffen. Auch ein Gespräch beim Rektor war nötig.

Am selben Abend nahm ich an einem Stand-up-Wettbewerb teil. Mein Beitrag kam so gut an, dass ich gewann und der Ärger erledigt war. An der Hochschule mochte ich die familiäre Atmosphäre. Statt mit 500 Leuten in einem Hörsaal zu sitzen, kamen wir in kleinen Gruppen zusammen und kannten die Dozenten persönlich.

Das Studium hat mir viel gebracht, aber das eine oder andere Mal habe ich mir während der Gründungszeit von "true fruits" gedacht, dass ich in der Vorlesung noch besser hätte aufpassen sollen.

Wir haben für unser Startup sehr viel Unterstützung von der Hochschule und den Dozenten erhalten. Auch heute bin ich der Hochschule noch sehr verbunden.

Ich halte dort von Zeit zu Zeit Vorträge und schreibe regelmäßig eine Kolumne im Hochschulmagazin "doppel:punkt". Zudem sponsern wir seit einigen Jahren den Förderpreis für die beste Diplomarbeit im Fachbereich Wirtschaft.

Ulrike Kessler

 

Ulrike Kessler, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Gesellschafterin und Beirat bei Kessko:

Ich habe an der FH 1996 mit meinem Studium begonnen, mit den Schwerpunkten Marketing und Kommunikation, und meinen Abschluss als Diplom-Betriebswirtin im Jahre 2000 gemacht.

Nach erfolgter Ausbildung zur Industriekauffrau und diversen Tätigkeiten in der Wirtschaft im In- und Ausland wollte ich einfach noch ein Studium aufsatteln, um mich bestmöglich auf die Führung unseres Familienunternehmens vorzubereiten.

Es war eine perfekte Kombination aus Lernen auf fachlicher sowie auf zwischenmenschlicher Ebene. Als zweiter Jahrgang an der neu errichteten FH in Sankt Augustin genossen wir noch kleine "Klassenverbände" mit jeweils nur 20 bis 30 Studenten, also eine sehr persönliche Betreuung, zudem die vorherrschende Praxisnähe der Dozenten und Professoren.

Wie in den Anfängen einer jeden Institution testete man an der FH damals verschiedene neue Seminarangebote, so auch im Bereich Wirtschaftspsychologie. Als wir Studenten (als angehende Führungskräfte) zu Trommel-Musik barfuß durch den Raum tanzend versuchen sollten, wie man Menschen ohne Berührung führt, war es um alle geschehen.

Glücklicherweise nahm die FH schon damals die Rückmeldungen ihrer Studenten ernst und bot psychologische Inhalte.

Steffen Pattei
 

Steffen Pattai, RheinAhrCampus der Huchschule Koblenz, Mitgründer von KonTEM und Entwicklungsingenieur:

Ich habe das Medizintechnik-Studium am RheinAhrCampus aus Interesse an der Technologie angefangen. Dabei interessierte mich vor allem die Bildgebung, nicht so sehr der medizinische Aspekt.

Einige Personen, die mich mit ihrem Wissen und ihrer Darstellung nachhaltig beeindruckten, sind mir in Erinnerung geblieben. Sehr positiv in Erinnerung habe ich auch die kleine Gruppengröße am Campus und damit auch die Möglichkeit, direkt mit den Dozenten und Professoren sprechen zu können und vieles nachzufragen und zu diskutieren.

Eine der wesentlichen Fähigkeiten, die ich im Studium erlernt habe, die ich auch heute immer wieder brauche, ist eine gewisse autodidaktische Erarbeitung neuer und auch komplexer Inhalte.

Letztlich stoße ich nahezu immer irgendwo an die Grenze des mir bereits bekannten Wissens und bin dann gezwungen, mich selbstständig zu informieren.

Johannes Hieltscher
 

Johannes Hieltscher, Internationale Hochschule Bad Honnef Bonn, Sales & Project Manager bei unival® group GmbH:

Ich bin 2013 als erster Stipendiat der Kempinski Hotelgruppe an die IUBH gekommen. Nach meiner Ausbildung im Kempinski Hotel Bristol Berlin wollte ich gerne meine Fachkenntnisse vertiefen und studieren.

Da ich vor meiner Ausbildung auf der staatlichen Wirtschaftsuniversität in Wien war, fielen mir an der IUBH im Gegensatz dazu sofort die kleinen Klassen und die individuelle Betreuung durch die Professoren positiv auf.

Ich erinnere mich gerne an die angeregten Diskussionen. Ein besonderes Highlight waren die Galadinner, welche wir Kempinski-Stipendiaten leiten durften.

Hier haben wir ein komplettes Galadinner gekocht und serviert. Da ich mich während des Studiums auf Hotelsicherheit spezialisiert hatte, konnte ich auch dank meines Praktikums in Jordanien und des erarbeiteten Wissens an der IUBH eine sehr gute Grundlage für meinen jetzigen Job bei der Unival-Group mitbringen.

Als Sales and Project Manager bin ich dafür zuständig, Sicherheitskonzepte und Maßnahmen für Luxushotels in Hochrisikogebieten zu erarbeiten und umzusetzen.

Da ich meine Bachelorarbeit über die Integrierung von Anti-Terrorismusmaßnahmen in Luxushotels geschrieben habe, konnte ich bisher bereits viele Aspekte in meine tägliche Arbeit übernehmen.

Johanna Martin
 

Johanna Martin, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Schauspielerin:

2010 bin ich für das Schauspielstudium an die Alanus gekommen und war schnell angetan von dem Ort, der Atmosphäre und dem Miteinander verschiedener Fachrichtungen. 2014 habe ich mein Diplom gemacht.

Für mich waren es vier Jahre auf dem Berg, wo Pferde grasen, Bildhauer Lagerfeuer machen, der Ausblick bis nach Bonn reicht, man in der Mittagspause im Wald Text lernen kann und man legendäre Partys feiert.

An meinem Studium habe ich den Darstellungs-Unterricht bei Dieter Braun besucht, die Sprecherziehung von Suzanne Ziellenbach genossen oder in Eigenproduktionen mich selbst ausprobiert.

Was habe ich an diesem Ort fürs Leben gelernt? Vielleicht Mut und Zuversicht. Zu riskieren, zu probieren, zu investieren und sich selbst treu zu bleiben. Eigenständigkeit und Selbstvertrauen.

Vor allem aber habe ich eine fundierte Schauspiel-Ausbildung erhalten, auf die ich aufbauen kann. Seit meinem Abschluss habe ich in Düsseldorf, Frankfurt und München gespielt und bin nun in meiner zweiten Spielzeit am Theater an der Rott im bayerischen Eggenfelden.

Sebastian Schulz
 

Sebastian Schulz, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Geschäftsführer von Wertewandel:

Ich kam im Herbst 2011 zum BWL-Studium an die Alanus Hochschule, weil mich der interdisziplinäre Ansatz im Curriculum faszinierte, der ein ganz neues Denken anzuregen versprach und dabei zugleich einen engen Praxisbezug bot.

Ich konnte in den drei Jahren an der Hochschule und bei meinem Praxisunternehmen dm viel erleben und dort nicht nur lernen, sondern auch verstehen.

Mir wurde der wohl beste Raum zur Selbstentwicklung gegeben und bei jeder Frage Gehör geschenkt. Ich erinnere mich gerne an den Moment zurück, als ich im 2. Semester dm-Gründer und Gastprofessor Götz Werner von meiner Geschäftsidee berichtete - seine Antwort war der Startschuss und die Unterstützung der Professoren war wegbereitend für die Entwicklung von "Wertewandel", dem Startup, mit dem ich heute selbstständig bin.