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Bloß keine Diät

Auf gar keinen Fall eine Diät machen – das rät der Düsseldorfer Internist und Sportmediziner Max Timm seinen Patienten. Denn Reduktionskost sei mit einer Mangelernährung vergleichbar. Er empfiehlt stattdessen eine ärztlich begleitete Stoffwechselumstellung. Timms Devise: Statt Mangelernährung dem Körper geben, was er braucht.

Eine Stoffwechselumstellung ist keine Diät. Darauf legt Max Timm großen Wert. „Diät verbessert nichts, sie ist sogar meist für den Körper schädlich. Sie fährt den Stoffwechsel herunter. Tatsächlich ist aber das Gegenteil wünschenswert. Der Stoffwechsel soll richtig angekurbelt werden. Und dafür benötigt der menschliche Körper zu jeder Mahlzeit Kohlehydrate, Fette und Eiweiße“, erklärt der niedergelassene Facharzt in der Gemeinschaftspraxis „Doctown“. Er vergleicht eine den Körper bei einer Diät mit einem Auto, das ohne Benzin fahren muss. „Diät ist eine Notsituation für den Körper. Der Stoffwechsel fährt herunter, man fühlt sich schlapp. Das ist weder einem Sportler noch einem Top-Manager zuzumuten,“ sagt Timm, selbst ehemaliger Leistungssportler. Nahrung sei der „Brennstoff“ für den Körper und kein Übeltäter. Deshalb coacht er seine Patienten, sich „smart zu ernähren“. Selbstverständlich würden viele Menschen von ihrem Arzt hören: „Ernähren Sie sich mal gesünder, ihre Cholesterinwerte sind ein bisschen hoch“, aber das konkrete Coaching, die Begleitung dabei fehle, so Timms Erfahrung. Das  Programm, das seine Patienten durchlaufen, heißt Metabolic@Doctown.

Metabolic oder auf deutsch: Metabolisch – was heißt das überhaupt? Metabolisch bedeutet im Stoffwechsel entstanden. Metabolismus heißt Stoffwechsel und bezeichnet die Gesamtheit der chemischen Prozesse im menschlichen Organismus. Ist er gestört, sprechen Mediziner von einem „metabolischen Syndrom“. Gemeint ist die tückische Kombination verschiedener Einzelkrankheiten oder Faktoren, die meist durch einen ungesunden Lebensstil entstehen. Das sind Übergewicht,  Diabetes Typ-2 oder auffällige Blutzuckerwerte, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck. Diese Vierer-Kombination ist Verursacher von Schlaganfall oder Herzinfarkt und heißt aufgrund des  erhöhten Sterblichkeitsrisikos das „tödliche Quartett“. Diabetes Typ-2 infolge von Übergewicht spielt dabei eine Hauptrolle. Die Stoffwechselerkrankung ist der Hauptrisikofaktor für tödlich verlaufende Schlaganfälle. Betroffene, die einen oder alle Faktoren haben, müssen gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt die vorhandenen Risikofaktoren mit Medikamenten und Lebensstiländerungen behandeln.

Den Patienten ganzheitlich sehen

Metabolic balance® ist das bekannte, ganzheitliche Stoffwechselprogramm, das von dem Arzt Dr. med. W. Funfack entwickelt wurde. Es geht dabei nicht um eine kurzfristige Diät, sondern um eine langfristige Ernährungsumstellung. „Es geht um optimalen Erfolg und Nachhaltigkeit für den Patienten. Deshalb verbinden wir eine Stoffwechselumstellung basierend auf dem Programm Metabolic balance® mit ärztlicher Fachkompetenz. Wir sehen den Patienten ganzheitlich, das heißt es geht nicht um ein Programm oder eine Empfehlung, sondern die alltagstaugliche Umsetzung. Und dafür müssen wir den Patienten kennen, seine Vorgeschichte, seine aktuellen Beschwerden und seine Ziele“, erklärt der Internist und ergänzt: „Ernährungsumstellung ohne ärztliche Begleitung ist ein großes Manko“. Deshalb führt er zunächst mit den Patienten einen individuellen medizinischen Check-up durch, dazu gehören unter anderem Blutuntersuchung, Ultraschalluntersuchung, EKG und Lungentest. Mit diesen und anderen individuellen Ergebnissen wird die Datenbank von Metabolic balance® gefüttert, die dann den optimalen persönlichen Ernährungsplan zur Stoffwechselumstellung erstellt.

  

Dann geht’s los mit der Ernährungsumstellung. „Es gibt acht einfache Regeln zu beachten, das ist eigentlich alles. Und es reicht, wenn der Patient 80 Prozent richtig macht. Das A und O ist ein ausgeglichener Insulinspiegel. Deshalb müssen zwischen den einzelnen Mahlzeiten mindestens fünf Stunden Abstand liegen. Das bedeutet auch, dass es keine Zwischenmahlzeiten wie Apfel oder Banane gibt. Kalorien spielen übrigens überhaupt keine Rolle“, erklärt er. Statt Kalorien zählt die „glykämische Last“. Je niedriger diese ist, desto besser für den Stoffwechsel. Die „glykämische Last“ gibt Informationen über die Auswirkungen von Nahrungsmitteln auf den Blutzuckerspiegel. Und jetzt kommt das Entscheidende: Die tatsächliche Blutzuckerreaktion hängt stark davon ab, welche Lebensmittel in Kombination verzehrt werden. 

  

So dürfen bei einer metabolischen Ernährung unterschiedliche Eiweißgruppen bei einer Mahlzeit nicht miteinander kombiniert werden. Obst sollte nicht gemischt, sondern immer nur eine Obstsorte verzehrt werden. Ob Obstzucker, Zucker oder künstlicher Süßstoff: Er verlangsamt den Stoffwechsel, erhöht den Insulinspiegel und damit das Risiko an Diabetes Typ-2 zu erkranken. So warnt die Initiative Diabetes: Ein Glas Limo pro Tag erhöht auf Dauer das Diabetes-Risiko um 22 Prozent. Auch Saft pur und Multivitaminsäfte sind aufgrund des hohen Zuckergehaltes nicht als Durstlöscher zu empfehlen. Dies gilt noch mehr für Fruchtsaftgetränke und Limonaden, denen gezielt ein künstlicher Süßstoff zugesetzt wird. Anstatt zuckerhaltiger Getränke sind als Durstlöscher Wasser, ungesüßter Tee oder stark verdünnte Saftschorlen geeignet. „Je mehr Zuckerhaltiges gegessen oder getrunken wird, umso schneller unterzuckert der Körper. Desto schneller stellt sich Heißhunger ein“, warnt Timm. Insulin beeinflusst fast jeden Vorgang im Körper. Daher gibt es weitere positive Effekte einer Stoffwechselumstellung: „Sie kann sogar bei Migräne und Schlafproblemen helfen“, so Timms Erfahrung. Denn das Schlafhormon Melatonin wird durch den Insulinspiegel beeinflusst. Ob Manager mit reduzierter Leistungsfähigkeit, Patient mit Übergewicht, Diabetes, Asthma, Verdauungsstörungen, Lebensmittelunverträglichkeiten oder Kopfschmerzen – der Stoffwechsel spielt eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Krankheiten und deren Prävention.„Ist der Stoffwechsel verbessert, ist das ganze System verbessert“, so der Internist. Die ärztlich begleitete Stoffwechselumstellung wäre für ihn unvollständig, wenn nicht Bewegung und Sport hinzukämen. Deshalb arbeitet er mit Physiotherapeuten oder Personal Trainern zusammen.