Pflegekräfte überall gesucht

Personalmangel im Krankenhaus

Der Gesundheitsstandort Bonn ist für Ärzte attraktiv. Ein Mangel herrscht jedoch beim Pflegepersonal.

Der Gesundheitsstandort Bonn ist für Ärzte attraktiv. Ein Mangel herrscht jedoch beim Pflegepersonal.

Bonn. Ärzte und Pflegepersonal tragen Verantwortung für Menschen. Für viele birgt der Beruf im Krankenhaus den Traum, Leidenden zu helfen, Kranke zu heilen und Leben zu erhalten. Der Arztberuf ist auch wegen seiner guten Gehalts- und Karriereaussichten attraktiv.

Ein Medizinstudium plus Facharztweiterbildung erfolgreich abzuschließen schafft nur, wer hochmotiviert ist. Auch die Ausbildung an einer Krankenpflegeschule ist anspruchsvoll, denn die demografische Entwicklung und der medizinische Fortschritt haben die Anforderungen für das Pflegepersonal, das die meiste Zeit nah am Patienten verbringt und große Verantwortung trägt, steigen lassen.

93 Prozent der Ärzte und 82 Prozent der Bevölkerung beurteilen die Gesundheitsversorgung in Deutschland als gut oder sogar sehr gut. Anlass zur Sorge geben aber der zunehmende Kostendruck und ein generell zu beobachtender Personalmangel, auch im Krankenhaus. Das belegt eine repräsentative Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Finanzdienstleisters MLP. Dafür wurden 1920 Bürger sowie mehr als 500 Ärzte in Deutschland befragt. Demnach klagen die Krankenhausärzte zu mehr als zwei Dritteln (68 Prozent) über Personalmangel.

Ärzte sind oft psychisch belastet

Der aktuelle Krankenhausbarometer, eine repräsentative Erhebung des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI), nennt die Personalsicherung gar als die größte Herausforderung der Krankenhäuser: Demnach können rund 32 Prozent der deutschen Kliniken offene Pflegestellen nicht besetzen. Eine Möglichkeit, den Fachkräftemangel in der Pflege zu beheben, besteht in der Anwerbung und Einstellung von Pflegekräften aus dem Ausland. Fast jedes fünfte Allgemeinkrankenhaus ab 50 Betten in Deutschland (18 Prozent) gab an, in den letzten fünf Jahren gezielt Pflegekräfte aus dem Ausland angeworben zu haben. Bei großen Häusern ab 600 Betten waren es sogar 27 Prozent.

Der Personalmangel macht es vielerorts notwendig, die Beschäftigten hohen Arbeitsbelastungen auszusetzen mit der Folge von Motivationsdefiziten, Qualitätsmängeln, erhöhtem Krankenstand und großer Fluktuation. In einer Umfrage des Marburger Bundes (MB) geben viele Klinikärzte an, oft psychisch belastet zu sein. Sie beklagen, nicht genügend Zeit für die Patienten zu haben. Zudem haben sie das Gefühl, die Arbeit im Krankenhaus beeinträchtige ihre Gesundheit. Drei Viertel der Ärzte berichten über gestiegene Belastungen, auch wegen des zunehmenden Verwaltungsaufwands, der bei Krankenhausärzten 38 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit ausmacht.

Die Politik hat das Problem erkannt. So soll nach dem Krankenhausstrukturgesetz, das am 1. Januar 2016 in Kraft trat, nach jahrelangem Abbau von Pflegestellen in Krankenhäusern die „Pflege am Bett“ wieder ausgebaut werden. Bis 2018 belaufen sich die Fördermittel dafür auf insgesamt bis zu 660 Millionen Euro. Ab 2019 stehen dauerhaft 330 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Damit werden nicht nur neue Stellen geschaffen, sondern es gibt auch eine tarifliche Entwicklung hin zu einer besseren Bezahlung des pflegerischen Leitungspersonals. Allerdings bleibt das Problem, die vorhandenen Stellen auch zu besetzen: So gaben in der Allensbach-Umfrage 45 Prozent der Befragten an, es sei „eher schwer“, Pflegepersonal zu rekrutieren, 27 Prozent bezeichneten dies sogar als „sehr schwer“ (2012: 13 Prozent).

Dabei ist die Situation regional sehr unterschiedlich. Der Ärztemangel zeigt sich im Osten der Republik deutlicher als im Westen, und es gibt ein klares Stadt-Land-Gefälle: Kliniken in Städten sind attraktiver als auf dem Land. Das bestätigt sich, wenn man in die Stellenausschreibungen Bonner Krankenhäuser schaut, egal ob beim Universitätsklinikum oder bei den anderen Krankenhäusern. Dort werden kaum Ärzte gesucht, während es in Bad Neuenahr oder in Wittlich schon anders aussieht.

Der Gesundheitsstandort Bonn ist für medizinisches Personal attraktiv, insbesondere für Ärzte. Das Universitätsklinikum genießt als Haus der Maximalversorgung in Forschung und Krankenversorgung einen hervorragenden Ruf, und von den hier ausgebildeten Medizinern profitieren auch die anderen Bonner Krankenhäuser, in denen viele Chefärzte mit hohem Renommee arbeiten. An Gesundheits- und Krankenpflegern herrscht auch in Bonn ein Mangel. So gab es für das UKB Mitte März 24 Ausschreibungen für Gesundheits- und KrankenpflegerInnen, dabei wurden in 16 Fällen gleich mehrere gesucht. „War es bis vor fünf Jahren nur im Funktionsdienst, beim OP-Personal und in der Intensivpflege schwierig, die Stellen zu besetzen, betrifft dies jetzt den gesamten Pflegebereich“, so Klaus-Werner Szesik, kaufmännischer Direktor am Bonner Gemeinschaftskrankenhaus. Und sein Kollege Bernhard Schöffend von den Evangelischen Kliniken Bonn beobachtet, dass auch die Zahl der „ernsthaften Bewerber“ an der Krankenpflegeschule abgenommen hat. Hinzu kommt, dass Pflegekräfte von der Stadt auf das Land wechseln, um Kosten und Fahrtzeit zu sparen. Generell seien die jungen Schwestern mobiler als früher, so Szesik. Eine wichtige Rolle spielt da die eigene Krankenpflegeschule. Im vergangenen Jahr wurde fast der komplette Kurs übernommen.

Pflegekräfte aus dem Ausland

Diese Fluktuation kennt auch Pflegedirektor Alexander Pröbstl von der Bonner Uniklinik. Aus der eigenen Krankenpflegeschule, die inzwischen auf 275 Ausbildungsplätze aufgestockt wurde, kann er frei werdende Stellen besetzen. Aber er hat im Pflegebereich in den letzten Jahren auch einen „erheblichen Stellenaufbau“ betrieben, etwa in der Neonatologie und der Kardiologie. „Dazu muss weiter intensiv angeworben werden“, so Pröbstl.

Dazu wurden die Stellenanzeigen attraktiver gemacht: mit kürzerem Text und einem Foto, das den Teamcharakter am Arbeitsplatz Krankenhaus hervorhebt. Außerdem wird gezielt hochqualifiziertes Personal aus dem Ausland angeworben. Die Erfahrungen mit griechischen, italienischen und serbischen Krankenschwestern seien hervorragend, so Pröbstl. So auch im Gemeinschaftskrankenhaus, wo sie vorwiegend aus Bosnien, dem Kosovo und aus Griechenland kommen.