Wirtschaftsmagazin

Online einkaufen direkt vor der Haustür

Noch in diesem Jahr soll der lokale Online-Handel in Bonn Fahrt aufnehmen. FOTO: WESTHOFF

Noch in diesem Jahr soll der lokale Online-Handel in Bonn Fahrt aufnehmen. FOTO: WESTHOFF

Der Einzelhandel in Bonn kämpft mit rückläufigen Umsätzen. Mit einem Online-Shoppingportal wollen die Einzelhändler gegensteuern

Bonn ist eine lebenswerte Stadt. Dazu tragen auch Aktionen bei wie das Bonnfest im Oktober oder „Bonn leuchtet“, bei der viele Geschäfte Anfang November ihre Schaufenster und Eingangsbereiche mit Leuchtsternen und Lichterketten ausstatteten. Verantwortlich für diese und andere Events ist der eingetragene Verein City-Marketing Bonn, ein Zusammenschluss lokaler Einzelhändler, die mit viel Engagement und Herzblut solche Veranstaltungen organisieren.

Der lokale Handel geht ins Netz

Für die Einzelhändler werden solche Publikumsmagneten, die auch Menschen aus der Region anlocken, immer wichtiger. Denn die Ladenzeilen in der Innenstadt werden vor allem unter der Woche insgesamt immer weniger frequentiert. Dafür gibt es mehrere Gründe, einer davon ist zweifellos der Trend hin zum Online-Shopping. „Die Menschen lassen sich zwar immer noch gerne im Laden beraten, kaufen dann aber im Internet ein“, sagt Juwelier Oliver Hoffmann, der sich bei City-Marketing Bonn mit dem Thema Online-Vermarktung beschäftigt. Und genau hier wollen die Einzelhändler ein neues Zeichen setzen. Ihre Idee: Wenn die Menschen zwar gerne in der Stadt bummeln gehen, aber lieber im Internet einkaufen, dann sollte der lokale Einzelhandel auch dort seine Angebote ins virtuelle Schaufenster stellen.

Der Plan: „Die Geschäfte schließen sich auf einer Online-Plattform zusammen, stellen sich unter einer gemeinsamen Web-Adresse einzeln vor und bieten dort ihre Waren an“, erklärt Oliver Hoffmann. Anders als beispielsweise bei Amazon ist es also kein gemeinsamer Markenauftritt, sondern eher eine Art Marktplatz, auf dem die Händler sich individuell präsentieren können. Kauft der Kunde bei einem der Händler per Klick ein, wird die Ware dann entweder im jeweiligen Geschäft zur Abholung zurückgelegt oder dem Kunden nach Hause geliefert, auf Wunsch noch am selben Tag. Kern solch einer Online-Plattform ist eine Software, die die Aufträge verwaltet und als Schnittstelle zwischen den Händlern und dem Logistik-Partner für die Abholung und Auslieferung der Waren fungiert.

Vorbilder für solche lokalen Online-Offensiven gibt es bereits. Die regionale Shopping-Plattform Atalanda beispielsweise wurde vor fünf Jahren gegründet und betreibt mittlerweile elf regionale Shoppingportale. Als Leuchtturmprojekt gilt die „Online City Wuppertal“, ein vom Land Nordrhein-Westfalen gefördertes Internet-Portal. 60 Geschäfte und Dienstleister aus Wuppertal nehmen daran teil. Gemessen an anderen Atalanda-Portalen ist das viel. In der Millionenstadt Hamburg konnte Atalanda bisher nur 47 lokale Kooperationspartner für sein Onlinekonzept begeistern, in Dortmund machen nur neun Geschäfte mit.

Auch das vor vier Jahren gegründete Startup „LocaFox“ möchte sich in diesem Markt positionieren und ist sogar im Bonner Raum aktiv. Vor allem Händlerketten wie Autoteileservice A.T.U., Baumärkte wie Obi und Bauhaus, vier Christ-Filialen, Galeria Kaufhof, Real und Saturn bieten hier ihre Waren an und legen sie lokal vor Ort zurück. Bezahlt wird in der Filiale. Eine Lieferung nach Hause ist hier nicht möglich.

„LocaFox war als Kooperationspartner für viele Bonner Händler keine Option, weil sie Zugriff auf das Warenwirtschaftssystem haben wollten und im gleichen Zug ihr hauseigenes Kassen- und Warenwirtschaftssystem zum Kauf angeboten haben. Darum vor allem ging es ihnen wohl“, sagt Oliver Hoffmann. Gerade der Zugriff aufs Warenwirtschaftssystem sei jedoch problematisch. Manche Einzelhändler hätten keine kompatible Software. Und wer bereits eines habe, wolle nicht unbedingt Dritten Einblick in die eigenen Zahlen gewähren.

Aus ähnlichen Gründen seien auch Kooperationen mit Amazon und Ebay schwierig. „Gerade diese beiden großen US-Unternehmen sehen sich sehr aufmerksam an, welche Angebote gut angenommen werden und machen das dann selbst“, so Hoffmann. Perspektivisch sei das kein guter Deal. Auch Atalanda war mit den Bonnern im Gespräch, doch es blieb bei einem einmaligen Treffen. „Die haben nur ihre Plattform vorgestellt. Unsere Interessen kamen gar nicht zur Sprache“, erinnert sich Hoffmann. Ganz anders liefen die Gespräche mit der DHL. „Bei jedem neuen Treffen waren unsere Wünsche aus dem Vorgespräch eingearbeitet. Das hat uns überzeugt“, so Hoffmann.

Und so hat City-Marketing gemeinsam mit dem Einzelhandelsverband (EHV) und der Industrie- und Handelskammer (IHK) einen Partner gefunden, der sich ganz neu im Regional-Onlineshoppingmarkt etablieren möchte und deshalb wohl auch ganz besonders gut zuhören kann. Das Postunternehmen DHL sucht nach neuen Geschäftsmodellen, mit denen es der zunehmenden Emanzipation seiner beiden größten Kunden Ebay und Amazon entgegentreten kann. Die nämlich wollen sich zunehmend von der Pakettochter der Deutschen Post lösen und eigene Lieferservices etablieren.

Den Anfang für die regionale Online-Offensive soll nun die Kooperation mit den Bonner Einzelhändlern machen. Dafür hat DHL die „Allyouneedcity“-Plattform entwickelt. Der digitale Marktplatz soll so funktionieren, dass Kunden die online bestellten Waren auf Wunsch binnen zwei Stunden von DHL geliefert bekommen. Zusätzliche Verpackungen sind nicht nötig, da die Ware wie bei einem persönlichen Kauf im Ladengeschäft in eine Tüte gesteckt wird, die lediglich mit dem Namen des Kunden und einem Code versehen werden muss. Die komplette Abwicklung der Leistungen inklusive des Zahlungsvorgangs übernimmt die DHL. Beim Start werden Kunden in Bonn, Troisdorf, Königswinter und Bornheim von dem Angebot profitieren können.

Bonn als Vorreiter

Das neue Angebot der DHL ist für die teilnehmenden Händler in den ersten drei Monaten nach dem Auftakt, der noch in diesem Jahr geplant ist, kostenlos. Anschließend wird pro Monat eine Grundgebühr von 39,90 Euro berechnet, die je nach Serviceleistung auf bis zu 149,90 Euro steigen kann. Dazu kommt eine Verkaufsprovision von bis zu zwölf Prozent. Je nach Konzept des Händlers werden die Lieferkosten an die Kunden weitergegeben.

Mit den Erfahrungen aus der Pilotphase soll der Service immer weiter verbessert und dann auch anderen Städten angeboten werden. Bonn könnte Vorreiter werden und durchaus davon profitieren, dass die DHL hier ihre Heimat hat.