Die Zukunft in die eigene Hand nehmen

Mehr Mut zum Schritt in die Selbstständigkeit

Gründungsexpertin Gabriele vom Feld (l.) mit Heike und Paul Perioli. FOTO: HEINEMANN

Gründungsexpertin Gabriele vom Feld (l.) mit Heike und Paul Perioli. FOTO: HEINEMANN

RHEIN-SIEG-KREIS. Immer mehr Menschen treibt die Sehnsucht nach mehr Selbstbestimmung. Viele Arbeitnehmer möchten ihre eigenen Strategien umsetzen und aus dem Hamsterrad großer Unternehmen ausbrechen.

Nicht nur der demografisch bedingte Rückgang der Fachkräftezahlen bereitet der Wirtschaft Sorgen. Auch der Verlust von hochqualifizierten Fachkräften, die in Unternehmen oftmals über Jahre zu Führungskräften aufgebaut wurden, ist in vielen Unternehmen zunehmend zu beobachten. Ein Grund dafür ist der Wechsel zur Konkurrenz, die nicht unbedingt mit höherem Gehalt, dafür mit besserer Work-Life-Balance oder mehr Wertschätzung wirbt. Ein anderer Grund ist der, endlich eigene, erfolgsversprechende Strategien umsetzen und aus dem Hamsterrad großer Unternehmenshierarchien ausbrechen zu können, sagt Gabriele vom Feld.

Die Gründungsexpertin von „Alpha – Das Gründer-Forum!“ begleitet seit 2005 überwiegend Fach- und ehemalige Führungskräfte, die neue berufliche Perspektiven suchen. „Die meisten kommen mit Ende 30 bis Mitte 50, haben über viele Jahre Fach- und Führungserfahrung, meist eine sehr gute Ausbildung und sie haben eines gemeinsam: Sie haben viele Kontakte in ihrer Branche, wissen genau, was sie können und vor allem, was sie nicht mehr wollen.“ Letzteres sei immer öfter die Arbeit als Angestellter in einem großen Unternehmen, vernetztes Leben und Arbeiten im Hamsterrad, so die Gründungsexpertin.

Investieren in die eigene Zukunft

„Die Erfahrung zeigt: Je flacher die Hierarchien, desto größer die Chance, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter erhalten bleibt. Das Manko der Großunternehmen ist, dass sie die Leistungen eines Mitarbeiters häufig nur noch nach Kennzahlen bewerten. Die Bedürfnisse nach Wertschätzung und Wahrnehmung von persönlichen Stärken werden immer weniger erfüllt“, so vom Feld. Werde dann auch noch die bisher gelebte Unternehmenskultur etwa durch Fusionen, Unternehmensübernahmen oder Internationalisierungen gravierend verändert, sinke die Identifikation, Mitarbeiterzufriedenheit und Loyalität rapide, spricht Gabriele vom Feld aus langjähriger Erfahrung in der Gründungsberatung. „Gerade Spezialisten mit fundiertem Know-how und für das Unternehmen wertvollen Kontakten, die einen wesentlichen Beitrag für die positive Unternehmensentwicklung geleistet haben, bleiben oft auf der Strecke.“ Im Gespräch mit Gründern aus dem Management spüre man sofort, so vom Feld: „Die Menschen wollen aus diesen Strukturen ausbrechen – und viele nie mehr zurück. Sie sind dafür bereit, in die eigene Zukunft zu investieren, auch finanziell.“

Lust auf Risiko

Eine Beobachtung, die Heike und Paul Perioli ebenfalls an sich gemacht haben. Im Jahr 2014 haben sich die auf Geschäftskunden spezialisierten Sprachtrainer selbstständig gemacht. Drei Jahre später haben die „Perioli Language Pilots“ ein Team von 40 Trainern deutschlandweit, vier feste Mitarbeiter sowie einen hochkarätigen Kundenstamm mit namhaften Unternehmen aus dem In- und Ausland. „Lust auf Risiko“, sagt Paul Perioli mit einem Augenzwinkern auf die Frage, warum man aus einem gutdotierten Job eines Sales Managers für ganz Deutschland in das Wagnis der Selbstständigkeit geht. Das ging vorher nur in ganz engen Bahnen, die durch das Unternehmen vorgegeben waren.“

Eigeninitiative unerwünscht

Gleiches berichtet seine Frau Heike Perioli, die ebenfalls ihren sicheren Führungsposten als Regionalmanagerin gegen die Freiheiten einer selbstständigen Unternehmerin getauscht hat: „Die Kommunikationswege waren früher anders, lang und träge. Jetzt sind die Wege kurz und wir können selbst entscheiden, mit welchen Partnern wir zusammenarbeiten oder zum Beispiel welche Marketingagentur wir nutzen möchten.“ Versuche, in ihren ehemaligen Unternehmen mit kreativen Ideen mitzugestalten und weiterzuentwickeln, habe es durchaus gegeben, sagen die beiden Gründer unisono. Das sei in hierarchischen Strukturen leider oft unerwünscht, erklärt Gabriele vom Feld: „In der Regel werden Eigeninitiative und unternehmerisch wertvoller Innovationsgeist mit dem Argument der Kompetenzüberschreitung abgewiegelt. Auch wird von Führungskräften beklagt, ihre Ideen würden von Vorgesetzten als die eigenen verkauft und zum eigenen Vorteil genutzt.“ (hth)