Wirtschaftsmagazin

Lila Licht für grünes Gras

Für ein besseres Wachstum: Mobile Rasenbelichtungsanlagen der Firma Rhenac Green Tec sind des nachts in einem Kölner Stadion unterwegs. FOTO: THOMAS FAEHNRICH/RHENAC GREEN TEC

Für ein besseres Wachstum: Mobile Rasenbelichtungsanlagen der Firma Rhenac Green Tec sind des nachts in einem Kölner Stadion unterwegs. FOTO: THOMAS FAEHNRICH/RHENAC GREEN TEC

Hennef. Die Rhenac Green Tec AG entwickelt LED-Lichtsysteme für das Pflanzenwachstum – Vollautomat wird auf Schalke installiert

Im lila Licht wuchern kraftvolle Erdbeerpflanzen, daneben wächst stark duftendes Basilikum – in der Forschungskammer der Rhenac Green Tec AG ist ganzjährig Erntezeit. Das Hennefer Unternehmen entwickelt und baut LED-Lichtsysteme, die in der Pflanzenforschung und -produktion eingesetzt werden. Inzwischen reicht das Anwendungsfeld für die Systeme von der Klimakammer in Forschungsinstituten bis zum Rasen im Fußballstadion.

Von Innovationen getrieben

Gestartet ist das Unternehmen im Jahr 2004 als Management-Buy-out aus der Moeller-Gruppe und Hersteller elektronischer Bauteile zum Beispiel für die Elektro- und Automobilindustrie. Doch das Zulieferergeschäft bot dem Firmengründer und heutigen Vorstandsvorsitzenden Horst Theisen zu wenig Potenzial. „Wir wollten Produkte bis in den Markt begleiten und in Zusammenarbeit mit den Endkunden entwickeln“, so Theisen, und fand in der LED-Technologie ein zukunftsfähiges neues Geschäftsfeld. „Im LED-Markt waren wir von Anfang an auf der Suche nach Nischen, in denen wir uns ein Alleinstellungsmerkmal erarbeiten konnten“, so der Vorstandschef.

Im Bereich der künstlichen Pflanzenbeleuchtung wurden damals überwiegend Natriumhochdrucklampen oder Neonröhren eingesetzt, die nicht nur viel Energie verbrauchen, sondern auch noch einen erheblichen Anteil an Wärme abstrahlen. Erste Versuche mit LED-Beleuchtung gab es zwar, doch die Ergebnisse waren mehr oder weniger vom Zufall bestimmt.

Im Auftrag von Königsblau

Horst Theisen setzte bei der Entwicklung der Rhenac-Lichtsysteme dagegen auf wissenschaftliche Begleitung durch die technische Universität München. Dabei bewiesen die Wissenschaftler in mehrjährigen Forschungsprojekten, dass die von der Rhenac entwickelten LED-Systeme die Qualität der Beleuchtung nicht nur deutlich verbessern, sondern zudem den Energieeinsatz reduzieren. „Mit unseren LED-Leuchten können erstmals tageslichtähnliche Bedingungen simuliert werden. Zudem sind die Systeme so variabel, dass die Forscher die Zusammensetzung des Lichts selbst bestimmen und immer wieder verändern können“, so Theisen, der in Hennef inzwischen 35 Mitarbeiter beschäftigt.

Am Firmensitz wird ständig an neuen Produkten getüftelt. „Unsere Innovationen entstehen oft aus den Probleme und Wünschen der Kunden“, so Theisen. Jüngstes Beispiel ist der Phyto-Container, eine mobile Pflanzenwuchskammer, die an jedem Standort der Welt innerhalb eines Tages in Betrieb genommen werden kann und mit der sich die Forschungskapazitäten von Universitäten kurzfristig erweitern lassen. Und auch die wohl spektakulärste Anlage des Hennefer Unternehmens, eine vollautomatische Bewässerungs- und Belichtungsanlage für den Rasen im Fußballstadion, die bei Bedarf auf einem Schienensystem berührungslos über den Rasen gefahren werden kann, entstand aus einem konkreten Problem. „Der Rasen in modernen Fußballstadien bekommt zu wenig Licht, um natürlich zu wachsen und wird zudem stark beansprucht. Auf Messen, auf denen wir unsere LED-Systeme präsentiert haben, sind Fußballvereine an uns herangetreten und haben gefragt, ob wir nicht auch für sie eine Lösung haben“, berichtet Theisen. Das Hennefer Unternehmen entwickelte zunächst mobile Belichtungsanlagen, die bereits in mehreren Bundesliga-Stadien im Einsatz sind. Der erste Vollautomat wird in diesem Jahr auf Schalke installiert.

„Unsere Ideen entwickeln wir über den Austausch mit den Kunden und durch die Beobachtung des Wettbewerbs, von dem wir uns absetzen müssen. Jede neue Produktidee muss vier Anforderungen erfüllen: Sie muss Kosten senken, unseren Qualitätsansprüchen genügen, ein Alleinstellungsmerkmal haben und natürlich das Potenzial haben, um am Markt Umsätze zu generieren“, erläutert Theisen das Innovationsmanagement seines Unternehmens.

Indoor-Farming: Die Zeichen stehen auf Wachstum

Angesichts der zahlreichen neuen Ideen, die in letzten Jahren entwickelt und erfolgreich in den Markt eingeführt wurden, stehen die Zeichen in Hennef auf Wachstum. „Wir haben die technischen Systeme, mit denen sich Licht in jeder Form und zudem energiesparend darstellen lässt. Wachstumspotenzial sehen wir in Zukunft nicht nur in der Forschung, sondern in der Produktion pflanzlicher Heilmittel und im Bereich des Indoor-Farming. Hier gibt es in vielen Großstädten spannende Projekte, in die wir unsere Ideen einbringen möchten“, so Horst Theisen.