Generationenwechsel

Ich bin dann mal weg

Eine aktuelle Studie verrät, wie Unternehmer die Übergabe ihrer Firma angehen und was die Zeit danach bringen soll.

Starke Unternehmer mit Innovationsgeist und kaufmännischem Geschick können eine Firma zum Erfolg führen. Wenn sie es jedoch versäumen, rechtzeitig ihre Nachfolge zu regeln, wird die Stärke des Machers zum größten Risiko für das Unternehmen.

Loslassen können. Das ist nicht leicht. Insbesondere nicht für Unternehmenspatriarchen, die den Großteil ihres Berufslebens damit verbracht haben, ein eigenes Unternehmen aufzubauen. So verwundert es nicht, dass sich die meisten von ihnen zu spät Gedanken über eine Nachfolgeregelung machen. Und dabei die Situation völlig falsch beurteilen: Nach Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn stehen bis zum Jahr 2018 jährlich etwa 27 000 eigentümer- und familiengeführte Unternehmen vor der Aufgabe, einen qualifizierten Nachfolger zu finden. Eigentümer wünschen sich in der Regel einen Nachfolger aus der Familie. Doch in den meisten Fällen wird dieser Wunsch wohl unerfüllt bleiben.

Einer aktuellen Umfrage der Universität St. Gallen zufolge kann sich nur jedes elfte Unternehmerkind, das gerade ein Studium absolviert, vorstellen, die Nachfolge im Familienunternehmen anzutreten. Die Mehrheit zieht ein Angestelltenverhältnis vor. Bei kaum einem anderen Bereich rund um das Thema Familienunternehmen prallen Wunsch und Wirklichkeit so hart aufeinander.

"Eigentümer sollten sich daher rechtzeitig die Frage stellen, was aus ihrem Lebenswerk werden soll, wenn sie aus der Führung ausscheiden", sagt Nadine Schlömer-Laufen, die sich beim IfM Bonn seit Jahren mit der wirtschaftlichen Situation von Familienunternehmen und der Nachfolgethematik beschäftigt. Ihre Empfehlung an die Eigentümer: "Nur wer dabei so unsentimental wie möglich agiert, kann auch rechtzeitig die richtigen Weichen stellen und den Fortbestand des eigenen Unternehmens sicherstellen", so Schlömer-Laufen.

Verzerrte Wahrnehmung

Eine Studie von Pricewaterhousecoopers (PwC), die in Zusammenarbeit mit der INTES-Akademie für Familienunternehmen und dem IfM Bonn entstanden ist, offenbart allerdings die Differenz zwischen Wahrnehmung und Realität der Nachfolgeüberlegungen in vielen eigentümergeführten Unternehmen. So wollen sich 38 Prozent der befragten Unternehmer der Studie zufolge in den nächsten vier bis fünf Jahren aus der Geschäftsleitung zurückziehen, jeder Dritte in den kommenden zwei bis drei Jahren.

Was sich für die betreffenden Unternehmer meist nach entfernter Zukunft anfühlt, ist in Wahrheit jedoch ein Rennen gegen die Zeit. Denn die Suche nach der passenden Nachfolgelösung und die Gestaltung der Übergabe braucht viel mehr Zeit, als die meisten ahnen. "Schließlich stellt die Vorbereitung den Unternehmer vor Aufgaben, die nicht zum Alltagsgeschäft gehören", erklärt Nadine Schlömer-Laufen. Und nicht jeder Unternehmer kann oder möchte sich Berater leisten, die auf die Nachfolge spezialisiert sind. "Aus diesem Grund sollte man sich rund fünf bis zehn Jahre vor dem geplanten Ausscheiden intensiv mit der Frage auseinandersetzen, wer das Unternehmen leiten soll und wer das Eigentum daran übernimmt", rät Schlömer-Laufen. Eine frühzeitige Nachfolgeregelung habe zudem den Vorteil, dass Verhandlungen mit den Übernahmekandidaten unter einem anderen Stern stehen, wenn der jetzige Eigentümer noch nicht gebrechlich ist, sondern das Unternehmen mit voller Tatkraft führe.

Viele Übergaben scheitern

Weiterer Vorteil frühzeitigen Agierens: Ohne Zeitdruck bleiben mehrere Optionen offen. So könnten die eigenen Kinder beispielsweise gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern oder angestellten Managern bereit sein, die Nachfolge anzutreten oder ein bisher noch nicht mit Führungsaufgaben betrauter Mitarbeiter könnte eigens für die Nachfolge aufgebaut werden. Auch ist noch genügend Zeit, die häufig zeitaufwendigere Suche nach einem unternehmensexternen Nachfolger in Angriff zu nehmen. Ein weiterer Grund für eine frühzeitige Nachfolgeregelung: "In einigen Branchen kommt problemverschärfend hinzu, dass die bereits spürbare Verknappung von Fach- und Führungskräften sich auch auf die Anzahl potenzieller Nachfolger auswirkt", so Schlömer-Laufen. Vor allem in weniger attraktiven Regionen und in Branchen, die bereits unter Nachwuchsmangel leiden, sei mit Problemen zu rechnen.

Dass diese Probleme nicht abstrakt, sondern sehr real sind, offenbart eine Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young. Demnach überleben nur 30 Prozent der Familienunternehmen in der zweiten Generation, 13 Prozent überstehen die dritte Generation. Und nur drei Prozent bleiben noch länger bestehen. Das sollte allen Unternehmens-Patriarchen zu denken geben. (Matthias von Arnim)