Parfümerie Vollmar

Eine Nase für Nischendüfte

Gabriele und Martin Hergarten in der traditionsreichen Parfümerie Vollmar an der Bonner Sternstraße.

Gabriele und Martin Hergarten in der traditionsreichen Parfümerie Vollmar an der Bonner Sternstraße.

Seit Martin Hergarten vor 30 Jahren die Parfümerie Vollmar von seiner Mutter übernahm, hat er 15 Filialen eröffnet.

Immer wieder wird Martin Hergarten von Maklern gefragt, ob er nicht verkaufen wolle. "Auf keinen Fall", antwortet er ihnen jedes Mal. "Die Parfümerie Vollmar ist und bleibt in Familienhand." Schon seit über 100 Jahren existiert das Geschäft an der Bonner Sternstraße, gegründet hat es 1910 der Großvater von Martin Hergarten, Willhelm Vollmar. Seitdem Hergarten das Geschäft vor 30 Jahren übernahm, hat er es ausgebaut - und zwar nicht nur am Bonner Stamm-Standort, sondern in der ganzen Region.

16 Standorte umfasst die Parfümerie & Lingerie Vollmar heute, 110 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Im vergangenen Jahr wurde so ein Umsatz von rund

13 Millionen Euro erwirtschaftet - das entspricht nach Aussage von Hergarten einer Umsatzsteigerung von neun Prozent im Vergleich zum Jahr 2014. Fast ein Drittel des Jahresumsatzes wird dabei zur Weihnachtszeit gemacht, die Zeiten um Ostern und Muttertag gehören auch zu den umsatzstärksten. Sein Umsatz teilt sich dabei zu gleichen Teilen auf die drei Standbeine Duft, Kosmetik und Farbe - wie etwa Lippenstifte - auf.

Trotz der guten Geschäftszahlen hat Martin Hergarten Grund zur Sorge. Denn die Gesamtbranche wachse kaum, sie entwickle sich sogar eher rückläufig. Der Online-Handel mit Parfüm und Co. hingegen habe kräftig zugelegt: Von 2014 bis 2015 sei laut Handelsjournal, aus dem Hergarten zitiert, der dort erwirtschaftete Umsatz um 35 Prozent gestiegen. "Deswegen hatte ich überlegt, auch einen Online-Shop zu eröffnen", erklärt der 58-Jährige. "Aber das Risiko und die nötigen Investitionen in Millionenhöhe haben mich dann doch abgeschreckt."

Stattdessen investiert er lieber in den Ausbau seines Geschäfts an der Sternstraße: Die Ladenfläche soll bis November 2016 von 220 auf 500 Quadratmeter erweitert werden, um das Angebot auszuweiten und um Events wie Modenschauen veranstalten zu können. Seine Frau Gabriele Hergarten hat nebenan ein Geschäft für exklusive Dessous namens "Vollmar Secrets" eröffnet.

Die fachliche Kompetenz seiner Mitarbeiter ist Martin Hergarten sehr wichtig: So hat er vier von ihnen schon nach Berlin zu einer Schulung von Parfumeuren geschickt. Seine Kunden sollen individuell und neutral beraten werden können - dadurch hofft er, sich von der Konkurrenz abzusetzen. Die Parfümeriekette Douglas betreibt immerhin nur ein paar Hausnummern weiter eine Filiale. "Die Nähe zur Konkurrenz macht uns nichts aus", sagt der Unternehmer und Vater von zwei Söhnen. "Sie belebt das Geschäft." Viele Kunden kämen von dort auch zu ihm in den Laden.

Bei Vollmar würden sie neben den bekannten Parfümmarken auch eher unbekannte Düfte finden. Diese Nischendüfte würden immer beliebter. Hergarten hilft immer bei der Auswahl der neuen Düfte für das Sortiment. "Ich habe dafür über die Jahre schon eine Nase entwickelt."

Dabei wollte Martin Hergarten eigentlich etwas anderes machen. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann hat es ihn im Rahmen seines BWL-Studiums nach London und Paris gezogen. Anschließend hatte er vor, eine Stelle bei Unilever in Hamburg anzutreten. "Mensch, schade, dass du jetzt fortgehst", habe seine Mutter damals zu ihm gesagt. Und dann ist Hergarten doch geblieben und in den Familienbetrieb eingestiegen. Genau wie seine Mutter, die für das Geschäft ihren Beruf als Kinderärztin an den Nagel gehängt hatte, hat er seine Entscheidung nie bereut.

Bereuen sollte aber die Stadt Bonn, dass sie den Bau des Viktoriakarrees abgelehnt hat, so Hergarten. "Das wäre die perfekte Möglichkeit gewesen, um wieder mehr Menschen, vor allem junge, in die Stadt zu locken", erklärt der Unternehmer, der auch Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen ist. Seit Bonn nicht mehr Bundeshauptstadt sei, verliere die Innenstadt immer mehr an Kaufkraft. Stattdessen würden Einkaufszentren und Outlets außerhalb Bonns an Attraktivität gewinnen. Er hofft nun, dass der neue Bonner Oberbürgermeister Ashok-Alexander Sridharan das Problem besser anpacke und sich bald etwas ändere. (kristina wollseifen)