Wirtschaftsmagazin „Guter Nährboden für Innovationen“

Andreas Pinkwart sieht Bonn und Rhein-Sieg für die digitale Zukunft gewappnet, fordert aber auch Verbesserungen. FOTO: ROBERTO PFEIL

Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft und Innovation, spricht im Interview über die Stärken der Region.

GA: Herr Pinkwart, was zeichnet die Region Bonn/Rhein-Sieg für Sie aus?

Andreas Pinkwart: Mit Bonn als Bundesstadt und bedeutendem UN-Standort profitiert die Region natürlich von ihrer internationalen Bekanntheit. Die Stadt und die ganze Region konnten ihre Attraktivität zuletzt bei der Weltklimakonferenz COP23 einem weltweiten Publikum unter Beweis stellen. Internationale Strahlkraft entfalten auch die Global Player wie Deutsche Telekom und Deutsche Post DHL. Besonders prägend für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis sind die herausragenden Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen. Besonders freut mich, dass die Universität Bonn in der Vorrunde der gerade laufenden dritten Phase der Exzellenzinitiative deutschlandweit am besten abgeschnitten hat.

Halten Sie die Region für innovationsstark?

Pinkwart: Ja, das zeigt ein Blick auf die rund 60 Forschungseinrichtungen in Bonn/Rhein-Sieg. Und das von der Landesregierung unterstützte und sehr lebendige Digital Hub Bonn baut die Brücke zwischen Wirtschaft und Hochschulen: Hier können junge Start-ups gemeinsam mit den etablierten Unternehmen digitale Geschäftsmodelle entwickeln. Aus guten Gründen sind Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis Teil der besonders dynamischen ABCD-Region mit Aachen, Köln und Düsseldorf, die wir gemeinsam mit den Akteuren in der Region unter der Überschrift „Rheinland Valley“ national und international stärker sichtbar machen wollen.

Was zeichnet die Innovationsfähigkeit der Region aus?

Pinkwart: Die einzigartige Mischung von Universitäten und Forschungseinrichtungen, Global Playern, digitalen Start-ups und mittelständischen Unternehmen bietet einen guten Nährboden für Innovationen. Mit der Idee der ABCD-Region wollen wir die Rahmenbedingungen für diesen Austausch noch weiter verbessern. Die bereits erwähnten Hubs der Digitalen Wirtschaft, die in allen vier Zentren aktiv sind, leisten dazu bereits einen wichtigen Beitrag. Darüber hinaus wollen die Hochschulen in der Region ihre Gründungs- und Innovationsanstrengungen in Kooperation mit dem Land weiter professionalisieren und arbeiten hierzu an neuen Konzepten.

 

Welche Branchen sehen Sie in NRW besonders gut aufgestellt? Wo gibt es Ausbaupotenziale?

Pinkwart: Die vernetzte Produktion – viele sprechen von Industrie 4.0 – ist zu Recht in aller Munde und die moderne Industrie Nordrhein-Westfalens öffnet sich mehr und mehr den neuen digitalen Möglichkeiten. Dies gilt für die großen Unternehmen, zunehmend aber auch für die kleinen und mittleren. Sie werden vielfältig unterstützt: zum Beispiel durch das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 und auch den 'CPS Hub.NRW'.

Ob Kreativwirtschaft, Handel, Tourismus und auch das klassische Handwerk: Alle Branchen sollten intensiv die Möglichkeiten der Digitalisierung für ihre Geschäftsmodelle ausloten. Digitalisierung sollte dabei als Chance und nicht als Bedrohung verstanden werden. Ich sehe unser Land auf einem guten Weg, aber es müssen noch viele Anstrengungen unternommen werden, um die digitale Transformation voranzutreiben. Ziel ist, Nordrhein-Westfalen zum Leitanbieter und Leitmarkt für zukunftsfähige und sichere Industrie-4.0-Lösungen sowie innovative Geschäftsmodelle für die Digitale Wirtschaft zu machen.

Welchen Beitrag leisten Universitäten, Hochschulen und Schulen?

Pinkwart: Zentral für den künftigen Erfolg sind kluge Köpfe mit bester Qualifikation und Unternehmergeist. In den vergangenen Jahren gab es aufgrund des unterdurchschnittlichen Wachstums in Nordrhein-Westfalen einen 'Brain-drain' von klugen Köpfen in Richtung Süden und Norden. Wenn wir dies umdrehen können, erwächst daraus eine der größten Stärken des Landes.

Welchen Beitrag wollen Sie leisten, um die Innovationsfähigkeit der Unternehmen im Land zu verbessern?

Pinkwart: Zum einen geht es um die notwendige technische Infrastruktur. Zusammen mit den Netzbetreibern wollen wir den flächendeckenden Zugang zu Gigabit-Netzen schaffen und dazu ergänzende Investitionen in Höhe von sieben Milliarden Euro mobilisieren. Gewerbegebiete und Schulen sollen vorrangig mit Glasfaseranschlüssen ausgestattet werden. Ebenso brauchen wir ein leistungsstarkes Mobilfunknetz der nächsten Generation. Zum anderen müssen wir die Wirtschaft von überbordender Bürokratie befreien und unkomplizierte Regelungen durchsetzen. Hierzu ist das Entfesselungspaket I mit 23 verschiedenen Maßnahmen bereits vor Ostern in Kraft getreten und macht das Gründen einfacher und schneller, zum Beispiel durch die digitale Gewerbeanmeldung.

Das zweite Paket liegt dem Landtag vor. Damit wollen wir den Kommunen mehr Spielraum für die Ausweisung von Wohnraum- und Gewerbeflächen geben und gleichzeitig die Planungsprozesse vereinfachen. Parallel dazu arbeiten wir an einem Maßnahmenpaket zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren. Neue Anlagen sind in der Regel umweltfreundlicher und machen Arbeitsplätze sicherer. Daher wollen wir ihren Bau genauso schnell ermöglichen wie in den Niederlanden oder in Baden-Württemberg. ⋌⋌Ulrike Gerards

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