Stein um Stein

Vom Keller bis zum Dachgeschoss

 Karl-Reiner Meurer, Obermeister der Baugewerks-Innung Bonn/Rhein-Sieg, auf der Baustelle eines Wohnhauses. FOTO: SIMONS

Karl-Reiner Meurer, Obermeister der Baugewerks-Innung Bonn/Rhein-Sieg, auf der Baustelle eines Wohnhauses. FOTO: SIMONS

Wenn Karl-Reiner Meurer mit seinem Enkel durch die Straßen geht, dann kann er ihm viel zeigen: Ein- und Mehrfamilienwohnhäuser und Gewerbebauten, die er mit seinem Team gebaut hat.

Denn Meurer ist Maurer und Obermeister der Baugewerks-Innung, die auch Berufe wie Betonbauer, Stahlbetonbauer, Fliesenleger, Estrichleger und Industrieschornsteinbauer umfasst. Traditionellster dieser Berufe ist jedoch der Maurer, der auch das lernt, was diese anderen Spezialisten können, wie etwa Wände verputzen, dämmen und eine Betondecke erstellen.

Den ganzen Tag an der frischen Luft

„Man schafft etwas Bleibendes, ein Gebäude, das über Generationen besteht“, sagt Meurer und erinnert daran, dass auch das Kolosseum in Rom und die Porta Nigra in Trier Bauwerke sind, die einst Maurer geschaffen haben. Außerdem stellt er fest: „Man ist von Anfang an bei einem Bauwerk dabei und wirkt daran mit, wie es entsteht: vom Keller bis zum Dachgeschoss. Es gibt kaum ein Handwerk, bei dem man so eine Entwicklung erlebt, weil man ja auch mitkriegt, wie Gebäudetechniker, Fensterbauer und Putzer das Bauwerk verändern.“

Bevor der Maurer kommt, ist die Baustelle meist nicht mehr als ein Acker oder eine Wiese. Danach steht dort ein Gebäude. Erinnert sich Meurer an seine Laufbahn, gehören Banken inklusive Tresorräumen mit Mauern von 1,20 Metern Dicke und die Komplettsanierung einer Hofanlage aus dem 17. Jahrhundert zu den ganz besonderen Projekten, die er realisiert hat. Neun Monate dauert es von der Planung eines Einfamilienhauses bis es schlüsselfertig ist, sagt er. Maurer seien gut fünf Monate davon auf der Baustelle. Kelle und Mörtel, Wasserwaage und Maurerhammer sind ihre Werkzeuge. Zu den wenigen technischen Hilfsmitteln gehören Vermessungsinstrumente, Nivellier- und Lasergeräte.

Maurer arbeiten an der frischen Luft. Deswegen tut eine gewisse Robustheit gut. Sie werden bei der Arbeit schmutzig, vor allem beim Betonieren, und sie brauchen Kraft zum Steineschleppen, auch wenn moderne, wärmedämmende Materialien wie Leichtbeton auf Bims-Basis und Porenton auf Ton-Basis nicht mehr so schwer sind wie die Steine früherer Generationen. Und sie sollten Lehrsätze wie den des Pythagoras kennen, um Winkel zu berechnen, weil das Resultat sonst unwinklig wird. Und wer will schon in einem schiefen Haus wohnen? (sim)