Ehrenamtlich reparieren

Rettung vor der Tonne

Ob mit oder ohne Stecker – die ehrenamtlichen Reparateure im Reparaturcafé Remagen kriegen fast alles wieder flott, was kaputt ist. FOTO: SIM

Ob mit oder ohne Stecker – die ehrenamtlichen Reparateure im Reparaturcafé Remagen kriegen fast alles wieder flott, was kaputt ist. FOTO: SIM

Der Mixer muckt nicht mehr, der Toaster toastet nicht, Kaffeemaschine und Bohrmaschine liegen aufgeschraubt da. Der Tisch ist außerdem übersäht mit Werkzeug, und drumherum stehen mehr als ein halbes Dutzend werkelnde Herren – und unter anderem Rita Herminghaus.

„Meine Dampfbügelstation dampft nicht mehr“, sagt die Remagenerin. Deshalb hat sie letzte Rettung in einem der Reparaturcafés gesucht, die es in der Region immer häufiger gibt. Das Konzept: Ehemalige Handwerker, Diplom-Ingenieure oder Allrounder und Tüftler, meist im Ruhestand, treffen sich zu festen Terminen an öffentlicher Stelle und reparieren ehrenamtlich Kleingeräte gegen einen freiwilligen Obolus, gerne auch unter Mithilfe der Kunden. Die Resonanz: riesig.

Ruheständler bilden das Team

In Remagen etwa stehen schon vor dem offiziellen Beginn des monatlichen Treffs mehrere „Kunden“ vor den Türen der Kulturwerkstatt. Sie füllen erstmal ein Formular aus, damit die Akteure etwa gegen Regressansprüche abgesichert sind, und erhalten eine Nummer, damit es der Reihe nach geht und der „Reparaturraum“ nicht überquillt. Manche trinken erstmal einen Kaffee. Gebäck gibt es auch. Alles Bestandteile des Reparaturcafés, das in Remagen vom Caritas-Projekt „Leben und älter werden in Remagen mitgestalten“ initiiert wurde.

Kennenlernen inklusive

Die Bewirtung, Nachbarschaftshilfe, die Expertise der Ruheständler, alles sei wichtig, sagt Koordinatorin Mechthild Haase. Die Wartenden lernen sich genauso kennen wie die Akteure, die miteinander knifflige Fälle lösen. „Wir reparieren, wofür ein Handwerker nicht kommt und auch heute nicht mehr zu finden ist“, sagt Richard Keuler vom Kultur- und Heimatverein Niederzissen, wo bereits im April 2017 ein jeweils dreistündiges Reparaturcafé an den Start ging. Zu den monatlichen Treffs kamen im ersten Jahr rund 120 Personen mit insgesamt 150 defekten Geräten. „Von den zehn bis 15 Reparaturanliegen an einem Nachmittag sind etwa zwei Drittel erfolgreich“, sagt Keuler.

Mehrere Männer sitzen in Remagen über eine Stunde lang an einem Staubsauger, bis sie ihn wieder ans Laufen kriegen. „Manchmal ist auch nur ein Schlauch verstopft, es muss eine Kleinigkeit gelötet werden oder ein neuer Akku oder ein anderes Ersatzteil ist notwendig, mit dem der Kunde beim nächsten Reparaturcafé wieder kommen kann“, erklären sie. Auch was keinen Stecker hat, wird inspiziert: Mit einer leckenden Thermoskanne und einer Spieluhr etwa ist Hartmut Giebler aus Rolandswerth gekommen. Beides kriegen die Reparateure wieder hin. Die Dampfbügelstation von Rita Herminghaus leider nicht: „Trotzdem eine tolle Idee, dass man nicht direkt alles wegschmeißen muss in unserer Wegwerfgesellschaft. Wenn wieder was kaputt ist, bin ich wieder hier.“⋌sim