Wahrheiten über das Handwerk

Handwerker verdienen besser als Hausärzte

Mädchen im Männerberuf am Girls' Day: Eine junge Dame an der Metallbearbeitungsmaschine. FOTO: GIRLS' DAY

Mädchen im Männerberuf am Girls' Day: Eine junge Dame an der Metallbearbeitungsmaschine. FOTO: GIRLS' DAY

Das Wort Handwerk hat in den Augen der Allgemeinheit oft keinen guten Ruf – zu recht oder nicht? Wir räumen auf mit fünf gängigen Mythen und Vorurteilen:

Handwerk ist altmodisch

Eindeutig nein, denn Berufe wie Zahntechniker, Mechatroniker für Kältetechnik, Medientechnologe Siebdruck oder Kletterwandmonteur würde wohl niemand als altmodisch bezeichnen. In der Natur der Sache liegt natürlich, dass bei Handgewerken auch mit den althergebrachten Werkzeugen gearbeitet wird, aber wie überall passiert auch hier vieles mittlerweile digital. Ebenso bieten die Weiterbildungsmöglichkeiten der Handwerkskammer zu Köln, die auch für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis zuständig ist, ein umfangreiches Programm, um up to date zu sein: unter anderem Gebäudeenergieberater und Fachkundiger für Hybrid/ Hochvolt.

Handwerker kommen immer zu spät

Planbarkeit ist für Kunde wie Handwerker das A und O. Generell, so die D.A.S. Rechtsschutzversicherung, ist eine Wartezeit von circa 30 Minuten durchaus im Rahmen. Handwerker, die fest vereinbarte Termine sausen lassen, müssen unter Umständen einen Verzugsschaden begleichen, etwa Entschädigung für den extra genommenen Urlaubstag. Wer aber einen Termin mit fester Uhrzeit vereinbart hat, muss zwingend zum vorgegebenen Zeitpunkt auch anwesend sein. Anderenfalls darf der Handwerker wieder fahren und die Kosten in Rechnung stellen.

Im Handwerk verdiene ich wenig

Die Antwort ist nicht so einfach. Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln verdienen manche Ex-Azubis mit Meisterkurs besser als Hausärzte. Zwar sind Akademiker im Durchschnitt bei brutto 20,60 Euro, während Meister, Techniker und Fachwirte im Schnitt auf nur 17,50 Euro kommen, doch gut ein Viertel aller Meister und Fachwirte liegen laut der Studie über dem durchschnittlichen Stundenlohn der Akademiker. Eine weitere gute Nachricht für Nicht-Akademiker: Die Gehaltsunterschiede zwischen Fortbildungs- und Hochschulabsolventen sinken fünf Jahre nach dem Abschluss.

Im Handwerk habe ich keine Karrieremöglichkeiten

Klare Antwort: Nein! Denn hier ist alles im Bereich des Machbaren. Im dualen Studium kann der Hochschulabschluss mit integrierter Lehre absolviert und so von Anfang an Theorie in der Praxis angewandt und umgesetzt werden. Beim trialen Studium erlangt man sogar drei Abschlüsse: Geselle, Meister, Bachelor. Selbstverständlich gibt es den Meistertitel, der gleichwertig mit einem Bachelorabschluss ist, als nach wie vor wichtigstes Qualitätssiegel. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit von karrierefördernden Zusatzqualifikationen wie Auslandsaufenthalten oder IT-Zertifikaten. Ausführliche Infos: www.karriereportal-handwerk.de

Handwerk ist nichts für Frauen

Letzte Antwort: Ebenfalls Nein. Klar gibt es auch im Handwerk die typischen Frauenberufe Friseurin, Floristin oder Schneiderin. Aber sich die Hände schmutzig zu machen oder das Transportieren schwerer Materialien sind auch für Mädchen keine Tabus mehr. Da helfen – genau wie bei den Männern – Handschuhe und moderne Hublifte. Dank Initiativen wie Girls' Day, dem deutschlandweiten Mädchen-Zukunftstag, ist die Scheu vor vermeintlichen Männerdomänen verringert worden: Am 28. März dieses Jahres bieten viele Unternehmen in der Region die Möglichkeit, (Männer-) Berufe wie Bootsbauerin, Schornsteinfegerin oder Kraftfahrzeugmechatronikerin kennenzulernen.⋌ah