Fahrradbranche

Boom-Branche E-Bike

Praktisch: Wer mit dem E-Bike oder Pedelec zur Arbeit fährt, entlastet die Umwelt und tut sich durch die Bewegung etwas Gutes. FOTO: MICROGEN/THINKSTOCK

Praktisch: Wer mit dem E-Bike oder Pedelec zur Arbeit fährt, entlastet die Umwelt und tut sich durch die Bewegung etwas Gutes. FOTO: MICROGEN/THINKSTOCK

Das Fahrrad feierte 2017 Jubiläum. Ob freilich Karl Freiherr von Drais, der Erfinder des Laufrads als Urform dieser Fortbewegung, ahnte, dass zwei Jahrhunderte später die Drahtesel mit Motor daherkommen würden, scheint fraglich. Aber auch im Rheinland sind sie unterwegs, die E-Bikes und Pedelecs.

Laut Schätzungen des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) vom April 2018 sind es in der Region rund 50 000 Exemplare. Dementsprechend angesagt ist auch wieder der Beruf des Zweiradmechatronikers. Dieser hieß übrigens bis 2014 noch Zweiradmechaniker, wurde dann aber wegen der vielen Neuerungen gerade auf dem Gebiet der Elektronik zum Mechatroniker.

Einen Boom in der Fahrradbranche gab es schon einmal: mit Dietrich „Didi“ Thurau. Als dieser 1977 und 1979 seine Etappensiege bei der Tour de France feierte, wollte jeder ein Rennrad haben. Nach dem Rennrad erlebte die Branche mit Mountainbikes einen erneuten Aufschwung und heute sind die Elektrofahrräder stark nachgefragt. Waren es Anfang 2015 noch 2,1 Millionen in ganz Deutschland, waren es nach Schätzungen des Zweirad-Industrie-Verbandes bis Ende 2017 rund 3,5 Millionen. Tendenz weiter steigend.

Und wenn, wie in diesem Sommer, das Wetter mitspielt, wird viel Fahrrad gefahren – und diese Fahrräder müssen dementsprechend gewartet beziehungsweise repariert werden. Das ist eine der Hauptaufgaben des Zweiradmechatronikers.

In der 3,5 Jahre dauernden Ausbildung gibt es zwei verschiedene Fachrichtungen: den Motorradtechniker und den Fahrradtechniker. So gab es zu Beginn des Jahres 2018 in Bonn 13 Auszubildende für diesen Beruf, wie Rainer Gutmann von der Handwerkskammer zu Köln, die auch für die hiesige Region zuständig ist, berichtet: „Zehn davon werden in der Fachrichtung Motorrad, drei in Fahrradtechnik ausgebildet. Im Rhein-Sieg-Kreis ist das Verhältnis nahezu umgekehrt. Hier sind es fünf junge Männer, die Fahrradmechatroniker werden möchten und nur drei Motorradtechniker.“

Neben dem allgemeinen technischen Grundwissen über die Fortbewegung auf zwei Rädern lernen die Auszubildenden auftretende Fehler zu diagnostizieren und zu beheben, Fahrräder umzurüsten oder sogar individuell zusammenzustellen. Einen modernen Zweiradmechatroniker zeichnet neben handwerklichem Geschick auch Elektromobilitätskompetenz und Leidenschaft fürs Fahrradfahren aus. Viele machen hier das Hobby zum Beruf. Wichtig ist jedoch auch die soziale Komponente, denn der direkte Umgang mit den Kunden gehört auch in den Werkstätten dazu. Dies insbesondere deshalb, weil viele E-Bike- und Pedelec-Fahrer schon älter sind und die moderne, innovative Antriebs- und Batterietechnologie ihrer Räder bevorzugt in die Hände erfahrener Zweiradhandwerker legen.

Beim Blick in die Zukunft weist der Zweirad-Industrie-Verband vor allem auf das Fahrrad als umweltschonendes Verkehrsmittel hin: „Das E-Bike ist nicht erst seit dem Abgasskandal und drohenden Fahrverboten das ideale Verkehrsmittel auf kurzen und mittleren Strecken. Auch als Alternative zum innerstädtischen, motorisierten Lieferverkehr ist es zur Zeit in aller Munde – Stichwort Lastenrad oder Leasing.“ ⋌ah