Geld, Vermögen & Finanzen

Mit Strategie zu einem Vermögen

Sparen lohnt sich. Dafür sorgen der Zinseszins- und der Kosten-Durchschnitts-Effekt. FOTO: THINKSTOCK/RAWPIXEL

Sparen lohnt sich. Dafür sorgen der Zinseszins- und der Kosten-Durchschnitts-Effekt. FOTO: THINKSTOCK/RAWPIXEL

Sparen, Vermögen? Das Thema betrifft mich nicht, denken viele vielleicht. Doch halt! Es gibt einige Gründe, diese Seite jetzt nicht ungelesen zur Seite zu legen.

Zum ersten: Wer regelmäßig und über längere Zeit spart, kann auch mit kleinen Beträgen sehr wohl etwas erreichen. Je früher man mit dem Sparen beginnt, desto mehr steht für ein geplantes Ziel zur Verfügung. Gerade für die Ruhestandsplanung sollte man schon in jungen Jahren ein Polster anlegen. Zudem können außerplanmäßige Geldeingänge – ein Erbe, eine Abfindung, eine Steuererstattung etwa – in die Sparrücklage fließen.

Verschiedene Strategien möglich

Grundsätzlich kann man auf mehrere Arten eine Rücklage aufbauen: Man legt eine Summe auf einmal an. Das ist etwa nötig beim Kauf einer Immobilie. Oder man verteilt den geplanten Anlagebetrag auf mehrere Einzelsummen. Das ist dann interessant, wenn man in Aktien investiert. Der Anleger mildert das Risiko, zu teuer einzukaufen, nur weil die Kurse am Kauftag gerade sehr hoch waren. Dritte Möglichkeit: Regelmäßig, zum Beispiel monatlich, einen festen Betrag zur Seite legen. Zu den Vorteilen dieses Weges gleich mehr.

Natürlich ist es derzeit schwierig, mit den Klassikern Lebensversicherung oder Sparvertrag das Vermögen zu mehren. Geht auch, dauert aber sehr lange. Bessere Chancen bieten Anlagen in Sachwerte, zu denen zum Beispiel Aktien gehören. Die haben natürlich Risiken, so schwanken die Aktienkurse mehr oder weniger stark.

Zwei Effekte machen nun das Sparen so interessant: der Zinseszins- und der Kosten-Durchschnitts-Effekt. Sie können erstaunliche Wirkung auf die Vermögensentwicklung haben. Der Zinseszins-Effekt besagt: Das Anlagekapital erwirtschaftet Erträge. Diese erhöhen das Kapital, das somit in der nächsten Runde noch mehr Erträge bringt. In einer Niedrigzinsphase irritiert der Begriff Zinseszins sicherlich – es gibt ja kaum Zinsen. Also ist auch der Effekt schwach. Er gilt aber genauso für andere Kapitalanlagen, zum Beispiel Aktieninvestments – mit dem Unterschied, dass dort die Erträge nicht fest fließen, sondern in Abhängigkeit vom Unternehmenserfolg. Das sind mal höhere, mal niedrigere Beträge.

Nehmen wir der Einfachheit halber einmal an, ein Unternehmen schüttet jedes Jahr Gewinne in gleicher Höhe an die Inhaber der Aktien aus , und zwar vier Euro pro Aktie im Wert von 100 Euro. Das ist ein durchaus realistischer Wert. Der Anleger hat 100 Aktien des Unternehmens. Er bekommt also 400 Euro (100 mal vier). Die fließen ins Depot, der Anleger investiert sie wieder in Aktien und hat jetzt 104 Titel. Im nächsten Jahr bekommt er also schon 416 Euro.

Natürlich wird heute dieser aus der Zinswelt bekannte Effekt bei Aktieninvestments überdeckt durch andere Faktoren. Dennoch gilt der Grundsatz: Wiederinvestierte Erträge mehren das Vermögen mit steigender Tendenz.

Mal Freund, mal Feind: der Kosten-Durchschnitts-Effekt

Ein anderer Effekt kommt nun gerade bei schwankenden Kursen, im Auf und Ab der Märkte zum Tragen: der Kosten-Durchschnitts-Effekt. Er greift vor allem bei Sparverträgen, die in Aktienfonds investieren. Das wird auch hier am besten in einem einfachen Modell deutlich. Der Anleger hat einen Sparvertrag über 50 Euro im Monat auf einen Aktienfonds angelegt. Die Aktienkurse schwanken, damit auch der Preis für die Fondsanteile.

Wir nehmen einmal extreme Schwankungen an. Im ersten Monat bekommt der Anleger für 50 Euro zwei Fondsanteile. Die kosten also 25 Euro. Im nächsten Monat gibt es einen starken Kurseinbruch um 50 Prozent; die Anteile sind jetzt für 12,50 zu haben. Der Sparer kauft also für die gleiche Summe von 50 Euro vier Anteile. Nun gibt es wieder einen Aufschwung an der Börse, der lange anhält. Die Kurse steigen stark an, überspringen das Anfangsniveau; die Entwicklung scheint kein Ende zu kennen. Der Fonds klettert auf schwindelerregende 50 Euro pro Anteil. Da der Anleger nicht übermütig wird, belässt er die Sparquote auf 50 Euro und kauft entsprechend nur einen Anteil.

Zusammengefasst: Der Kosten-Durchschnitts-Effekt bewirkt, dass man in schwachen Börsenphasen mehr Aktien beziehungsweise Fondsanteile kauft (und damit mehr im Depot hat, wenn die Kurse wieder steigen), dass man zugleich nicht zu viele zu teure Werte einkauft, wenn die Kurse hoch sind und sich vielleicht gerade eine Blase gebildet hat.

So lässt sich mit strategischem Vorgehen mit der Zeit durchaus ein ansehnliches Sümmchen zusammensparen – fürs neue Auto, das Studium der Kinder oder die Rücklage für den Ruhestand.

Im Internet gibt es viele Möglichkeiten auszurechnen, wie sich das Vermögen entwickelt. Zum Beispiel auf der Seite des Fondsverbandes BVI, der die Interessen der deutschen Investmentbranche vertritt (www.bvi.de/kapitalanlage/privatanleger/rechner).