Investmentbank Lehman Brothers

Lehren aus der Lehman-Pleite

Die ehemalige Lehman-Zentrale in New York. Vor zehn Jahren meldete die Bank Konkurs an. FOTO: PETER FOLEY/EPA/DPA

Die ehemalige Lehman-Zentrale in New York. Vor zehn Jahren meldete die Bank Konkurs an. FOTO: PETER FOLEY/EPA/DPA

Am 15. September 2008 herrscht an der Wall Street Weltuntergangsstimmung. Die Kurse an der Börse brechen ein. Der Grund: Lehman Brothers, eine der größten Investmentbanken der Welt, muss Insolvenz anmelden.

Es geht um Verluste in Milliardenhöhe. „Viele dachten, das Risiko sei beherrschbar“, erinnert sich Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Doch durch die enge Vernetzung im Finanzsystem hatten fast alle Banken mit verbrieften Immobilienkrediten gehandelt.“ Im Zuge der US-Immobilienkrise wurden diese wertlos, Banken gingen pleite. „Das hatte es in diesem Ausmaß vorher nicht gegeben.“

Zertifikate galten als sicher

Die Pleite von Lehman löste eine schwere globale Krise aus. Sie traf nicht nur Großinvestoren weltweit, sondern auch rund 50 000 deutsche Privatanleger. Viele von ihnen hatten die Zertifikate der niederländischen Lehman-Tochtergesellschaft gekauft. Diese Papiere galten als sicher und ertragsstark – bis zur Pleite.

Was den Anlegern nicht klar war: Wer Zertifikate kauft, trägt im Fall einer Pleite das Emittentenrisiko. Das bedeutet, dass Anleger ihre Ersparnisse bei einer Insolvenz des Wertpapierherausgebers komplett verlieren können. „Aus ganz Deutschland riefen die Leute an und erzählten, dass ihr Geld weg ist“, erzählt Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen. „Viele weinten am Telefon.“

Doch seitdem hat sich einiges getan. Auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene gab es eine Reihe von Gesetzesänderungen. Aus Sicht der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) ist der Anlegerschutz insgesamt besser geworden. In der Tat sind vor allem die Aufklärungspflichten strenger geworden seit 2008. Denn Bank- und Finanzberater müssen Beratungsgespräche mit Kunden nun protokollieren sowie Kunden Produktinformationsblätter (PIB) aushändigen.

Allerdings sei ein regulatorischer Flickenteppich mit unterschiedlichen Informationsblättern etwa für Aktien, Fonds, Anleihen entstanden, der für Anleger und Kreditinstitute kaum noch zu überblicken sei, kritisiert die DK.

Das sehen auch manche Praktiker so: Für Privatanleger habe sich im Prinzip nicht viel geändert, findet etwa Vermögensberater Frank Wieser. „Er bekommt jetzt Unmengen mehr Papier und Informationen, der Anlegerschutz hat sich aber nicht entscheidend verbessert“, sagt der Geschäftsführer der PMP Vermögensmanagement.

Und auch Verbraucherschützer Mai übt Kritik: „Es gab eine Flut an Gesetzen und Papieren, darunter waren wenig Meilensteine“, sagt er. „Zwar hat sich im Vertrieb von Finanzprodukten einiges verändert, jedoch wenig an den Strukturen.“

Bei den Anlegern selbst hat die Finanzkrise allerdings Spuren hinterlassen. „Die Anleger sind risikobewusster geworden“, sagt Lothar Koch, Finanzberater bei der Spee Asset Management AG in Düsseldorf. Dies sei bei vielen direkt in ein generelles Misstrauen in die Finanzbranche und den Aktienmarkt umgeschlagen.

„Vielleicht ist das ja auch gar nicht so schlecht, wenn dadurch Verbraucher kritischer und risikobewusster agieren“, sagt Mai. Früher hätten viele zum Teil blindlings Verträge unterschrieben und ihren Bankberater als Vertrauensperson angesehen. Nun beobachtet der Verbraucherschützer: „Die Menschen fragen viel kritischer nach. Oft kommen sie mit bestehenden Verträgen und fragen: Was kann ich tun?“ Sein grundsätzlicher Rat: „Investieren Sie nur in Dinge, die Sie auch verstehen.“ ⋌tmn