Anzeige Jetzt schon Sparen für die Rente?

Mit der Altersvorsorge sollte man früh beginnen. Aber für Azubis gibt es zunächst oft wichtigere Sparziele. FOTO: MONIQUE WÜSTENHAGEN/ DPA-TMN

Das erste selbst verdiente Geld auf dem Konto ist für die meisten Azubis ein gutes Gefühl. Endlich auf eigenen Füßen stehen, endlich nicht mehr am Portemonnaie der Eltern hängen.

Doch mit der Unabhängigkeit wächst auch die Verantwortung, zum Beispiel für die eigene Altersvorsorge. Aber müssen Azubis wirklich gleich mit Beginn der Ausbildung Geld für die Rente beiseite legen?

„Nein, müssen sie nicht“, findet Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. „Denn ob das wirklich notwendig ist, hängt immer vom Auge des Betrachters ab.“ Altersvorsorge sei zwar wichtig, aber nicht immer der erste Punkt, der abgehakt werden muss. „Wenn Sie zum Beispiel ein Auto brauchen, um zum Ausbildungsbetrieb zu fahren, kann das für Sie ein besseres Sparziel sein.“

Notgroschen zur Seite legen

Ein weiterer wichtiger Punkt: „Sie müssen erstmal einen Notgroschen beiseite legen“, rät Nauhauser. Denn wenn das erste Auto mal in die Werkstatt muss, können oder wollen vielleicht nicht gleich die Eltern einspringen. Wichtig hierbei: „Das Geld sollte sicher angelegt werden.“ Oder anders gesagt: Am besten auf einem Tagesgeldkonto. „Auch wenn es dafür im Moment nicht viel Zinsen gibt.“

Groß ist der finanzielle Spielraum für die Altersvorsorge bei Auszubildenden ohnehin meist nicht. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) lagen die tariflichen Ausbildungsvergütungen 2017 in Deutschland im Gesamtdurchschnitt bei 876 Euro pro Monat. Wie eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, sind die Unterschiede im ersten Ausbildungsjahr dabei durchaus groß.

Am meisten verdienen Azubis mit monatlichen Beträgen zwischen 900 und 1000 Euro in der Metall- und Elektroindustrie, dem Bank- und Versicherungsgewerbe sowie im Öffentlichen Dienst. Zwischen 700 und 900 Euro werden in Westdeutschland zum Beispiel in der Textilindustrie, dem Einzelhandel oder der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie gezahlt. Die niedrigsten tariflichen Ausbildungsvergütungen mit Beträgen von weniger als 700 Euro finden sich in Ostdeutschland, aber auch zum Beispiel im westdeutschen Gebäudereinigerhandwerk.

Die gute Nachricht: Azubis müssen für den Vermögensaufbau nicht unbedingt etwas von ihrer knappen Ausbildungsvergütung abzweigen. „Viele Betriebe bieten Vermögenswirksame Leistungen“, erklärt Nauhauser. Dieses Geld zahlen Chefs zusätzlich zum Lohn, je nach Branche monatlich bis zu 40 Euro. Sechs Jahre wird in den VL-Vertrag eingezahlt, am Jahresende darauf kann der Sparer an sein Geld.

VL-Verträge gibt es unter anderem als Banksparplan, Bausparvertrag oder als Aktienfondssparplan. Beste Renditechancen bieten nach Ansicht der Stiftung Warentest Aktien. Sparer müssen allerdings mit Rückschlägen an den Börsen rechnen. Ein langer Atem hilft hier gegen Verluste. Der VL-Fondssparplan muss nach sieben Jahren nicht zwingend aufgelöst werden. Wer eine Schwächeperiode am Aktienmarkt erwischt, sollte möglichst auf eine Erholung der Kurse warten und dann bei höheren Kursen verkaufen, raten die Experten.

Durch ihr meist geringes Einkommen haben Azubis zusätzlich Anspruch auf die staatliche Arbeitnehmersparzulage. Die Zulage von bis zu 80 Euro pro Jahr wird gezahlt, wenn Beschäftigte im Jahr weniger als 20 000 Euro verdienen. Bei gemeinsam veranlagenden Ehepaaren sind es 40 000 Euro. Hat der Sparer einen Bausparvertrag als Vermögenswirksame Leistung abgeschlossen, liegt die Einkommensgrenze bei 17 900 Euro (35 800 Euro bei Verheirateten). Hier gibt es 43 Euro im Jahr dazu.

Aktienfonds sind auch aus Sicht von Niels Nauhauser meist die beste Wahl für den Vermögensaufbau. „Riester-Verträge sind oft unrentabel“, urteilt der Abteilungsleiter Altersvorsorge, Banken, Kredite der Verbraucherzentrale. „Und betriebliche Altersvorsorge lohnt sich nur, wenn der Chef 30 Prozent oder mehr dazuzahlt.“ Ein wichtiger Punkt: „Das Geld ist bis zum Renteneintritt weg.“ Für Azubis bedeutet das schon einmal einen Zeitraum von 40 Jahren.

Wer keinen VL-Vertrag abschließen kann oder will, kann auch selber einen Fondssparplan abschließen. Möglich ist das oft schon ab einem Monatsbetrag von 25 Euro. Geeignet hierfür sind börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs. Auch hier gilt: „Das eingesetzte Geld sollte allerdings längerfristig investiert werden, damit man in Krisenzeiten nicht gezwungen ist, Verluste zu realisieren“, sagt Nauhauser. Die Erfahrung zeigt: Selbst nach schweren Rückschlägen hat sich der weltweite Aktienmarkt immer wieder erholt.

Eine Berechnung der Stiftung Warentest zeigt allerdings, dass das durchaus seine Zeit braucht: In der Vergangenheit konnten Anleger mit einem Anlagehorizont von 10 Jahren mit einem ETF auf den MSCI World Index im besten Fall 20,2 Prozent pro Jahr erwirtschaften, im schlechtesten Fall lag die Rendite bei minus 3,8 Prozent pro Jahr. Bei einem Anlagezeitraum von 20 Jahren machten Anleger dagegen auch im schlechtesten Fall keinen Verlust: Hier lag die beste Rendite bei 16,6 Prozent pro Jahr, die schlechteste bei 3,3 Prozent pro Jahr. ⋌dpa

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