Nachhaltigkeit

Investieren mit Öko-Siegel

 Nachhaltige Investments sind nicht nur gut für die Umwelt, sondern zahlen sich auch finanziell aus. Das realisieren immer mehr Deutsche. FOTO: THINKSTOCK

Nachhaltige Investments sind nicht nur gut für die Umwelt, sondern zahlen sich auch finanziell aus. Das realisieren immer mehr Deutsche. FOTO: THINKSTOCK

Nachhaltigkeit ist längst kein Nischenthema mehr. Das hat auch mit der zunehmenden Erkenntnis zu tun, dass nachhaltiges Wirtschaften für Unternehmen keine Gewinnbremse ist. Im Gegenteil: Firmen, die darauf Wert legen, weniger Ressourcen zu verbrauchen, schonen damit nicht nur die Umwelt, sondern steigern langfristig auch ihre Gewinne. Das ist immer mehr Konzernlenkern bewusst. Anleger können von diesem Erkenntniszuwachs profitieren, indem sie in börsennotierte Unternehmen investieren, die nachhaltig wirtschaften. Das ist mittlerweile sogar wissenschaftlich bewiesen.

Messbare Kursgewinne

So hat die Harvard Universität im vergangenen Jahr eine Studie veröffentlicht, in der sie die Entwicklung von mehr als 2300 Unternehmen über 20 Jahre hinweg dokumentiert. Die Forscher haben bestimmte Nachhaltigkeitsparameter angelegt und verglichen, wie diese sich bei den Unternehmen auf die Börsenperformance ausgewirkt haben. Das Ergebnis ist eindeutig. Die Aktienkurse von Unternehmen, die wichtige Nachhaltigkeitsaspekte erfüllen, haben sich im Durchschnitt rund vier Prozent besser entwickelt als der Rest. Dieser Erfolg zieht naturgemäß Nachahmer an: Immer mehr Investoren belohnen nachhaltig wirtschaftende Unternehmen, indem sie in Aktien von Konzernen investieren, die die Umwelt schonen.

Laut „Forum Nachhaltige Geldanlagen“ haben Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz derzeit rund 200 Milliarden Euro in Anlagestrategien angelegt, die in gesellschaftlich verantwortliche Kapitalanlagen investieren. Und das ist nur die deutschsprachige Spitze des Eisbergs. Weltweit hat sich der sogenannte SRI-Markt (Socially Responsible Investments) in den vergangenen neun Jahren auf mehr als 20 Billionen Euro versechsfacht. Der Grund dafür ist nicht nur ein gestiegenes Verantwortungsbewusstsein der Investoren, sondern eben auch die Erkenntnis, dass es sich finanziell lohnt.

Die Herausforderung für Privatanleger besteht allerdings darin, die passenden Unternehmen zu finden, die die wichtigsten Nachhaltigkeits-Kriterien erfüllen. „Anleger, die gezielt nach solchen Unternehmen suchen, wollen natürlich wissen, wo ihr Geld hingeht und in welchem Umfang Unternehmen ethisch einwandfrei wirtschaften“, sagt Andrew Murphy von der Bonner Vermögensverwaltung Murphy & Spitz, die sich auf nachhaltige Investments spezialisiert hat. „Die Recherche nach den passenden Aktien ist aufwändig. Deshalb gibt es Unternehmen, die sogenannte SRI-Indizes vermarkten, die wiederum als Basis für Nachhaltigkeits-ETFs oder Investmentfonds dienen“, erklärt Murphy. Der Vorteil: Anleger können gezielt in Nachhaltigkeitsfonds investieren. Der Nachteil der Nachhaltigkeits-Indizes sei allerdings, dass sie vor allem auf den profitablen Verkauf ausgerichtet seien und deshalb auch schon mal Ölunternehmen oder Tabak-Konzerne in die Listen wanderten – einfach weil deren Aktien sich schon in den Beständen der Fondsgesellschaften befinden, so Murphy.

„Wir stützen uns deshalb auf unser eigenes Research und haben etwa 200 deutsche mittelständische Unternehmen im Blick, von denen derzeit 90 Unternehmen in der engeren Auswahl sind“, sagt Andrew Murphy. Hilfreich sei dabei jetzt auch ein Standard, der erst im vergangenen Dezember vom Forum für Nachhaltige Geldanlage (FNG) der Öffentlichkeit vorgestellt wurde: das sogenannte FNG-Siegel. Dieses Siegel erhalten nur solche Fonds, die gewisse Mindestanforderungen erfüllen: Sie dürfen weder im Waffen- noch Kernkraftgeschäft tätig sein und müssen die vier Bereiche des Uno-Global-Compact berücksichtigen: Sie müssen Menschen- und Arbeitsrechte einhalten, sich dem Umweltschutz verpflichten sowie Korruption bekämpfen. Derzeit tragen 35 Renten-, Aktien und Mischfonds dieses Siegel, darunter auch der Murphy & Spitz Umweltfonds Deutschland.

Deutschland hat Nachholbedarf

Murphy versteht sich als Vorreiter im deutschen Markt. „Erstaunlicherweise ist Deutschland beim Thema Nachhaltiges Investieren im internationalen Vergleich eher ein Spätstarter“, wundert sich Murphy. So sind die Wurzeln ethischen Investierens auch nicht in Deutschland zu suchen, sondern ausgerechnet im Heimatland des Kapitalismus, in den USA: Der älteste Fonds überhaupt, der Pioneer Fund, wurde 1928 als Investmentprodukt speziell für die streng religiösen Gemeinschaften der Quäker und Methodisten aufgelegt und verzichtet seit seiner Auflage im Februar 1928 auf Investitionen in Glücksspiel sowie die Alkohol- und Tabakindustrie. Genau genommen macht das den Fonds zum ersten Ethikfonds der Welt – auch ohne das Etikett Nachhaltigkeit.