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ETFs weiterhin bundesweit auf dem Vormarsch

Zwölf Milliarden Euro haben deutsche Anleger in passiven ETFs investiert. Die Produkte schaffen einen schnellen Zugang zu weltweiten Indizes, sind kostengünstig und entwickeln sich in guten Phasen erfolgreich mit den Börsen. Vermögensverwalter betonen, dass ETFs jedoch immer in eine aktive Investmentstrategie eingebunden werden sollten.

Die Deutschen und die ETFs (Exchange Traded Funds, also passive, börsennotierte Indexfonds), das ist eine immer heißer lodernde Liebesgeschichte. Laut dem ETF-Retail-Marktreport des „EXtra-Magazins“ von August hatte das Anlagevolumen der Deutschen in ETFs zuletzt mehr als zwölf Milliarden Euro betragen. Seit Jahresanfang habe das Anlagevolumen um mehr als 20 Prozent zugenommen, und die Anzahl der ETF-Sparpläne habe sich seit Jahresanfang sogar um mehr als 40 Prozent erhöht.

„Wir erkennen auch keine langfristige Trendwende, sondern nehmen wahr, dass ETFs weiterhin stark an Bedeutung zunehmen. Das ist auch unter verschiedenen Gesichtspunkten nachvollziehbar“, sagt Thomas Lenerz, Direktor und Vermögensverwalter bei I.C.M Independent Capital Management, einer unabhängigen Vermögensverwaltung in Mannheim und Neuss/Düsseldorf. Er weist unter anderem auf die geringen Kosten der ETFs hin: Die Jahresgebühren bewegen sich oft bei 0,5 Prozent oder weniger, Ausgabeaufschläge existieren de facto nicht. Ein Beispiel: Ein Fonds wie der MSCI World TRN UCITS ETF knüpft an die Wertentwicklung des MSCI Total Return Net World an und lässt sich kontinuierlich auch mit kleinen Summen besparen – bei 0,20 Prozent Kosten pro Jahr.

„Gerade Anleger mit einem sehr langen Zeithorizont können von den passiven Instrumenten profitieren, die ja letztlich nur einen Index wie den Dax nachbilden und dessen Wertverlauf widerspiegeln. Ein Dax-ETF hätte seit 1994 jeden aktiv gemanagten Fonds geschlagen, den vollen Wertzuwachs von fast 440 Prozent mitgenommen und damit jeden Abschwung entspannt verkraftet.“

In der unabhängigen Vermögensverwaltung von I.C.M. spielten ETFs insbesondere eine Rolle, um Schwellenländer oder andere Märkte abzubilden, in denen direkte Investments in Einzeltitel schwierig seien“, betont Thomas Lenerz. Dabei nennt er beispielsweise Südostasien. „Wir können damit den Anlegern in der Vermögensverwaltung Zugänge zu bestimmten Regionen oder auch Nischen eröffnen und über die passiven Instrumente die dortige Wertentwicklung nutzen.“ Der Vermögensverwalter weiß aber auch um die Nachteile der ETFs. Bestimmte ETFs böten sich als strategische Beimischung für Depots an, aber in diesem Zuge dürfe nicht das aktive Management des Portfolios und der Risiken aus den Augen verloren werden.

Gerade Langzeitanleger profitieren oft von ETFs. FOTO: THINKSTOCK/8VFAN1

Gerade Langzeitanleger profitieren oft von ETFs. FOTO: THINKSTOCK/8VFAN1

Dieses Problem löst Scalable Capital auf ganz moderne Weise: durch eine voll digitalisierte Vermögensverwaltung. Das heißt: Selbst der Geschäftskern, die Anlagestrategie, wird emotionslos durch eine Technologie gesteuert. Algorithmen steuern die Auswahl der Vermögenswerte, managen die Risiken und stellen die Vermögensportfolios der Kunden individuell und angepasst an die persönliche wie auch die allgemeine Lage zusammen.

Scalable Capital zählt zu den so genannten Fintechs, den Neuen, die die Finanzbranche mit innovativen, technologisch raffinierten Modellen aufmischen. Der Vermögensverwalter investiert ausschließlich in ETFs. Zur Auswahl stehen 1500 Fonds aus allen wichtigen Anlagegruppen (Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe, Geldmarkt) und breit gestreuten Indizes. Außer bei Spezialfällen wie Rohstoffen kommen nur physische ETFs zum Einsatz, bei denen der Emittent die Werte tatsächlich kauft und für die Kunden treuhänderisch verwahrt.

„ETFs sind das ideale Instrument für unsere Anlagestrategie: Sie ermöglichen eine globale Diversifikation über Tausende von Einzeltiteln und mehrere Anlageklassen hinweg, bei geringen Kosten und perfekter Transparenz, was die enthaltenen Basiswerte und deren Gewichtung betrifft. Für eine datengestützte Investment-Technologie wie unsere ist das unerlässlich“, so Florian Prucker, Gründer und Geschäftsführer von Scalable Capital.

Die digitale Vermögensverwaltung ist am Markt voll eingeschlagen. Scalable Capital verwaltet bereits über 350 Millionen Euro an Anlagegeldern in mehr als 10 000 Depots. Im Dezember 2014 wurde das Unternehmen gegründet. 2015 bauten Professor Stefan Mittnik, Erik Podzuweit und Florian Prucker es auf, warben um Investoren, suchten Mitarbeiter, beantragten und bekamen die Erlaubnis der Finanzaufsichtsbehörde Bafin und programmierten die Software. Im Jahr 2016 startete dann das Geschäft mit Kunden, zunächst in Deutschland und Österreich, im Sommer auch in Großbritannien.