Digitalisierung im Alltag

Teilhabe aller bleibt das gemeinsame Ziel

Frank Appel ist Vorstandsvorsitzender der Deutsche Post DHL Group.

Frank Appel ist Vorstandsvorsitzender der Deutsche Post DHL Group.

Bonn. Drei Ansätze, damit Soziale Marktwirtschaft in Deutschland im digitalen Zeitalter funktioniert. Ein Beitrag von Frank Appel, CEO der Deutsche Post DHL Group.

Es ist beeindruckend, wie sehr die Digitalisierung unseren Alltag prägt. "Smart Services" - vom vernetzten Haushalt über intelligente Stromzähler bis zur Paketzustellung mit elektronischer Vorankündigung am selben Tag - all das verbessert unser Leben.

Die digitale Transformation geschieht mit hoher Dynamik, und neue Technologien und innovative, datenbasierte Geschäftsmodelle verändern die Arbeitswelt grundlegend. Naturgemäß begegnet der Mensch solchen Umwälzungen oft zunächst skeptisch. Ich persönlich sehe in der Digitalisierung aber eine große Chance für Deutschland. Denn mehr Wohlstand geht nur über wirtschaftliches Wachstum. Und genau hier helfen uns neue Technologien enorm, um in Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels vorhandenes Potenzial besser auszuschöpfen. Deutschland kann im digitalen Zeitalter ein sozial gerechter Motor für wirtschaftlichen Erfolg bleiben - wenn wir insbesondere drei Ansätze verfolgen, um die systemische und ideelle Grundlage dafür zu schaffen:

Bildung ist der Schlüssel für Teilhabe im digitalen Zeitalter

Die Medien in Deutschland überschlagen sich gerne mit Schreckensszenarien, in denen neue Technologien zahllose Arbeitsplätze in Deutschland überflüssig machen. Was dabei oft in den Hintergrund rückt, sind die vielen neuen Arbeitsprofile, die im Zuge der Digitalisierung bereits entstanden sind und noch entstehen werden. Damit wir diese Veränderungen als Chance nutzen können, braucht es exzellente (Weiter-)Bildungsangebote, in der Schule genauso wie nach dem Berufseinstieg. Wenn Arbeit sich verändert, muss der Mensch die Möglichkeit haben, sich mit ihr zu verändern.

Wir brauchen ein Sozialsystem 2.0

Seit Ludwig Erhard liegt die Basis der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland im Zusammenspiel zwischen florierender Wirtschaft und einem leistungsfähigen Sozialsystem. Die Digitalisierung verändert jedoch die Struktur der Märkte: Digitale Dienstleister werden mehr Gewinne mit weniger Mitarbeitern verbuchen als traditionelle Unternehmen - und dadurch im Verhältnis weniger Steuern und Sozialabgaben zahlen. Damit Soziale Marktwirtschaft in diesem Umfeld funktioniert, müssen wir auch darüber nachdenken, wie wir unser Steuer- und Sozialsystem entsprechend anpassen.

Wer Neues wagt, wird auch Fehler machen. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen

Wenn Deutschland in einer digitalen Zukunft erfolgreich sein soll, brauchen wir eine Fehlerkultur, die Irrtümer nicht als Vorboten des Scheiterns verurteilt, sondern als natürliche Lernschritte wertschätzt. Nur so entsteht Raum für Kreativität und Innovationsgeist abseits der gewohnten Pfade, auf denen allein die Zukunft nicht gestaltet werden kann. Deshalb müssen wir gerade in Deutschland Start-ups stärker fördern - außerhalb, aber auch innerhalb etablierter Unternehmen. Am Ende gilt es, dem digitalen Wandel neugierig und selbstbewusst zu begegnen, damit mehr Wachstum für alle entsteht.

Die Weichen für das Erfolgsmodell Soziale Marktwirtschaft im digitalen Deutschland können wir am besten im gesamtgesellschaftlichen Diskurs stellen. Eine hervorragende Plattform dafür bietet der "Denkraum Digitale Soziale Marktwirtschaft", der am 11. Juli in Bonn stattfindet. Ich freue mich auf Ihr Kommen, spannende Diskussionen und viele neue Impulse.

Dr. Frank Appel, CEO, Deutsche Post DHL Group