Workshop "Jugend denkt vor"

Eine Videodrohne für den Sportunterricht

Mit Knete und Pfeifenputzern entwickelten die Jugendlichen Modelle, wie digitales Lernen künftig aussehen kann.

Mit Knete und Pfeifenputzern entwickelten die Jugendlichen Modelle, wie digitales Lernen künftig aussehen kann.

Essen. Im Workshop "Jugend denkt vor" entwickeln Jugendliche Ideen und Konzepte zur digitalen Bildung. Die Unternehmen nehmen die Anregungen mit.

Die grüne Knetmasse hat die Form einer Drohne. Mithilfe eines kleinen Gestells hält sie sich über dem Boden. Unter ihr sitzt, aus Pfeifenputzern geformt, ein kleines rosafarbenes Männchen. Das kindliche Modell enthält eine ungewöhnlich Idee, wie junge Leute heutzutage den Sportunterricht gestalten würden: Mithilfe der Drohne könnte der Lehrer sich beim Turnen selbst filmen und die Sequenzen per Video an seine Schüler übertragen.

Es ist nur ein Konzept von vielen, das die rund 40 Teilnehmer bei dem Workshop "Jugend denkt vor" am Mittwoch in Essen erarbeitet haben. Die Veranstaltung sollte dazu dienen, Ideen zu entwickeln, wie digitale Bildung von morgen aussehen kann. Am Donnerstag wurden die Konzepte auch öffentlich im "Denkraum" in Bonn vorgestellt. Die Initiatoren sind das Frankfurter Allgemeine Forum und das Institut für Organisationskommunikation (Ifok). Partner der Veranstaltung sind Deutsche Post DHL Group und Evonik.

Als Vertreter des Essener Konzerns für Spezialchemie sah Henrik Hahn den Schülern am Mittwoch über die Schulter. Hahn ist bei Evonik zuständig für die Planung und Steuerung der Digitalen Transformation des Unternehmens. "Natürlich sind nicht alle Ideen direkt marktreif, die hier entwickelt werden." Allerdings sei es bereits der Prozess im Workshop, der ihn selbst für seine Arbeit inspiriere: Die Schüler gingen "total unbefangen" an solche Probleme heran und hätten oft einen anderen Blick auf die Dinge. "Viele der Probleme im Arbeitsalltag kennen die Jugendlichen ja überhaupt nicht." Hahn deutet damit an, dass schon bald bei den meisten Berufen digitale Kenntnisse und Fähigkeiten nötig seien. Und sich heute schon die Frage stelle: Wie können die Arbeitnehmer diese erlernen?

Zum Beispiel Samir, 51 Jahre, Werkstoffprüfer. Die fiktive Person, für die die Jugendlichen ein Konzept erarbeiten sollen, ist Vater von drei Kindern. Das heißt, er bekommt von seinem Nachwuchs einiges mit, hat aber auch ein wenig Angst vor allem, was digital ist. Für ihn entwickelten die Schüler ein Gerät für seinen Arbeitsalltag namens "Scam".

In dem zusammengesetzten Wort stecken eigentlich drei Geräte: Smartphone, Kamera und Scanner. Samir soll damit bei seiner Arbeit die einzelnen Teile scannen können, um anschließend die Qualitätsmängel damit zu erfassen. Das heißt, seine komplette Arbeit könnte digital funktionieren. Zusätzlich soll das Gerät eine Chatfunktion haben. Damit könnte Samir direkt mit seinen Kollegen im Lager kommunizieren. Was aber passiert, wenn Samir sich nicht für das Gerät interessiert und den Umgang damit nicht lernen will? Auch dafür haben die Jugendlichen eine Antwort: "Das Unternehmen sollte einen Seminartag einrichten für die Mitarbeiter. Als Anreiz, daran teilzunehmen, könnte man einen freien Tag als Ausgleich anbieten", erklären die Jugendlichen in der Präsentation.

Die jungen Entwickler und Erfinder sind zum Teil Schüler, aber auch ein paar sogenannte Joblinge sind dabei. Junge Arbeitslose unter 25 Jahren, denen mithilfe der gleichnamigen Initiative der Einstieg ins Berufsleben erleichtert werden will. Sechs Monate werden sie insgesamt betreut, unter anderem gehört die Teilnahme an solchen Workshops dazu.

Am Ende des Tages erhalten alle Jugendlichen ein Zertifikat. Und vielleicht werden einige ihrer Ideen bei Evonik sogar weiterentwickelt. "Im letzten Jahr haben wir eine Anregung tatsächlich aufgenommen, um unser unternehmenseigenes Facebook weiterzuentwickeln", erklärt Hahn.