Volvo V40: Hoher Lustfaktor

Sportlichkeit ist eine Eigenschaft, die sich im Zusammenhang mit schwedischen Autos nicht so leicht in Einklang bringen lässt. Mit seinen R-Modellen versucht Volvo traditionell, die Top-Modelle einzelner Baureihen als Sportler zu platzieren.
Besondere Farbe für ein besonderes Auto: der Volvo V40 R-Design ist 'Rebell-Blau'. Foto: Werksfoto

Nun gibt es auch für den kompakten V40 eine R-Linie. In Verbindung mit dem 187 kW/254 PS starken Turbo-Fünfzylinder entsteht so eines der heißesten Autos, das die Kompaktklasse derzeit zu bieten hat.

Natürlich ist er in auffällig leuchtendem "Rebell-Blau" lackiert. Ein bisschen Auffälligkeit darf schon sein, wenn der kompakte Volvo V40 im neuen Sportdress antritt. Die seit letztem Herbst verfügbare kompakte Baureihe aus Schweden ist nun auch mit den sportlichen Insignien unter dem Namen "R-Design" zu haben.

Diese Version kann einmal mit drei Dieseln mit 82 kW/115 PS, 110 kW/150 PS beziehungsweise 132 kW/180 PS geordert werden und in der Top-Version mit einem aufgeladenen 5-Zylinder-Benzindirekteinspritzer, der aus 2,5 Litern Hubraum 187 kW/254 PS schöpft. Die beiden anderen Benziner treten nur mit 110 kW/150 PS und 132 kW/180 PS an. Das Top-Modell ist in der Kompaktklasse derzeit so ziemlich das Schärfste, was der Markt zu bieten hat; abgesehen vom Opel Astra OPC vielleicht. Aber der ist ein zweitüriges Coupé und keine fünftürige Limousine der Mittelklasse.

Die harmonische Linienführung, die beim V40 von Beginn an überzeugt, hat unter dem Label "R-Design" ausschließlich dezente Retuschen erfahren: eine aerodynamisch optimierte Frontschürze mit größeren Lufteinlässen beispielsweise; oder einen Kühlergrill in Klavierlack sowie eine Heckschürze und doppelte verchromte Auspuffrohre aus Edelstahl. Das wirkt in Verbindung mit serienmäßigen 17-Zöllern nicht aufdringlich, sondern harmonisch und eher elegant als sportlich.

Diese beiden Attribute verdient sich auch der Innenraum. Die vier Sitzplätze lassen Erwachsene auch im Fond kommod reisen. In puncto Sportlichkeit könnten die vorderen Sitze deutlicher ausgeformte Seitenwangen vertragen und eine etwas längere Sitzfläche. An Einstellungsmöglichkeiten für eine optimale Sitzposition für Piloten bis über die 1,9 Meter hinaus mangelt es nicht. Die zentrale Instrumenteneinheit liegt gut im Blickfeld des Fahrers. Skaliert in modischem Blau, mangelt es nicht an Ablesbarkeit.

Die vier Drehschalter in der Mittelkonsole gruppieren sich um ein zentrales Tastenfeld, das auf den ersten Blick aufgeräumt erscheint, aber dennoch die Bedienung nicht erleichtert. Das ändert jedoch nichts am hochwertigen Gesamteindruck des Ambientes. Sowohl, was die Qualität der verbauten Materialien anbelangt, als auch die Verarbeitungsqualität, die sich ohne Wenn und Aber das Prädikat "Premium" verdient.

Nach hinten glänzt der flotte Volvo mit klassenüblicher Unübersichtlichkeit, die Parkpiepser und Rückfahrkamera leidlich kompensieren können. Unter der vorderen Haube sitzt ein aufgeladener Fünfzylinder mit 2,5 Litern Hubraum. Der Benzindirekteinspritzer dreht wunderbar leicht, zieht kräftig an, erfreut mit sonorem, aber nie aufdringlichem Sound und bringt die 1,5-Tonnen-Fuhre in jeder Situation souverän in Fahrt.

Besonders erstaunlich ist das Traktionsvermögen des Fronttrieblers. Die Fahrdynamikregelung, in der Sprache von Volvo "DSCT" genannt, schafft es, dass der potente V40 ohne Schlupf und durchdrehende Räder hoch beschleunigt. Auch Nässe bringt die Elektronik nicht in Verlegenheit. Ein automatisches Sechsganggetriebe verwaltet die Leistung mustergültig und dezent. Auch bei beherztem Gaseinsatz verfällt der Schaltautomat nicht in Hektik. Das sportlich ausgelegte Fahrwerk spart sich kompromisslose Härten, Querfugen zeigen aber seine Grenzen auf. Dafür gibt sich die präzise Lenkung auch bei engagierter Passfahrt ohne Fehl und Tadel.

Eine Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 in 6,1 Sekunden ist eine legitime Eintrittskarte in die Liga der sportlichen Gentlemen, und die 250 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit sowieso. Ein Volvo V40 im Kleide des R-Design verfolgt sicher nicht den Mainstream-Gedanken in der Kompaktklasse. Dazu ist er zu individuell und letztendlich auch zu teuer. 35 580 Euro Grundpreis für das Top-Modell sind für eine Limousine der Kompaktklasse schon ein echtes Männerwort.

Sind alle optionalen Schmankerl an Bord, reißt der V40 T5 R-Design lässig die Marke von 50 000 Euro. Volvo ist jedoch das Kunststück gelungen, seine R-Design-Modelle vernünftig und alltagstauglich genug zu gestalten, dass der hohe Preis mit einem praktischen Gegenwert und hohem Lustfaktor auf die eine oder andere Weise gerechtfertigt werden darf.

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