Mercedes Benz A 250: Grundlegender Imagewandel

Die neue Mercedes A-Klasse hat mit dem Vorgänger nichts mehr zu tun. Fahrbericht über den A 250 Sport.Fans der alten Mercedes A-Klasse rümpfen beim Anblick der aktuellen Variante verschnupft die Nase.
Die deutliche Veränderung der Karosserie in Richtung 1er BMW, Audi A3 und VW Golf steht der neuen A-Klasse gut zu Gesicht.  FOTO: HERSTELLER
Die deutliche Veränderung der Karosserie in Richtung 1er BMW, Audi A3 und VW Golf steht der neuen A-Klasse gut zu Gesicht. FOTO: HERSTELLER

Die hat mit dem Vorgängermodell des Stuttgarter Kompakt-Wagens außer dem Namen nichts mehr gemein. Flach statt hochbeinig, sportlich schick statt bieder verchromt, straff gefedert statt komfortabel weich stellt sich das derzeitige Spitzenmodell A 250 Sport dar, dessen Optik von AMG-Anbauteilen bestimmt wird. Mit einer Leistung von 155 kW/211 PS sind sportliche Fahrleistungen garantiert. Und während der Einstiegspreis für den A 180 BlueEfficiency mit 90 kW/122 PS 23 978 Euro beträgt, müssen die Kunden für den A 250 Sport mindestens 36 860 Euro auf dem Konto haben. Am Beispiel des A 250 Sport lässt sich der Wandel der neuen A-Klasse aber am besten darstellen.

Beim A 250 Sport mit seinem 155 kW/211 PS starken Turbovierzylinder sorgen ein großer Frontspoiler, Seitenschweller und eine markante Heckschürze von AMG für ein mehr als sportliches Auftreten. Um den Innenraum zu entern, müssen die Insassen jetzt nicht mehr in die Höhe steigen, sie können sich einfach wie bei VW Golf, Audi A3 und BMW 1er in die Sitze fallen lassen, zumindest vorne. Hinten heißt es trotz der vier Türen den Kopf beim Einsteigen einziehen. Schuld daran ist das abfallende Dach.

Auch das Raumangebot in der hinteren Reihe ist nicht gerade üppig bemessen. Als Passagier fühlt man sich hier ein wenig eingeengt, und die tiefe Sitzposition sowie die schmalen Scheiben unterstützen diesen Eindruck noch. Anders auf den vorderen Sportsitzen mit integrierter Kopfstütze. Es kommt dank der tiefen Sitzposition sogar fast ein echtes Sportwagengefühl auf. Die Jungdynamiker kommen hier voll auf ihre Kosten. Bedienelemente und Anzeigen sind übersichtlich plaziert und gut ablesbar.

Eine gute Verarbeitung und typisches Mercedes-Flair, allerdings mit sportlichem Touch, prägen ansonsten den Innenraum des A 250 Sport. In der von uns gefahrenen Version ohne jeglicher Extra-Ausstattung fällt auf, dass niemand auf die akustische Einparkhilfe am Heck verzichten sollte. Denn durch die breite C-Säule ist die A-Klasse doch recht unübersichtlich.

Die sportliche Note des Fronttrieblers setzt sich auch im Fahrbetrieb fort. Der mittels Turbolader befeuerte Vierzylinder mit 2,0-Litern Hubraum setzt Gaspedal-Befehle des Fahrers unvermittelt in Vortrieb um. Willig und temperamentvoll nimmt der A 250 Sport Fahrt auf, immer untermalt von einem deutlich vernehmbaren Blubbern aus den beiden Auspuffendrohren am Fahrzeugheck. Bei voller Kraftentfaltung meistert der Stuttgarter den Spurt von Null auf 100 km/h in 6,6 Sekunden und beschleunigt munter bis zur Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h weiter.

Geschaltet wird mittels eines Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes. Entweder übernimmt das Getriebe selbständig die Schaltarbeit, oder der Fahrer schaltet über zwei Wippen am Lenkrad manuell. Im Gegensatz zum Motor kann das Getriebe nicht gänzlich überzeugen. Teilweise legt es die Gänge wirklich sanftmütig ein, teilweise aber recht ruppig. Wer die Fuhre unter Last hält, darf sich aber über ein zügig und gut schaltendes Getriebe freuen. Trotzdem hätte der Mercedes-Kunde vom Getriebe her etwas mehr erwarten können. Ein Blick zu VW zeigt, wie es besser geht.

Dafür zeigt die Lenkung deutliche Fortschritte. Sie arbeitet direkt und präzise, vermittelt dem Piloten immer einen guten Kontakt zur Straße und verleitet auf kurvigem Geläuf zu einer sportlich ambitionierten Fahrweise. Das ist es schließlich, was Mercedes mit dem A 250 Sport seinen Kunden vermitteln will. Unterstützung findet die Lenkung bei ihren Richtungswechseln in einem sportlich ausgelegten Fahrwerk. Die von AMG entwickelte straffe Abstimmung sorgt dafür, dass die Vorderachse zuverlässig die Spur hält, die Karosserie abstützt und kaum Antriebseinflüsse zulässt. Die Ballance des Stuttgarters ist einfach perfekt.

Auf das ESP, das durch den missglückten "Elchtest" mit dem Vorgängermodell eingeführt wurde, könnten die Techniker bei der neuen A-Klasse getrost verzichten, so sicher zieht der Schwabe seine Spur. Für die komfortorientierten alten A-Klasse-Kunden wird dieses Fahrwerk, das niemanden über den Straßenzustand im Unklaren lässt, wohl doch zu straff sein. Aber da gibt es ja auch noch eine softere Abstimmung. Wer den starken Kompakt-Benz dynamisch und zügig bewegt, muss trotzdem keine großen Ängste vor dem Stopp an der Zapfsäule haben. Mit 7,8 Litern Super pro 100 Kilometer zählt er zwar nicht zu den Kostverächtern, auf Grund der gebotenen Fahrleistungen ist der Konsum aber durchaus als akzeptabel zu bezeichnen.

Mit dem A 250 Sport zeigt Mercedes auf beeindruckende Art und Weise, wie sich die Stuttgarter den Imagewandel eines Fahrzeugs vorstellen. Natürlich gibt es hier noch Feinarbeit zu verrichten, die angestrebte jung-dynamische Kundschaft treffen die Stuttgarter mit der neuen A-Klasse aber ganz genau. Und für denjenigen, dem der A 250 Sport noch nicht reicht, wird Mercedes im nächsten Jahr eine AMG-Version präsentieren, die über 257 kW/350 PS und Allradantrieb verfügt. Hierbei lässt sich dann sogar das ESP deaktivieren. Und wer an der alten A-Klasse hängt, muss jetzt halt auf die B-Klasse umsteigen. mid

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