Fahrbericht

VW T-Cross im Test: Pepp statt Polo

01.05.2019 Berlin. Während die Konkurrenz kleine Geländewagen schon am Start hat, kommt VW mit dem T-Cross erst jetzt. Aber das Warten hat sich gelohnt und das bunte Bonsai-SUV auf Basis des Polo dürfte manchem Produktmanager Kopfschmerzen bereiten - auch im eigenen Haus.

Sie sind klein, aber sie haben großen Erfolg. Denn so widersprüchlich sie auch sein mögen, entwickelt sich kaum ein Fahrzeugsegment derzeit so gut wie das der kleinen Geländewagen für die Stadt. Das haben sie jetzt endlich auch bei VW begriffen und bringen deshalb den T-Cross an den Start.

Eng verwandt mit dem braven Polo und mindestens 17.975 Euro teuer, tritt er ab dem 4. Mai gegen Konkurrenten wie den Renault Capture oder den Kia Stonic an.

Kleinwagen auf großem Fuß

Wo der Polo ein grundsolider, aber braver und ein bisschen langweiliger Kleinwagen ist, will der T-Cross eine peppige Alternative für die Lifestyle-Gesellschaft sein und macht auf Geländewagen.

Er hat an der bulligen Front einen stolzen Grill im Stil des neuen Touareg, die Radläufe sind stärker betont und natürlich gibt es mehr Bodenfreiheit. Dazu spendieren ihm die Designer eine markante Heckpartie mit durchgehender Rückleuchte und jede Menge frische Farbe. So sind bunte Felgen und Kontrastlackierungen im Angebot.

Passend für die Lücke zwischen Polo und T-Roc

Mit den flexiblen Möglichkeiten ihres Baukasten-Systems haben die Niedersachsen dabei ein geschicktes Maßkonzept gewählt: Denn mit einer Länge von 4,11 Metern passt der T-Cross genau zwischen den sechs Zentimeter kürzeren Polo und den zwölf Zentimeter längeren T-Roc.

Das Wachstum gegenüber dem Polo spürt man vor allem innen: Man sitzt nicht nur höher, kann deshalb bequemer ein- und aussteigen und hat den besseren Überblick. Sondern es gibt schlicht auch mehr Platz auf allen Plätzen und einen größeren Kofferraum.

Peppig und praktisch

Obwohl der T-Cross viel Pepp bieten will, gibt er sich auch als Praktiker und VW spendiert ihm dafür eine Reihe hilfreicher Extras. So lässt sich für eine lange Ladung die Lehne des Beifahrersitzes umklappen und die Rückbank kann man serienmäßig um 14 Zentimeter verschieben.

Dann hat man entweder im Fond mehr Beinfreiheit als im Golf oder einen Kofferraum, der die Kleinwagenklasse sprengt. Schließlich lässt er sich auf diese Weise von 385 auf 455 Liter erweitern, bevor man ihn mit umgeklappter Rückbank auf 1281 Liter bringt.

Innen digital und intelligent

Während es beim Aufbau also gravierende Unterschiede zum Polo gibt, sind sich die beiden Geschwister bei Ausstattung und Antrieb deutlich näher: Man sitzt auch im T-Cross vor einem aufgeräumten Cockpit, in dem auf Wunsch digitale Instrumente flimmern und ein großer Touchscreen prangt. Und wie der Polo bietet das kleine SUV serienmäßige Hilfe bei Spurführung und Spurwechsel sowie gegen Aufpreis unter anderem eine automatische Abstandsregelung.

Motoren bis 150 PS

Die Motoren sind ebenfalls alte Bekannte: Der T-Cross startet mit einem 1,0-Liter-Dreizylinder, der wahlweise mit 70 kW/95 PS oder 85 kW/115 PS angeboten wird. Außerdem gibt es einen Diesel mit 1,6 Litern und 70 kW/95 PS. Später folgt noch ein Vierzylinder-Benziner mit 1,5 Litern Hubraum und 110 kW/150 PS.

Was dem T-Cross fehlt, sind der optionale Allradantrieb, den zwar in dieser Klasse kaum jemand kauft, der ihn aber zu einem glaubwürdigen Geländewagen machen würde, sowie ein alternativer Antrieb. Eine Hybridisierung oder gar ein E-Motor würden gut in die Zeit passen. Aber nicht ins Budget, entschuldigt sich VW: Das wäre für diese Klasse schlicht zu teuer. Doch erstens brauchen die beiden Dreizylinder aus der Startaufstellung nur 4,9 Liter Benzin und kommen auf einen CO2-Ausstoß zwischen 111 und 115 g/km. Und zweitens ist immerhin eine Erdgas-Variante denkbar.

Brav und erwachsen

Woran es auch ein wenig mangelt, das ist der Fahrspaß. Denn so frisch und frech der T-Cross neben dem Polo auch wirken mag, so ähnlich fühlt er sich hinter dem Lenkrad an: solide, komfortabel und für dieses Format überraschend erwachsen, aber leider auch ziemlich brav und angepasst.

Im Bemühen, es allen recht zu machen, ist der T-Cross hinter dem Lenker doch wieder zum Langweiler geworden. Dabei mangelt es ihm eher am Engagement als am Elan, denn auf dem Papier sind die Fahrleistungen mehr als in Ordnung: Schließlich kommt der stärkere Dreizylinder in 10,2 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und erreicht bis zu 193 km/h.

Fazit: Der bessere Polo

Er ist bunter und sieht besser aus, er bietet mehr Platz und mehr Praktikabilität, und er ist bei Ausstattung und Antrieb auf dem gleichen Stand. So wird der T-Cross zum deutlich besseren Polo und ist die nicht einmal 1000 Euro Aufpreis allemal wert. Deshalb wird der Nachzügler aus Wolfsburg wohl nicht nur der Konkurrenz ordentlich Kopfschmerzen bereiten, sondern auch kräftig am Stuhl seines braven Bruders sägen.

Datenblatt: VW T-Cross TSI

Motor und Antrieb: Dreizylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Hubraum: 999 ccm
Max. Leistung: 85 kW/115 PS bei k.A. U/min
Max. Drehmoment: 200 Nm bei 2000 - 3500 U/min
Antrieb: Frontradantrieb
Getriebe: 7 Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Maße und Gewichte
Länge: 4108 mm
Breite: 1974 mm
Höhe: 1584 mm
Radstand: 2551 mm
Leergewicht: 1270 kg
Zuladung: 555 kg
Kofferraumvolumen: 385-1281 Liter
Fahrdaten
Höchstgeschwindigkeit: 193 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 10,2 s
Durchschnittsverbrauch: 4,9 Liter/100 km
Reichweite: 820 km
CO2-Emission: 111 g/km
Kraftstoff: Super
Schadstoffklasse: Eu6D temp
Energieeffizienzklasse: B
Kosten
Basispreis des VW T-Cross (95 PS): 17 975 Euro
Grundpreis des VW T-Cross (115 PS) DSG: 20 900 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: 52 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung
Sicherheit: Sechs Airbags, Totwinkel- und Spurhalte-Assistent, Notbremsassistent
Komfort: Zentralverrieglung, verschiebbare Rückbank, Geschwindigkeitsbegrenzer
Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke (dpa)