Elektromobilität

In deutschen Großstädten gibt es kaum Ladesäulen

Stecker zum Laden eines Elektroautos.

Stecker zum Laden eines Elektroautos.

Bonn. Der Marktanteil der E-Autos in Deutschland ist mickrig, das Netz an Stromtankstellen dünn. In Bonn teilen sich 21.987 Einwohner eine Ladesäule

Eine deutsche Zwischenbilanz zur Elektromobilität fällt ernüchternd aus. Zwar steigt die Zahl der neu zugelassenen Elektrofahrzeuge kräftig, allerdings ist der Marktanteil der Stromer am gesamten Neuwagenmarkt mickrig. In Zahlen ausgedrückt: In den ersten acht Monaten des Jahres wurden hierzulande mehr als 14.000 E-Autos neu zugelassen, aber reine Stromer machen nicht einmal ein Prozent am gesamten Fahrzeugbestand aus.

Allen Zulassungszahlen zum Trotz beschwört die Bundesregierung ihre Vision von einer Million E-Autos auf deutschen Straßen: "Die Bundesregierung hält an dem Kernanliegen des 2020-Ziels fest und will möglichst viele Elektroautos auf die Straße bringen. Industrie und Bundesregierung müssen ihre Anstrengungen fortsetzen und gegebenenfalls anpassen, um hier erfolgreich zu sein", schreibt Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, als Antwort auf eine eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen.

Die Bundesregierung habe mit ihrer Unterstützung der Forschungsförderung (jährlich zirka 220 Millionen Euro), gesetzlichen Anpassungen (Ladesäulenverordnung, Elektromobilitätsgesetz) und dem Marktanreizpaket (Umweltbonus, Ladeinfrastruktur, steuerliche Anreize) die Weichen gestellt, schreibt Machnig weiter. Insbesondere der Aufbau der Ladeinfrastruktur bleibe wichtig, um die Reichweitenangst zu nehmen.

"Die deutschen Großstädte sind mangelhaft auf Elektromobilität vorbereitet", sagt jedoch Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Car-Instituts der Universität Duisburg-Essen. "Elektroautos entfalten in Großstädten ihre größte Wirkung: Leise und lokal-emissionslos macht in Zeiten, in denen Fahrverbote für Diesel-Pkw diskutiert werden, viel Sinn", so Dudenhöffer.

Besonders in Großstädten seien Besitzer von Elektroautos aber auf öffentliche Ladesäulen angewiesen. Ein Blick auf Straßen, Plätze und Parkhäuser allerdings entpuppt sich für den deutschen E-Auto-Fahrer als nerven- und zeitraubende Suche nach dem begehrten öffentlichen Stromanschluss. Dudenhöffer: "Auf 22,4 Millionen Einwohner kommen 1897 Ladesäulen. Anders ausgedrückt: 11.802 Einwohner stehen bildlich gesprochen Schlange an einer Ladesäule."

Besonders gut kommen Elektroautobesitzer in Stuttgart weg. Hier teilen sich laut Car-Center 2694 Einwohner eine öffentliche Stromtankstelle. Besonders schlecht (Platz 49 der 50 größten deutschen Städte) kommt Leverkusen weg. In der Chemiemetropole müssen sich 46 711 Einwohner eine Säule teilen. Auf Rang 35 landet Köln (20.796 Einwohner je Ladesäule). Zwei Plätze dahinter rangiert Bonn (21.987 Einwohner je Ladesäule). Zum Vergleich: In Oslo steht laut Car-Center im Durchschnitt 488 Einwohnern eine Ladesäule zur Verfügung, Amsterdam stellt 650 Einwohnern jeweils eine öffentliche Ladesäule zu Verfügung.

Doch nicht allein die dürftige Ladeinfrastruktur steht einem E-Auto-Boom im Weg. Unklar ist zudem, ob das Stromleitungsnetz überhaupt für die zusätzliche Kapazität ausgelegt ist. Und: Für E-Autos braucht es Batterien. Doch deren Fertigung ist lohn-, rohstoff- und vor allem energieintensiv.

Während die EU-Autobauer mit dem Bau eigener Produktionsstätten zögern, sind die Amerikaner und Asiaten einen Schritt weiter. Zurzeit werden drei von vier E-Fahrzeug-Batterien in China hergestellt. Im US-Bundesstaat Nevada entsteht eine riesige Batteriefabrik von Tesla. Als europäischer Gegenpol soll in einigen Jahren Europas größtes Batteriewerk in Schweden in Betrieb gehen.

Schätzungen zufolge sollen in gut fünf Jahren weltweit rund 130 verschiedene E-Modelle in den Autohäusern stehen. Unter den zehn beliebtesten E-Autos der Deutschen rangieren neben den zwei US-amerikanischen Tesla-Modellen S und X der französische Renault Zoe, der japanische Nissan Leaf und der koreanische Kia Soul.

Doch auch deutsche Hersteller haben die Handbremse gelöst: Das wohl bekannteste E-Auto aus deutscher Produktion ist der seit 2013 hergestellte BMW i3. Volkswagen, das ab 2025 Weltmarktführer bei der Elektromobilität sein will, hat den Kleinstwagen e-up und den Elektro-Golf im Angebot, Daimler bietet die Elektro-B-Klasse, Opel schickt den Ampera ins Rennen, Smart den fortwo electric drive.

Eines der Länder mit der weltweit höchsten Quote an E-Autos ist Norwegen. Dort sollen ab 2025 keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden. Schon jetzt werden in Norwegen mehr Autos mit Elektro- und Hybridantrieb als Diesel und Benziner neu zugelassen.