Buchvorstellung in der Buchhandlung Böttger

Ein Tanz zur Musik der Zeit

Anthony Powell, undatiert mit Haustiger.

Anthony Powell, undatiert mit Haustiger.

Ein Abend für Anthony Powell und sein zwölfbändiges Epochendrama „Ein Tanz zur Musik der Zeit“ wird in der Buchhandlung Böttger zum Vergnügen.

Es fängt schon an mit der korrekten Aussprache seines Namens, den übrigens 98 von 100 Deutschen noch nie gehört haben: Anthony Powell. Und jene zwei, die wissend übrig bleiben, sprechen seinen Namen aus wie towel, das Handtuch. Tatsächlich klingt jener Familienname aus dem Munde eines kultivierten Anglophilen wie Nordpol, also pole. Der Übersetzer Heinz Feldmann ist so ein kultivierter anglophiler Mensch, und er ist derjenige Deutsche mit der höchsten Qualifizierung, um in Alfred Böttgers Buchhandlung einen Anthony-Powell-Abend zu gestalten.

Im Gespräch mit dem Bonner Verleger Stefan Weidle, selbst ein renommierter Übersetzer aus dem Englischen ins Deutsche, stellt Feldmann sowohl das Leben des Anthony Powell (1905-2000) als auch dessen Opus Magnum vor, das zwölfbändige Epochendrama „Ein Tanz zur Musik der Zeit“ (A Dance To The Music Of Time), welches in den Jahren 1951 bis 1975 in Großbritannien seine Erstauflagen erlebte. Inspiriert von dem gleichnamigen Gemälde des französischen Barockmalers Nicolas Poussin zeichnet der Romanzyklus ein facettenreiches Bild der englischen Oberschicht vom Ende des Ersten Weltkrieges bis in die späten 1960er Jahre. In dem Ich-Erzähler Nick Jenkins mit seinem Understatement, Standesdünkel und britischen Humor ist unzweifelhaft Powell selbst zu erkennen, was durch einige biografische Parallelen unterstützt wird. Schule in Eton, Studium in Oxford. Powell arbeitete später als Lektor, als Literaturkritiker für den „Daily Telegraph“ und als Redaktionsleiter beim Satiremagazin „Punch“. Außerdem verfasste er in England Drehbücher für Warner Brothers. Die Verkaufszahlen seines Mammutwerkes hielten sich auch auf der Insel in Grenzen: „Dafür ist sein Stil zu komplex und seine Sprache zu kompliziert“, sagt Feldmann bei Böttger.

In Deutschland versuchte sich der Ehrenwirth Verlag mit dem zwölfbändigen Romanzyklus Powells – und stoppte das Projekt nach drei Bänden. „Sie verkauften sich schlecht“, so Feldmann. „Der Verlag machte keine Reklame, Powell war selbst unter Anglisten nahezu unbekannt, und die von ihm beschriebenen Gesellschaftskreise waren zu der Zeit nicht en vogue.“

Nun hat der Berliner Elfenbein Verlag die Veröffentlichung des kompletten Zyklus in die Wege geleitet und startet mit den Bänden eins bis vier. Sie basiert auf den von Feldmann in den 1980er Jahren angefertigten Übersetzungen. Bis Herbst 2019 sollen alle zwölf Bände vorliegen, alle aus der Feder des Übersetzers Feldmann (Jahrgang 1935). Über ihn notierte Powell nach zwei intensiven Begegnungen in seinem Tagebuch: „I am lucky to have him as a translator.“