Bayern-Lob für Frankfurt - Veh: Spitzenspiel verdient

Frankfurt.  Eintracht Frankfurt tritt am Samstag als Tabellendritter zum Topspiel bei Spitzenreiter Bayern München an. Als Bayern-Jäger fühlen sich die Hessen deswegen aber nicht. Trainer Veh sieht die 90 Minuten eher als gute Gelegenheit, sich vom Rekordmeister etwas abzuschauen.
Frankfurts Trainer Armin Veh schaut mit Respekt auf Gegner FC Bayern München. Foto: Jan-Philipp Strobel
								Foto: DPA
Frankfurts Trainer Armin Veh schaut mit Respekt auf Gegner FC Bayern München. Foto: Jan-Philipp Strobel Foto: DPA

Armin Veh ist ein positiv denkender Mensch. Doch vor dem Topspiel des elften Bundesliga-Spieltages beim übermächtigen Branchenprimus Bayern München beschleicht den Trainer des forschen Aufsteigers Eintracht Frankfurt das mulmige Gefühl, dass diese Reifeprüfung für seine junge Mannschaft zu früh kommt. Die Eintracht als Bayern-Jäger? Keine Spur. "Nur Fantasten glauben doch, dass man nach München fährt und die mal schnell weg haut. Nur Klugscheißer sagen, es sei doch in einem Spiel alles möglich", erklärte Veh vor dem Gastspiel des Tabellendritten beim Spitzenreiter an diesem Samstag.

Der 51 Jahre alte Fußball-Lehrer sieht den Rekordmeister in einer ganz anderen Liga als den Aufsteiger. "Es gibt eigentlich keinen Vergleich zwischen Bayern München und Eintracht Frankfurt", sagte Veh ungeachtet der überraschenden Tabellenkonstellation. Schon vorab klein beigeben mag er trotz der klar verteilten Rollen aber nicht: "Wir haben 20 Punkte. Ende. Aus. Die haben wir nicht zufällig geholt, sondern weil wir guten Fußball gespielt haben. Deshalb haben wir es uns verdient, dass es ein Spitzenspiel ist."

Das ist auch den vorne weg marschierenden Bayern nicht verborgen geblieben. "Riesenkompliment. Was sie bislang als Aufsteiger gemacht haben, ist super und verdient Lob", sagte Mittelfeldstar Arjen Robben über die frisch, fröhlich, frei aufspielende Eintracht. Auch Trainer Jupp Heynckes zollte den Hessen großen Respekt. "Die Eintracht ist die Überraschungsmannschaft der Liga, sie hat den Aufstiegsschwung mitgenommen", lobte er, während Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge von einer "wunderbaren, erstklassigen" Frankfurter Saison sprach.

Als Konkurrenten im Kampf um die Meisterschaft sehen die Bayern den Bundesliga-Rückkehrer allerdings nicht an. Da geht der Blick eher nach Dortmund und Schalke. "Die werden uns die ganze Saison über schön beschäftigen. Wir sind gut beraten, die nicht auf die leichte Schulter zu nehmen", warnte Präsident Uli Hoeneß. Ein Sieg am Samstag sei daher Pflicht: "Wir müssen schauen, dass wir Eintracht Frankfurt auf zehn Punkte Distanz halten. Dann hoffe ich, dass wir uns nur noch mit Schalke und Dortmund beschäftigen müssen."

Vom überschwänglichen öffentlichen Lob wollen sich die Bayern trotz des 6:1-Sieges am Mittwoch in der Champions League gegen Lille aber nicht blenden lassen. "Das ist eine Momentaufnahme. Bei uns kommt keine Euphorie auf, ganz im Gegenteil", meinte Heynckes.

Trotz der herausragenden Leistung gelte es, weiter "besonnen und moderat" aufzutreten. "Die Zuschauer können mehr genießen als wir. Die Arbeit ist noch nicht getan", betonte Heynckes, der auf Holger Badstuber (Muskelfasserriss) und Mario Gomez (Aufbautraining) verzichten muss. Kleine Fragezeichen stehen hinter den angeschlagenen Mario Mandzukic (Bronchitis) und Luiz Gustavo (muskuläre Probleme).

Den Anspruch, dauerhaft auf dem Top-Niveau der Bayern mithalten zu wollen, hat Veh noch nicht. Für seine Jungs, wie er die Spieler gerne nennt, sei es daher ein besonderes Spiel. "Es ist wichtig, dass sie sich mit den Besten messen können. Da kann man viel lernen und sehen, was noch fehlt und besser gemacht werden muss. Man kann aber auch sehen, wo man schon mithalten kann", erklärte der Eintracht-Coach.

Veh, der als Trainer noch nie in der Allianz Arena gewinnen konnte ("Man kann schon von einer Allergie sprechen"), stuft die 90 Minuten nicht als Spiel des Jahres ein. Gegen eine Überraschung wie 2007, als die Hessen beim 0:0 dank des überragenden Torwarts Oka Nikolov einen Punkt entführten, hätte die Eintracht jedoch nichts einzuwenden. Sportdirektor Bruno Hübner gab die entsprechende Marschroute vor: "Ein Sieg ist sehr unrealistisch. Selbst einen Punkt mitzunehmen, wird unheimlich schwer. Wir werden uns aber nicht ergeben."

Abo-Bestellung