Kolumne "EM-Stichtag"

Spanien holt DFB-Team ein

Familienfoto auf dem Rasen: Spaniens Nationalspieler feiern nach dem Sieg gegen Italien mit Pokal, Kindern und Ehefrauen, hier Fernando Torres.

Familienfoto auf dem Rasen: Spaniens Nationalspieler feiern nach dem Sieg gegen Italien mit Pokal, Kindern und Ehefrauen, hier Fernando Torres.

Bonn. Am 1. Juli 2012 gewinnt die spanische Nationalmannschaft ihren dritten Titel. Im Finale der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine nimmt das Team um Kapitän Iker Casillas Italien mit 4:0 auseinander.

Drei Jahrzehnte – von 1980 bis 2012 – ist die deutsche Nationalmannschaft alleiniger Rekordeuropameister gewesen. Am 1. Juli 2012 holt die spanische Auswahl mit ihrem dritten Titel das DFB-Team ein. Ein Sieg, der verdienter nicht hätte sein können und das Triple aus EM-Sieg, WM-Triumph und nochmaligem EM-Erfolg in drei Turnieren hintereinander perfekt macht. Gerade im Finale zeigt das Team von Vicente del Bosque die Qualität eines Champions.

„All das, was zuvor bei dieser EM noch als so langweilig, dröge und uneffektiv kritisiert worden war, funktionierte auf einmal wieder prächtig und ansehnlich: Xavi, Andres Iniesta, David Silva und Cesc Fabregas schoben sich gekonnt den Ball zu, um im richtigen Augenblick den Pass in die Tiefe zu spielen“, heißt es im „Sport-Bild-EM-Buch“. So kommen alle Tore zum 4:0 über Italien zustande. Nach dem Abpfiff in Kiew feiern die Spanier nicht etwa mit Alkohol, wilden Tänzen oder Jubelarien. Nein, sie holen ihre Frauen und Kinder aufs Feld, zeigen ihnen die Tore, machen Fotos mit dem Pokal und freuen sich eher leise.

Den ersten Titel 1964 feierten die Spanier noch viel lauter, gemeinsam mit rund 130 000 Zuschauern im heimischen Estadio Santiago Bernabeu. Im Finale des damals noch Europapokal der Nationen genannten Wettbewerbs ging es gegen Titelverteidiger Sowjetunion. Beobachter sahen „ein höchst interessantes Spiel in seinen Kontrasten zwischen spanischem Individualismus und russischem Kollektivismus, Heiß- und Kaltblütigkeit sowie Improvisation und Organisation“, wie es im Buch „Europapokal 1964“ hieß. Entschieden wurde das Spiel durch einen Flugkopfball von Marcelino Martinez (84.) zum 2:1. Der sowjetische Trainer Konstantin Beskow meinte danach: „Spaniens Fußball ist schneller, origineller und phantasievoll.“ Nach dem Finale 2012 hätte Italiens Trainer Cesare Prandelli die gleichen Worte sagen können.

In der Serie EM-Stichtag erinnern wir täglich an markante Momente in der Geschichte der Fußball-Europameisterschaften.