Baskets trauern um Bruno Socé

"Wir haben Wunder gemacht"

BONN. Er ist der Vater des Bonner Bundesliga-Basketballs und hat die frühe Geschichte der Telekom Baskets Bonn entscheidend geprägt: Bruno Socé. Am Mittwoch ist der Trainer im Alter von 68 Jahren gestorben. Er erlag in München einem langen Krebsleiden.

"Basketball ist kein Spaß, sondern harte Arbeit." Mit dieser Philosophie führte der Kroate die Baskets 1995 in die erste Bundesliga und ein Jahr später als erster Aufsteiger sensationell zur Vizemeisterschaft. Es war die Zeit von Spielern wie Eric Taylor, Klaus Perwas oder Gunther Behnke. Es war auch die Zeit von Arvid Kramer, der Socé als spielender Sport-Manager zur Seite stand. Hier der Amerikaner, des Deutschen nicht ganz so mächtig, dort der Kroate, des Deutschen ebenfalls nicht so mächtig, dazwischen der Verein um Baskets-Präsident Hans Braun und Bundesliga-Abteilungsleiter Wolfgang Wiedlich - eine verrückte Konstellation, aber auch eine erfolgreiche.

Es trafen "kroatische (Socé) und amerikanische (Kramer) Überzeugungen aufeinander, und die deutsche Mentalität wirkte als Vermittler", schreiben die Telekom Baskets in ihrem Nachruf. Im Miteinander ging es nicht immer harmonisch zu. "Unterschiedlichste Kulturen arbeiteten für ein großes Ziel, den Erstliga-Aufstieg, zusammen, rieben sich dabei kräftig und waren für das große Ganze (Baskets) außerordentlich produktiv", heißt es weiter.

Socé war im sprichwörtlichen Sinne ein harter Hund. Wenn es um Basketball ging, kannte er keine Kompromisse. Er verlangte seinen Profis alles ab: Disziplin, höchste Einsatz- und vor allem - Laufbereitschaft. "Ich hatte bis dahin noch nie in einer Saison zwei Paar Laufschuhe verschlissen, wohlgemerkt, keine Basketballschuhe", berichtet Ex-Baskets-Center Oliver Braun, der 1999 nach Bonn kam. Gunther Behnke erinnert sich: "Wir hatten zweimal verloren, da holte sich Bruno Rat bei Berlins Konditionstrainer Karalejic. Der hat gesagt: mehr laufen. Wir verloren erneut. Also, noch mehr laufen. Dann haben wir gewonnen, und wir dachten, dass wir weniger laufen müssten. Doch da wir Erfolg hatten, hat Bruno gesagt: weiterlaufen." Hinter der harten Schale verbarg sich jedoch ein sympathischer, liebenswerter Mann, der stets ein offenes Ohr für seine Mitmenschen hatte.

Socé war in seiner Art unnachahmlich, wenn auch nicht immer zu verstehen. Vor allem, wenn er in Rage war und sich mal wieder die Jacke vom Leib gerissen hatte, stellte er die Spieler mit seinem Kauderwelsch aus Kroatisch, Englisch und Deutsch vor Rätsel. Es kam vor, dass er in einer Auszeit einen Spielzug vorgab, ihn jedoch keiner verstanden hatte.

Socés Schinderei diente einem speziellen Zweck: Sie machte eine unerbittliche, den Gegner zermürbende Verteidigung möglich, die das Image des Clubs bis heute prägt. Nicht zuletzt der Fanclub nannte sich deshalb "Die Fans - Defense". Auf diese Weise holten die Baskets 1999 eine weitere Vizemeisterschaft und schrammten nur knapp am Titel vorbei: 2:3 in der Finalserie gegen Berlin. 2000/2001 führte Socé die Bonner in seiner letzten Saison nochmals ins Finale, ehe er vom Assistenten Predrag Krunic abgelöst wurde.

Die letzten Monate seines Lebens verbrachte Socé in München, wo sich sein bester Freund, Bayern-Coach Svetislav Pesic - er empfahl Socé 1995 nach Bonn -, und dessen Familie um ihn kümmerten. Er war regelmäßig Gast im Audi Dome, um sich die Spiele der Bayern anzusehen. Am Freitag sagte Pesic eine Pressekonferenz bei den Bayern ab.

In Bonn wird man Bruno Socé nicht vergessen. Nach der Saison 98/99, als die Baskets wegen eines grassierenden Pfeifferschen Drüsenfiebers verspätet in die Saison gestartet waren und dann zur Vizemeisterschaft durchstarteten, sagte er einen Satz, der heute im Telekom Dome den Business-Club schmückt: "Wir haben Wunder gemacht." Die Weggefährten und Fans der ersten Stunde werden dem nicht widersprechen.

Reaktionen zum Tode von Bruno Socé

Arvid Kramer (Ex-Sportmanager): "Die Nachricht von Brunos Tod hat mich tief betroffen gemacht. Er war damals sehr gut für uns, auch wenn er bei uns mit seinem Stil viel Kopfzerbrechen und graue Haare verursachte. Man kann sagen: Bruno Socé war der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt für die Baskets."

Andreas Boettcher (Kramers Nachfolger): "Manche sagen, er hätte auch Langlauf-Trainer werden können. Egal. Er gab uns all das, was wir damals vom Basketball nicht wussten. Er war wie ein Lehrer. Den liebt man, manchmal verflucht man ihn. Aber man respektiert ihn immer. Danke dafür."

Predrag Krunic (Ex-Baskets-Trainer und Assistent Socés): "Das ist sehr traurig für Brunos ganze Familie und auch für den Basketball. Es ist ein Schock für alle. Bruno war ein toller Mensch, dem ich viel zu verdanken habe."

Oliver Braun (Ex-Baskets-Spieler): "Bruno war legendär. Er hatte eine ganz eigene Art, die gewöhnungsbedürftig war, und die ich bis dahin von keinem Coach kannte. Er war ein harter Hund, aber ein ehrlicher und herzensguter Mensch, der einem nie etwas Böses wollte."

Sebastian Machowski (Ex-Baskets-Spieler): "Bei Bruno hatte ich meine ersten beiden Jahre in der ersten Liga. Ich habe ihn das letzte Mal vor zwei Jahren im Eurobasketcamp in Treviso getroffen. Da haben wir gemeinsam zu Mittag gegessen. Jan Rohdewald, Sinisa Kelecevic und Klaus Perwas waren auch dabei, alles Spieler von damals. Das war so ein bisschen ein Klassentreffen. In Bonn habe ich zwei schöne Jahre erlebt. Innerhalb der Mannschaft hatten wir eine tolle Teamchemie. Da hat damals alles gepasst. Ich kam damals in eine intakte Mannschaft, zusammen mit Gunther Behnke und Sinisa Kelecevic. Bruno hatte seinen eigenen Führungsstil, wenn man so will, aber das, was er mit uns gemacht hat, war erfolgreich. Das war sein Verdienst. Wir sind definitiv sehr viel gelaufen. Wir waren aber auch die fitteste Mannschaft in der Liga. So hart Bruno auch als Trainer war, mit ihm konnte man immer gut reden."

Gunther Behnke (Ex-Baskets-Spieler): "Bruno hatte das richtige Konzept und hat die Baskets zweimal bis ins Finale geführt. Der Umgang mit ihm war nicht einfach, aber durch meine langjährige Erfahrung mit Svetislav Pesic bei Alba Berlin wusste ich, wie ich ihn zu nehmen hatte. Er war ein Trainer mit Ecken und Kanten, aber durchaus liebenswert. Es war eine schöne Zeit mit ihm in Bonn."