Telekom Baskets

Vom Stürmer zum Center

BONN. Martin Breunig ist in der Saisonvorbereitung ungewöhnliche Wege gegangen. Der Neuzugang macht jetzt Yoga. Derzeit ist er mit dem Team im Trainingslager in Slowenien.

Martin Breunig kam ein bisschen später als verabredet. Den Neu-Bonner konnte auch der Baustellenverkehr seiner Wahlheimat nicht aus der Ruhe bringen; er hatte gerade auf der „Schäl Sick“ an Ausgeglichenheit und Balance gearbeitet. Breunig ist das, was man in der Beschreibung seiner Physiognomie landläufig als Schrank bezeichnet – und er macht Yoga.

Der Innenspieler war der erste Neuzugang, dessen Unterschrift die Telekom Baskets für die Saison 2017/18 in den Aktenschrank stellen konnten. „Martin ist ein starker Athlet. Er will mit uns gemeinsam den nächsten Schritt machen“, sagt Baskets-Cheftrainer Predrag Krunic.

Als Kind spielte Martin Breunig Fußball. Zuerst als Stürmer. „Weil ich sehr schnell bin“, sagt er mit ruhiger Stimme, die nicht erwarten lässt, dass noch eine Pointe kommt: „Zum Schluss war ich Torwart.Weil ich keine Lust mehr hatte zu laufen.“ Da hatte sich schon herauskristallisiert, dass er nicht nur ein Schönwettersportler ist, sondern dass er auch ein Talent für Basketball mitbringt. Martin Breunig war zwölf Jahre alt. „Mein Bruder hat mich angesteckt. Der spielte Basketball. Das hat mir dann besser gefallen, und Sport in der Halle fand ich auch besser als draußen. Ich hab's dann in der Schul-AG versucht, wo ich die Empfehlung erhielt, in einen Verein zu gehen. Und da war ich dann irgendwie immer zu gut für die Mannschaft, in der ich spielte, bis ich in der ersten U 14 bei Bayer Leverkusen ankam. Und dann ging es von dort aus immer höher.“

In der Schule lief es zunächst eher umgekehrt: Gymnasium, Realschule, Hauptschule – aber dann auch wieder zurück. Kurz vor dem Fachabitur wechselte er ans College und blieb sechs Jahre in den USA – Milwaukee, Seattle und Missoula.

Nähe zur Familie

Nach einem Jahr in Ludwigsburg mit eher überschaubarer Spielzeit kommt er mit hohen Erwartungen nach Bonn. Insbesondere an sich. Dafür hat er schon in der Sommerpause geschuftet und sich nur zwei Wochen Urlaub gegönnt, in denen er umgezogen ist und viel Zeit mit seiner Familie verbracht hat. „Es wird dir nichts geschenkt in dieser Liga. Entsprechend habe ich mich vorbereitet. Besser als letzte Saison“, sagt der 2,03-Meter-Hüne, der ein Faible für Videospiele hat, sie aber auf internationalen Reisen nie dem Kennenlernen von Gegend und Sehenswürdigkeiten vorziehen würde.

Die Nähe zu Eltern und Geschwistern war ein Pluspunkt für Bonn. „Ich habe mit dem Coach telefoniert, und wir haben uns auch einmal in der Stadt getroffen. Was er gesagt hat, hat mir gefallen“, erklärt der Mann, der die Nummer 12 von Baskets-Eigengewächs Florian Koch übernommen hat, der wiederum jetzt in Ludwigsburg spielt. „Außerdem war mir wichtig, in die Nähe meiner Familie zu ziehen.

In Siegburg zum Yoga

Den internationalen Ort seiner Wurzeln hat er allerdings seit er acht Jahre alt war nicht mehr gesehen: Thailand, die Heimat seiner Mutter. „Sie ist gerade mit meiner Schwester dort und besucht meinen Onkel, einen Mönch. Nächstes Jahr will ich noch einmal hin.“ Breunigs Vater ist Deutscher. Ein Feuerwehrmann. „Aber viele denken – insbesondere wenn ich Bart trage – dass ich aus der Türkei komme“, erklärt Breunig. Wie seine beiden Geschwister hat er einen thailändischen Zweitnamen: Martin Phong Ni Watt Breunig steht in seinem Pass. „Was das heißt, habe ich vergessen.“

Zum Yoga kam er, als er in der Sommerpause mit seinem Bruder in einem Studio in Siegburg trainierte. Durch Zufall entdeckte er auf dem Kursplan das Yoga-Angebot und entschied sich, den ungewöhnlichen Weg zumindest einmal auszuprobieren. „Zur Entspannung, für mehr Beweglichkeit und Körpergefühl.“ Und für den Angriff auf mehr Spielzeit als in der vergangenen Saison.