Rückkehr ins Team

Telekom Baskets warten auf Mayo

Konnte in Bremerhaven nur zusehen, wie seine Kollegen ihr schlechtestes Saisonspiel ablieferten: Baskets-Kapitän Josh Mayo.

Konnte in Bremerhaven nur zusehen, wie seine Kollegen ihr schlechtestes Saisonspiel ablieferten: Baskets-Kapitän Josh Mayo.

BONN. Die Bonner Bundesliga-Basketballer hoffen in der Partie bei Medi Bayreuth auf die Rückkehr des zuletzt schmerzlich vermissten Spielmachers Josh Mayo.

Ganz glücklich ist Chris O'Shea immer noch nicht. „Aber irgendwann muss man es ja abhaken, nach vorn blicken und weitermachen“, sagt der Cheftrainer der Telekom Baskets Bonn. Es – sagt O'Shea. Und meint das Spiel in Bremerhaven. Es – hat Team und Trainer lange beschäftigt, ehe sich die Konzentration auf die nächste Partie bei Medi Bayreuth (Sonntag, 15 Uhr) richtete.

Beim Tabellenvorletzten in Bremerhaven verspielten die Baskets mit einer 67:88-Niederlage die im Spiel zuvor überraschenderweise gegen Bamberg gewonnene, gute Ausgangsposition im Playoff-Rennen. O'Shea sprach anschließend mit jedem seiner Spieler. „Zuerst einzeln. Und dann mit allen zusammen, keiner hatte eine gute Erklärung, ,Du hattest uns gewarnt', haben alle gesagt“, berichtet er. Und bei der Video-Aufarbeitung ging der Trainer erstmals einen anderen Weg als sonst. „Sonst schneide ich Szenen zusammen“, erklärt O'Shea, „dieses Mal wurde mir beim Schneiden klar: Man muss das ganze Viertel sehen, damit man ein Gefühl für das, was schiefgelaufen ist, bekommt.“ Und das war viel.

Sein Team hatte offensichtlich die Grundvoraussetzungen für Bonner Erfolge nicht beherzigt. „Wir funktionieren nur mit Leidenschaft, Intensität und Zusammenspiel. Das sind die drei wichtigsten Komponenten in unserem Spiel. Mit – können wir jeden schlagen. Ohne – gegen jeden verlieren“, bringt es der Trainer auf den Punkt.

Möglicherweise – wenn auch, dem Vernehmen nach, aus der Mannschaft unbestätigt – hatte der sogar ohne Josh Mayo erstrittene Erfolg gegen Bamberg die Baskets an der Nordseeküste in trügerischer Sicherheit gewogen. Aber da war nicht mehr viel von der Körpersprache, der Mentalität, die Bamberg beeindruckt hatte. Im Gegenteil. Die Baskets befeuerten mit ihrem lausigen Start das Bremerhavener Selbstbewusstsein. Irgendwann warfen sie auch noch ihr Playbook, in dem das Sortiment der Spielzüge steht, gedanklich in die Hallenecke und spielten wildes Zeug. Selten eine besonders gute Idee im Basketball. Die Strippen vermissten ihren Zieher: Josh Mayo.

„In Bremerhaven hat jeder, der es bis dahin nicht wusste, gesehen, wie wichtig Josh für uns ist“, sagt O'Shea. „Aber eigentlich weiß das jeder im Team, jeder Fan, jeder Gegner. Sein Fehlen konnten wir einmal kompensieren, weil alle auf Top-Niveau gespielt haben. Noch dazu kann man nur einmal von einem Überraschungseffekt profitieren.“ Bremerhaven konnte sich dann anhand der Bamberg-Videos auf starke Bonner ohne Mayo vorbereiten, die sich dann als Scheinriese präsentierten.

„Josh ist nicht nur für unser Scoring wichtig. Er organisiert unser Spiel, der Gegner muss ihm jede Sekunde höchste Aufmerksamkeit schenken. Selbst wenn er lange nicht punktet, kann er dann mit drei schnellen Dreiern hintereinander das Spiel auf unsere Seite bringen. Wir alle sind froh, wenn er in Bayreuth mitspielen kann.“ Sicher ist das noch nicht.

Insofern wird es schwierig für O'Shea, sich für einen Spieler zu entscheiden, der aufgrund der Ausländerregelung der BBL zusehen muss. Mit einem Fragezeichen hinter der Fitness von Mayo dürfte es riskant sein, auf einen der Spieler auf den kleinen Positionen zu verzichten. Andererseits ist die lange Garde das Prunkstück der Franken. Also wird auch auf „Groß“ jeder Mann und jedes Foul, das zu geben ist, gebraucht.

Bayreuth hat eine ähnliche Achterbahnsaison wie die Baskets hinter sich. Gegenwärtig scheint das Ex-Team von Baskets-Nachverpflichtung Nate Linhart mit einer Serie von zuletzt vier Niederlagen wieder auf Talfahrt, aber beim 81:90 in Oldenburg stellte die Mannschaft von Trainer Raoul Korner den Tabellenzweiten vor gewaltige Probleme.

„Sie spielen organisierten Basketball“, sagt O'Shea, „haben gefährliche Dreierschützen und sind stark am Brett.“ Da weiß man, was man bekommt. „Aber wenn ihr Spiel funktioniert, ist es trotzdem schwer, dagegenzuhalten. Wir müssen versuchen, ihnen den offensiven Rhythmus zu nehmen. Wenn es uns gelingt, ihr Drei-Punkt-Spiel wegzunehmen und den Rebound zu kontrollieren, sind wir im Spiel.“

Wieder wird O'Shea seine Mannschaft eindringlich warnen. Vor einem Gegner, der um seine wahrscheinlich letzte Chance auf den Einzug in die Playoffs kämpft. Bayreuth steht vier Ränge hinter den siebtplatzierten Baskets, hat bei noch sieben ausstehenden Spielen drei Siege weniger auf dem Konto. „Wir erwarten eine heiße Atmosphäre“, sagt O'Shea. „Es liegt in unseren Händen, uns ein gutes Gefühl für die letzten Spiele zu verschaffen. Und es liegt in unseren Händen, die Playoffs zu erreichen. Als ich das Team im Januar übernommen habe, war das Ziel, die Mannschaft zu stabilisieren, und dann die Playoff-Plätze noch anzugreifen“, sagt er und gibt zu, dass er sich auch selbst noch einmal daran erinnern muss. „Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen.“ Und, was die eigenen Stärken sind: Leidenschaft, Intensität, Zusammenspiel.