Ausfall nicht zu kompensieren

Telekom Baskets verlieren ohne Jackson gegen Ulm

Ulmer Hoheitsgebiet blieb die Zone unter beiden Körben: Hier versucht Ryan Thompson gegen die Bonner James Webb III und Bojan Subtic (unten), zu Punkten zu kommen.

Ulmer Hoheitsgebiet blieb die Zone unter beiden Körben: Hier versucht Ryan Thompson gegen die Bonner James Webb III und Bojan Subtic (unten), zu Punkten zu kommen.

Bonn. Das Fehlen des verletzten Centers Charles Jackson ist nicht zu kompensieren. Die Telekom Baskets Bonn mussten sich bei ratiopharm Ulm mit 85:96 geschlagen geben.

13,4 Punkte und knappe acht Rebounds verzeichnete Charles Jackson im Durchschnitt für die Telekom Baskets. Achtung, jetzt kommt eine Milchmädchenrechnung: Mit 13 Punkten mehr hätte die Mannschaft von Cheftrainer Predrag Krunic bei ratiopharm Ulm gewonnen, anstatt eine 85:96 (25:22, 17:31, 18:21, 25:22)-Niederlage zu kassieren. Mit den blanken Zahlen funktioniert diese These selbstverständlich nicht, weil man Jacksons Punkte nicht einfach dazuzählen kann, aber: Sein Fehlen machte tatsächlich den Unterschied. Der Center saß nach seiner schweren Bänderverletzung aus der Champions-League-Partie am vergangenen Dienstag gegen Opava mit hochgelegtem Fuß zu Hause und musste zusehen, wie seine Kollegen die Partie am Brett verloren.

Am letzten Spieltag vor der Länderspielpause konnten die Bonner das Fehlen ihres verletzten Centers nicht kompensieren, mussten die vierte Niederlage der Saison hinnehmen und rutschten auf den achten Tabellenplatz ab.

„Unser Defense war nicht so, wie sie hätte sein sollen. Wir haben nicht gut genug gereboundet und 96 Punkte kassiert. Das ist zu viel“, sagte Josh Mayo nach der Partie. Der beste Rebounder fehlte halt. Das ließ sich im ersten Viertel noch einigermaßen kaschieren, dann hatten sich die Hausherren auf die Bonner und ihre Schwäche eingestellt.

Thompson waren Tür und Tor geöffnet

Schon in der zweiten Minute hatte Krunic seine erste Auszeit genommen, um seine umgebaute Starting Five noch einmal präziser einzustellen. Die Baskets kamen dann gut ins Spiel, allerdings zeigte sich früh, dass auch die eher kleinliche Marschroute der Unparteiischen zu einem Bonner Problem würde werden können. Josh Mayo, der Bonner Dreh- und Angelpunkt, kassierte früh sein erstes Foul, Baskets-Chefverteidiger Yorman Polas Bartolo gar in der sechsten Minute schon sein drittes.

Damit waren dem Ex-Bonner Ryan Thompson auf der Gegenseite Tür und Tor geöffnet, er zog zum Korb, wann immer er wollte und wurde bester Mann der Ulmer.

Martin Breunig, der Jackson auf der Center-Position vertrat, tat sich mit seinen defensiven Aufgaben gegen sein neuseeländisches Gegenüber Isaac Fotu ebenfalls schwer. Am offensiven Ende konnte man Breunig keinen Vorwurf machen, da glänzte er mit einer hundertprozentigen Trefferquote und 16 Punkten – persönliche Bestmarke.

Wille war nicht abzusprechen

Jeder, so hatte Krunic gefordert, müsse angesichts des Jackson-Ausfalls etwas mehr geben. Man konnte den Baskets den Willen kaum absprechen. Nach dem ersten Viertel auf Augenhöhe gingen sie mit einer 25:22-Führung, die der genesene Bojan Subotic in der ersten Partie nach seiner Schulterverletzung markierte, in den zweiten Durchgang. Jetzt aber hatten die Ulmer die Bonner Probleme ohne Jackson ausgelesen und vermochten sie zu nutzen. Während zunächst vor allem Shane Gibson noch aus der Distanz dagegenhielt und in der 14. Minute zur 35:32-Führung traf, leisteten sich die Bonner in der folgenden Phase einige kleine Fehler, die in der Offensive konsequente Ulmer zu einer zweistelligen Führung zur Pause nutzten (53:42).

Nach der Pause das gleiche Bild: Fotu machte, was er wollte, und die Ulmer Führung wuchs. Ab der 24. Minute hielt dann Mayo aus der Distanz dagegen. Mit zwei Dreiern hintereinander presste er den Rückstand wieder unter die Zehn-Punkte-Marke (53:62, 26.). Ulm-Coach Thorsten Leibenath nahm eine Auszeit, um den ersten Heimsieg nicht noch einmal aus der Hand zu geben. Denn trotz aller Probleme am defensiven Brett waren die Bonner immer irgendwie im Spiel. Die Auszeit wirkte. Die Ulmer nahmen konsequent das nicht besonders gut bewachte Bonner Brett in Angriff und ließen sich den Erfolg nicht mehr nehmen.

Krunic: Verdienter Sieg für Ulm

„Ulm hat heute verdient gewonnen“, erkannte Krunic an. „Ich denke, dass gerade unsere Verteidigung in der Zone heute ausschlaggebend war. Wir haben es nicht geschafft, die Transition der Ulmer zu stoppen und insgesamt zu viele leichte Punkte zugelassen. Auch die Turnover-Zahlen sprechen für sich. Mit 96 kassierten Punkten wird es sehr schwer, hier ein Spiel zu gewinnen.“

Weiter geht es für die Baskets erst am 9. Dezember mit der Bundesligapartie gegen Oldenburg. Bis dahin soll ein Ersatz für Jackson gefunden werden, der voraussichtlich für Monate ausfällt. Wie schwierig es wird, ihn zu ersetzen, hat die Partie in Ulm deutlich aufgezeigt.

Ulm: Thompson 18 Punkte, Fotu 18, Miller 16/1 Dreier, Evans 15/1, Akpinar 6, Green 6, Günther 6/1, Krämer 4, Radosavljevic 4, Reinhardt 3/1.

Bonn: Gibson: 11 Punkte/3 Dreier, Reischel, Subotic 11/1, James 10/2 (6 Rebounds), DiLeo 5/1 (6 Assists), Breunig 16, Polas Bartolo, Mayo 19/4, Webb III 13/3 (6 Rebounds), Jasinski.

Trefferquote: Ulm 51% (35/69), Bonn 46% (30/65); Dreierquote: Ulm 25% (4/16), Bonn 45% (14/31); Freiwurfquote: Ulm 92% (22/24), Bonn 85% (11/13); Rebounds: Ulm 41, Bonn 30 (Beste: James und Webb III je 6); Assists: Ulm 16, Bonn 19 (Bester: DiLeo 6); Ballgewinne: Ulm 11, Bonn 4; Ballverluste: Ulm 9, Bonn 14; Fouls: Ulm 16, Bonn 23; Zuschauer: 6200.