Karnevalsspiel im Telekom Dome

Spielvorbereitung mit Anklebebart bei den Baskets

BONN. Der US-amerikanische Basketball-Profi Malcolm Hill stürzte sich vor dem Karnevalsspiel des Basketball-Bundesligisten Telekom Baskets Bonn gegen Ludwigsburg (Samstag, 20.30 Uhr) in die schräge Welt des Kostümkaufs.

Zuletzt hat Malcolm Hill ein Kostüm getragen, als er noch sehr klein war. Zu Halloween. „Ich war Sponge Bob“, sagt der Mann aus St. Louis. Dass er sich mit dem Thema Verkleidung noch einmal würde befassen müssen, ahnte er nicht, als er im Sommer seinen Vertrag bei den Telekom Baskets unterschrieb. Nun wirft das Karnevalsspiel seit geraumer Zeit seine Schatten voraus, und Hill ist der letzte im Team, dem noch die entsprechende Garderobe fehlt.

Einige Spieler haben das bunteste aller Basketballspiele bereits im vergangenen Jahr erlebt, sind also vorbereitet auf das, was sie erwartet. Hill gehört zu denen, die sich noch nicht recht vorstellen können, dass 6000 Jecke dem Spiel gegen Ludwigsburg (Samstag, 20.30 Uhr) eine sehr besondere Atmosphäre geben werden und ein Prinzenpaar mit Gefolge, Blaskapelle inklusive, durch die Spielvorbereitung marschieren wird.

All das kann man den Neu-Bonnern im Magentatrikot nur erzählen, ihnen vielleicht auf Video zeigen. Früher übernahm das Florian Koch. Doch der spielt jetzt in Ludwigsburg und bereitet den Baskets-Gegner auf das ungewöhnliche Auswärtsspiel im Telekom Dome vor. Also nimmt sich jetzt Baskets-Physiotherapeut und -Teambetreuer Bogdan Suciu der Karnevalsnovizen an.

Im Auto geht es zu einem der großen Jeckenausrüster, und Suciu fragt Hill bei überlauter Karnevalsmusik, was er sich denn so als Verkleidung vorstellen könne. Es ist ein vertrottelter Seriencharakter. „Vielleicht werde ich Steve Urkel“, sagt der US-Amerikaner, der in Bonn nach einem kurzen Engagement auf den Philippinen seine erste Profisaison spielt. „Du kannst nicht Steve Urkel werden“, gibt Suciu zu bedenken. „Du bist Steve Urkel.“ Hill wehrt sich nur zaghaft und sagt: „Sie sind nicht immer nett zu mir. Aber so ist das, wenn du der Rookie bist.“

Im Geschäft angekommen, schlurft er durch die Gänge zwischen Ringelhemden jeglicher Couleur, Superheldenstramplern, Prinzessinnenzubehör und Anklebebärten und stoppt hier und da, Einzelteile verwundert begutachtend. Zur Anprobe kommen einige Klassiker: der Clown, der Cowboy, der Pirat und der Bayer.

Zunächst verschwindet er mit dem Clown-Outfit in der Garderobe. Langes Ringelshirt, rote Knubbelnase, Riesenbrille und eine XXL-Fliege um den Hals werden ergänzt mit einem falsch herum aufgesetzten Hut und einem gelben Blümchen. Hill posiert noch ein wenig emotionslos blickend für das erste Foto. Mit dem Cowboy wird es besser, Hill kommt allmählich in Verkleidungslaune. Die für nicht-rheinische Ohren so merkwürdig klingende Musik blendet er aus. Das hat er auch am Samstagabend vor. „Ich habe schon vor zehn- oder zwölftausend Zuschauern gespielt, auch da schafft man es, nur den Coach zu hören.“ Ob das diesmal auch gelingt? Mühsam halten zwei kleine Schnallen das Cowboy-Beinkleid um die Profisportler-Oberschenkel, dann ist auch der Mann aus dem wilden Westen bildlich festgehalten.

Als Hill mit rosa-kariertem Hemd und Lederhose in der Kabine verschwindet, wird bald klar, dass es Schwierigkeiten gibt. Es dauert. Dann gibt er zu: „Hier stimmt was nicht.“ Er hat sich auf dem Weg in die Lederhose verirrt. Hosenträger und Bruststeg hängen verknotet über dem Hosenbund auf dem Rücken, mit dem Latz weiß Hill nichts anzufangen. „Wie hieß das Kostüm noch gleich?“, fragt er. „Das ist ein Bayer“, sagt Suciu. „Aus welchem Jahrhundert stammt das?“, will der verwunderte Basketballer wissen. „Die Bayern tragen das jetzt. Auf dem Oktoberfest trägt das jeder“, sagt Suciu – und Hill reißt die Augen fragend auf. Als er erstmal den richtigen Weg durch die sortierten Träger in die Hose gefunden hat, hellt sich seine Miene auf. Das gefällt ihm ganz offensichtlich und kommt in die engere Auswahl. Letztlich nimmt er aber dann doch etwas anderes, macht aber wie seine Kollegen ein Geheimnis daraus.

Er sucht noch ein bisschen Zubehör zusammen, dann machen sich Karnevals-Rookie und Berater auf den Weg zum Telekom Dome. Die Arbeit ruft: Training. „Ganz ehrlich: Ich habe gemerkt, dass dieses Spiel für alle im Verein ein großes Ding ist, aber ich hatte keine Ahnung, warum das so ist“, sagt Hill auf der Heimfahrt. „Aber jetzt muss ich sagen: Ich habe eine Ahnung davon, was da passieren könnte und freue mich drauf.“