Trainerwechsel

Silvano Poropat soll's richten

Zweimal wurde Silvano Poropat zum Trainer des Jahres der Basketball-Bundesliga gekürt. Nach den Stationen Ludwigsburg und Mitteldeutscher BC heuert er nun bei den Telekom Baskets an.

Zweimal wurde Silvano Poropat zum Trainer des Jahres der Basketball-Bundesliga gekürt. Nach den Stationen Ludwigsburg und Mitteldeutscher BC heuert er nun bei den Telekom Baskets an.

BONN. Der Bonner Basketball-Bundesligist löst Interimstrainer Carsten Pohl ab und verpflichtet einen ehemaligen Schüler von Trainer-Ikone Bruno Socé.

Den zweiten Trainerwechsel innerhalb einer Saison haben die Telekom Baskets Bonn vollzogen. Gestern gab der Basketball-Bundesligist die Verpflichtung von Silvano Poropat bekannt. Der Kroate löst Carsten Pohl ab und leitete bereits gestern Abend das erste Training. Poropat übernimmt nicht nur für den Rest der Saison die Verantwortung, sondern erhielt einen Vertrag bis zum Ende der Spielzeit 2016/2017.

Sein Vorgänger Pohl hatte das Amt des Cheftrainers erst Ende des vergangenen Jahres von Mathias Fischer übernommen, als die Mannschaft 14 Spiele in Folge verloren hatte und das Ziel Playoff-Runde in weite Ferne gerückt war. Mit Pohl holten die Bonner in zehn Spielen drei Siege. Unter dem Strich eine enttäuschende Bilanz, hatten die Baskets doch den Personalkader mit Yancy Gates und Sean Marschall deutlich verstärkt und noch unter Fischer mit Langston Hall einen weiteren Spielmacher verpflichtet. Pohl war es dann nicht gelungen, die Baskets nach der Rückkehr der verletzten Tadas Klimavicius und Isaiah Philmore zu einer Einheit zusammenzuschweißen.

Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich würdigte jedoch die Leistung Pohls, der als Sportlicher Leiter des Gesamtvereins „in einer äußerst schwierigen Situation eingesprungen war und uns mit einem Team, das er nicht zusammengestellt hat, etwas Luft zu den Abstiegsrängen geschaffen hat“. Den Interimstrainer, der nun wieder Sportlicher Leiter sein wird, noch vor Saisonende abzulösen, dazu entschloss sich die Baskets-Führung nach dem Spiel gegen Gießen. „Wir waren nicht nur schockiert von der sportlichen Leistung der Mannschaft, sondern auch von der gezeigten Einstellung, vor allem im letzten Viertel“, sagte Wiedlich. „In Bonn brauchen wir eine kämpferische Mannschaft. In Gießen sind wird da vieles schuldig geblieben, aber auch schon in einigen Spielen davor“, führte Wiedlich weiter aus. Ab einem bestimmten Punkt sei das Team oft auseinandergefallen. Wiedlich: „Es war zu erkennen, dass die Frustrationstoleranz bei den Spielern sehr niedrig war. Nach eigenen Fehlleistungen, wie sie immer mal vorkommen, haben sie nicht kämpferisch dagegengehalten, sondern resigniert.“

Wiedlich merkte selbstkritisch an, dass man die Situation unterschätzt habe. „Die Teamchemie war ohnehin fragil. Und wenn man dann immer zwei Spieler auf die Tribüne setzen muss, erhöht sich das Störpotenzial“, erklärte er. Denn als Klimavicius nach seiner Verletzungspause wieder zurückgekehrt war, hatte Pohl zwei Ausländer zu viel im Kader. Nur sechs dürfen auf dem Spielberichtsbogen stehen.

Mit der Verpflichtung von Poropat soll nun der entscheidende Impuls gesetzt werden, den Klassenerhalt endgültig zu sichern. Wiedlich: „Mit der eigenen Halle wäre der Abstieg für uns wirtschaftlich der Worst Case. Ich wüsste nicht zu sagen, wie das ausgehen würde.“

Ein weiteres Motiv, noch in der laufenden Saison den neuen Cheftrainer zu präsentieren, war für Wiedlich, „dass wir die Bonner Basketballgemeinde nicht mit einem dauerhaft schlechten Nachgeschmack aus der Saison gehen lassen wollen“. Man sei den Fans und schließlich auch sich selbst noch etwas schuldig. „Das gehört nicht zu unserem Selbstverständnis, was wir zur Zeit auf dem Feld bieten“, sagte Wiedlich.

Sehr abgeklärt geht Carsten Pohl mit seiner Ablösung um. „So wie sich die Mannschaft zuletzt präsentiert hat, ist es eine gute und richtige Entscheidung“, erklärte er. Letztendlich gehe es nicht um Personen, sondern darum, was für den Verein richtig sei. Die Verpflichtung Poropats hält Pohl für eine „gute Wahl. Es ist der richtige Moment, die Weichen für die kommende Spielzeit zu stellen. Und es hätte kaum eine bessere Lösung als Silvano Poropat geben können.“ Wenn der neue Baskets-Coach es wünsche, werde er sich mit ihm zusammensetzen, um ihm die Amtsübernahme so leicht wie möglich zum machen.

Mit welchem Kader Poropat im Heimspiel am kommenden Sonntag (17 Uhr, Telekom Dome) gegen die Walter Tigers Tübingen antreten wird, ist offen. Nicht zuletzt, weil Präsident Wiedlich von „möglicherweise weiteren personellen Entscheidungen“ sprach, die getroffen werden könnten, ohne konkret zu werden. Offenbar scheut man bei den Baskets auch nicht davor zurück, sich von einem Spieler zu trennen. Wiedlich: „Alles kann passieren.“

Mit Blick auf die nächste Saison schlug der 59-Jährige zuversichtliche Töne an. „Silvano Poropat verspricht weitestgehend das, was wir uns im Bonner Basketball vorstellen: systematisches Arbeiten, Verteidigung, Leidenschaft.“