Telekom Baskets Bonn

Ojars Silins verlängert bis zum Saisonende

Bonn. Baskets-Manager Michael Wichterich hatte nach der 70:93-Niederlage in Ulm eine zeitnahe Entscheidung in der Personalie Silins angekündigt. Die ist nun gefallen.

Bei Pressemitteilungen ist es nicht anders als bei Hotelbeschreibungen in Katalogen oder den Formulierungen in Zeugnissen: Es lohnt sich manchmal sehr, auf die Feinheiten zu achten. Und so beinhaltet die Aussage von Michael Wichterich zur Vertragsverlängerung der Telekom Baskets Bonn mit Ojars Silins so etwas wie einen kleinen Ritterschlag: „Ojars hat uns in den vergangenen Wochen das gegeben, was wir uns von ihm sportlich erhofft haben“, sagt der Sportmanager des Basketball-Bundesligisten und dann folgt die bemerkenswerte Passage: „Darüber hinaus hat er sich als Spielerpersönlichkeit präsentiert, wie wir sie uns für die Baskets wünschen.“

Silins, der eigentlich nur als Übergangslösung für die Dauer der Verletzung von Kenneth Horton vorgesehen war, bleibt bis zum Saisonende. Der lettische Flügelspieler hatte sehr gute sportliche Argumente gesammelt, doch diese alleine hätten eine Vertragsverlängerung vermutlich nicht bewirkt. Aber auf dem Hardtberg ist man nach der vergangenen Saison sensibilisiert, was das Suchen und Finden von Spielerpersönlichkeiten, die sich die Baskets wünschen, betrifft. Insofern hat der 23-Jährige offenbar als Gesamtpaket überzeugt.

Der lettische Nationalspieler dürfte auch andere Angebote gehabt haben, nach seiner sportlichen Eigenwerbung im Magenta-Trikot, aber, so sagt der Mann aus Riga, die Baskets haben auch ihn überzeugt: „Ich habe mich hier gleich wohl und dazugehörig gefühlt. Im Team passt es einfach und Predrag Krunic ist ein charismatischer Trainer, der in seiner Art ziemlich motivierend ist. Das gefällt mir.“ Auch der Trainer ist froh, dass die Verhandlungen ein gutes Ende gefunden haben: „Ojars ist integriert. Es passt einfach. Mein Eindruck ist, dass er für unser Team und unseren Erfolg sehr wichtig ist. Es ist sehr gut, ihn weiterhin als jetzt festen Bestandteil dabei zu haben.“

Mit dem Sport, der seine Profession werden sollte, begann Silins schon als kleiner Junge – beeinflusst von seinem sechs Jahre älteren Bruder, der ihm den Nationalsport der Balten bereits früh nahebrachte: „Eigentlich war ich nie ohne Basketball – jedenfalls kann ich mich nicht erinnern“, sagt er. Es zeigte sich bald, das er es würde weit bringen können. Der italienische Erstligist Reggio Emilia rief an und der damals 17-Jährige unterschrieb nach einem kurzen Vorspielen für zwei plus drei Jahre. Zwei in der Jugend, dann als Profi.

Sechs Jahre blieb er bei den Italienern, wo er gemeinsam mit einem der ganz großen Baskets im Team stand: Rimantas Kaukenas. Den Litauer rief Silins auch gleich an, als er in Bonn angekommen war. „Rimantas hat sich für mich gefreut und mir viel über seine persönliche Zusammenarbeit mit Coach Krunic erzählt. Rimantas sagte mir, dass die Baskets ein gut aufgestellter Verein sind und eine echte Chance für mich darstellen – das kann ich genau so unterschreiben.“

Nach sechs Jahren Italien suchte Silins eine neue Herausforderung: „Ich hatte keine Not, irgendetwas zu nehmen. Es gab ein paar Angebote, aber ich habe mich in Riga fitgehalten und darauf gewartet, dass etwas passt. Und dann rief Bonn an“, erklärt der beste Verteidiger der ersten italienischen Liga von 2014. „Jetzt freue ich mich darauf, dass wir uns als Team stetig verbessern und dann sicherlich einiges erreichen können.“

Den ersten Rückschlag nach einer Serie aus sechs wettbewerbsübergreifenden Siegen findet er nicht unbedingt tragisch: „Ulm spielt eine starke Offense. Verteidigung ist einer Frage der Abstimmung und Eingespieltheit – das kann im November noch gar nicht optimal sein. Wir können das besser. Alle. Wir haben viel Potenzial, das werden wir beweisen“, ist Silins, der eine tragende Rolle übernehmen will: „In Italien war meine Rolle nicht so groß. Hier will ich nicht nur defensiv sondern auch offensiv meinen Teil zum Ganzen beitragen.“