72:61 gegen Jena

Mayo führt die Baskets zum Arbeitssieg

Bonn. Die Telekom Baskets Bonn haben den 5. Platz der Basketball-Bundesliga behauptet. Im Heimspiel gegen Science City Jena setzten sich die Bonner mit 72:61 durch.

Björn Harmsen saß mit einem Eisbeutel um die Hand in der Pressekonferenz und lauschte den Ausführungen seines Spielers Julius Wolf. Der Trainer von Science City Jena hatte sich eine klassische Ärgerverletzung zugezogen. Mit einem Schlag gegen die Kabinentür hatte er in der Halbzeit seiner Wut Luft gemacht. Kurz vor dem Seitenwechsel hatte sein Team im Spiel der Basketball-Bundesliga bei den Telekom Baskets Bonn gerade einen 0:20-Run kassiert.

„Dieser Bonner Lauf hat uns um sämtliche Siegchancen gebracht“, führte Wolf aus, und sein lädierter Trainer nickte kurz. „Wir hatten gut angefangen, aber dann hat Bonn sein Selbstbewusstsein wiedergefunden.“ Am Ende sicherte sich der Favorit in einer merkwürdigen Partie einen 72:61 (12:19, 27:11, 17:19, 16:12)-Sieg und Platz fünf, auf dem Alba Berlin übernachtet hatte.

Die Baskets-Center-Legenden Arvid Kramer und Chris Ensminger hatten sich wahrlich nicht den allerbesten Auftritt der Bonner für ihren Besuch im Telekom Dome ausgesucht. Auf den Rängen waren einige Plätze freigeblieben. Nur 4700 Fans kamen, gegen Nanterre war der Dome am Mittwoch noch ausverkauft gewesen. Da waren also 1300, die das mentale Loch nach dem Europa-Aus offensichtlich recht gut nachvollziehen konnten.

Krunic hatte den mentalen und auch physischen Einbruch kommen sehen. Von Beginn an stellte der kantige Kenny Frease die lange Bonner Garde vor Probleme. Drei Center sollten sich später an ihm abarbeiten, doch der Mann, um den der Weg zum Korb weit ist, sammelte 21 Punkte – egal ob gegen Julian Gamble, Johannes Richter oder Filip Barovic.

Ansonsten aber stand die Verteidigung und signalisierte von Beginn an die Bereitschaft, sich in die Partie hinein und das offensive Glück zu erarbeiten. Ryan Thomp- son stand wieder in der Startformation – Krunic hatte auf Jamarr Sanders verzichtet –, das Gastspiel des Bonner Topscorers dauerte aber nur kurz. „Ich habe nach sechs Minuten entschieden, dass er nicht fit genug ist“, erklärte Krunic. Punkt. Lieber lobte er die anderen: „Das war ein sehr wichtiger Sieg“, hob er an, „wir haben lange unseren Rhythmus gesucht, ihn über die Verteidigung gefunden. Die Jungs haben bei den Voraussetzungen einen guten Job gemacht. Das war nicht einfach.“

Damit stand es Remis in Sachen fehlende Topscorer. Jena hatte unter der Woche seinen besten Mann Marcos Knight, den zweitbesten Punktesammler der ganzen Liga, nach Saragossa abgegeben. Die Jenaer zeigten, wie sie sein Fehlen kompensieren wollten: gemeinsam. Das war nicht der Auftritt eines Teams, das im Niemandsland der Tabelle die Motivation verloren hat. Es dürfte die Baskets nach einem knappen Hinspielsieg nicht überrascht haben, aber: Sie waren reichlich mit sich selbst und Kenny Frease beschäftigt. Bis zum 10:9 durch Gamble (6.) hielt sich der Schaden in Grenzen, dann hatte der Knopf an Krunics Sakko Schwerstarbeit zu leisten. Der Trainer hantierte und zappelte, spielte in seiner Zone mit weit ausgebreiteten Armen Defense und musste doch dabei zusehen, wie sein Team einen 0:10-Lauf kassierte, den erst Florian Koch mit dem Anschluss zum 12:19 beendete (10.). Ensminger, Kramer und die anderen 4700 hatten ein Festival der Ballverluste gesehen – da war noch viel Luft nach oben.

Aber zunächst machte Frease da weiter, wo er im ersten Viertel aufgehört hatte. Nicht nur dass er fleißig punktete, er hängte auch Gamble schon nach 15 Minuten dessen drittes Foul an. Krunic nahm seinen Starting Center vom Feld. Als Ermen Reyes Napoles die Gäste mit 30:19 in Führung brachte (17.), konterte Johannes Richter per Dreier und gab den Startschuss für den Bonner Lauf, der dem Jena-Trainer dann in doppelter Hinsicht Schmerz bereitete.

Als Bonn den Vorsprung auf fünf Punkte eingedampft hatte, nahm Harmsen eine Auszeit – erfolglos. Richter war in Fahrt. Vorn stopfte er den Ball in den Korb, hinten klaute er ihn. Dann ein Pass auf Polas Bartolo, der zum Korb zog und das orangene Leder behutsam zum Ziel brachte. Der Ball kreiselte lange am Ring entlang, ehe er zum 29:30 durchs Netz fiel. Horton ballte die Faust, Harmsen nahm die nächste Auszeit. Josh Mayo und Kollegen interessierte das nicht. Für ihren 20:0-Lauf benötigten die Baskets knappe drei Minuten, den Gästen war wohl ein bisschen schwindelig. Mit einem 30:39-Rückstand gingen sie in die Pause. Das Selbstbewusstsein marschierte auf der anderen Seite des Feldes mit in die Kabine.

In der 26. Minute konnte Science City Jena noch einmal ausgleichen (45:45), dann legte Josh Mayo seine Zurückhaltung ab. Ein bisschen so, als habe er gewartet, wer diesem Spiel seinen Stempel aufdrücken will und dann entschieden: Okay, wenn keiner will, mache ich's. Er klaute den Gästen immer wieder den Ball und verteilte ihn umsichtig. Dass die Baskets insgesamt 22 Ballverluste zu beklagen hatten, lag nicht an dem quirligen Spielmacher, nur zwei davon gingen auf Mayos Konto. Ballgewinne, Assists, Punkte – der Kapitän gab seinem Team, was es benötigte. Und so wurde das Spiel hinten heraus das, was es auf dem Papier war: die Partie des Tabellensechsten gegen den Elften. Bonn kletterte einen Platz hoch, Jena rutschte einen ab.

Weiter geht es für die Baskets am Donnerstag mit dem Gastspiel bei Bayern München, am Ostermontag geht es nach Braunschweig, ehe am 23. April Göttingen zum nächsten Heimspiel nach Bonn kommt.

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