Telekom Baskets Bonn
Koch-Team setzt Bamberg unter Schock
BAMBERG/BONN. Die Telekom Baskets Bonn haben mit dem 75-74-Sieg bei den Brose Baskets Bamberg für eine der größten Sensationen in den vergangenen beiden Jahren im deutschen Basketball gesorgt. Das Team von Mike Koch liegt in der "best of five"-Serie mit 1:0 in Führung. Doch Trainer Mike Koch bremst nach dem Erfolg in der Stechert Arena die Euphorie.
Was nicht vorstellbar war, ist Realität geworden. Seit mehr als zwei Jahren skandieren die Bamberger Fans des Überteams "Sieg" nach einem Heimspiel. Genaugenommen seit exakt 48 Heimspielen in Bundesliga, BBL-Pokal und Champions Cup ist es in der "Frankenhölle" keine Frage, ob man gewinnt, sondern nur, wie hoch. Dass der BBL-Play-off-Slogan "Unglaubliches wird passieren" ausgerechnet schon im ersten Play-off-Spiel des Jahres verwirklicht wurde, ließ die TV-Live-Kommentatoren nach dem Schlusspfiff mehr stammeln als berichten. Ein unglaublicher Sieg eben.
In den Internetforen ist man sich einig: "Nicht unverdient." Jubeln durften auch jene eingefleischten Optimisten unter den Bonner Fans, die im Internet auf einen Bonner Sieg gewettet hatten. Die Wettquote war ein Abbild der bundesweiten Expertenmeinung: Wer fünf Euro auf Bonn gesetzt hatte, durfte sich nach Benas Veikalas? Tip-In über 65 Euro freuen.
"Bamberg im Schockzustand", schrieb der Fränkische Tag in seiner gestrigen Ausgabe. Mit einer Niederlage im ersten Heimspiel gegen den krassen Außenseiter hatte bei dem Euroleague-Teilnehmer keiner gerechnet. Und im Umfeld schon gar nicht. "Die Frankenhölle ist eine uneinnehmbare Festung, und das wird auch in den heißesten Monaten des Jahres so bleiben", wurde im Internet auf franken.de berichtet.
"In den Playoffs kann alles passieren"
Vielleicht hatte ja Bambergs Manager Wolfgang Heyder etwas geahnt. "Natürlich bauen wir auf unseren Heimvorteil. Verlassen sollten wir uns darauf aber nicht. In den Play-offs kann alles passieren", hatte er in der Vorschau auf die Play-offs im Vorwort des Vereinsmagazins "Jump" geschrieben. Diesen Satz haben die Telekom Baskets mit Leben erfüllt.
Egal, ob sechs, sieben oder gar zehn Punkte Rückstand - die Mannschaft von Trainer Mike Koch, der seine Spieler hervorragend eingestellt hatte, steckte alle Tiefschläge weg. Mit ihren wechselnden und fast perfekt gespielten Verteidigungen ließ sie den Gegner nie in seinen Rhythmus kommen, einen Gegner, der in der Hauptrunde immerhin 92 Punkte im Schnitt erzielt hatte.Dass Julius Jenkins, nicht nur einmal zum MVP und besten Angreifer der BBL gewählt, keinen einzigen Punkt erzielte, spricht für sich. Und da die Bonner auch im Angriff stets geduldig blieben, viel in Bewegung waren, den Ball wandern ließen und entschlossen ihre Wurfchancen nutzten, machte sich im Bamberger Lager zunehmend Ratlosigkeit breit. In den Schlussminuten wurden sie nach einer 66:60-Führung phasenweise regelrecht ausgespielt. Als der Sieg Sekunden vor Ende auf dem Tablett lag, war es dann Benas Veikalas, der zugriff.
Trotz der Sensation bleibt man bei den Telekom Baskets auf dem Teppich. "Das war ein großer Sieg, aber gewonnen haben wir noch nichts", sagte Spielmacher Jared Jordan, der sowohl als Vorbereiter (7 Assists) als auch als Schütze (16 Punkte) glänzte.
Wirklich frech war, wie der kleine Amerikaner in der entscheidenden Phase Tony Gaffney mit einem Alley-oop-Anspiel bediente. Und Simonas Serapinas fand zu der Distanzstärke zurück, die ihn am Anfang der Saison auszeichnete. Ein Sonderlob hatte Talor Battle verdient, der wie ein Derwisch in die Abwehrreihen der Bamberger stieß und sie aufschreckte. Der kleine Guard bereitete auch den entscheidenden Tip-in von Veikalas vor.
Koch tritt auf Euphoriebremse
Wie gut die Baskets spielten, zeigt das Assist-Verhältnis von 21:8 zu ihren Gunsten. Das zu wiederholen, so Jordan, sei jetzt das Ziel für das erste Heimspiel am kommenden Mittwoch (19.30 Uhr, Telekom Dome). Jordan: "Wir haben daran geglaubt, in Bamberg gewinnen zu können. Wir glauben auch daran, es vor eigenen Fans noch einmal zu schaffen."
Baskets-Coach Mike Koch tritt ebenfalls auf die Euphoriebremse. "Wir sind noch nicht weiter und Bamberg noch nicht ausgeschieden", sagte er. Die Brose Baskets würden in Bonn am Mittwoch ganz anders auftreten. Koch: "Ich erwarte einen wesentlich aggressiveren Gegner. Darauf müssen wir uns einstellen."
Man merkte ihm allerdings an, wie froh er über die Leistung seines Teams war. Koch: "Wir hatten nur zwei Tage Zeit, uns nach dem Spiel gegen Frankfurt auf Bamberg einzustellen. Da muss ich meinen Spielern ein Kompliment machen, dass sie den Gameplan so gut umgesetzt haben." Wichtig sei auch, ein zweites Heimspiel erzwungen zu haben. "Angesichts unserer finanziellen Situation ist das ein Bonus, der uns guttut", so Koch.
Das kann Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich nur unterstreichen. "Dass in dieser Saison noch einmal eine solche Euphorie in Bonn ausbricht, hatte niemand auf dem Schirm. Ich freue mich am Mittwoch rein atmosphärisch auf eine Gänsehaut-Veranstaltung. Wir haben weiterhin nichts zu verlieren", sagte Wiedlich. Noch sind für das Heimspiel im Telekom Dome Tickets zu haben.
Artikel vom 05.05.2012





