Telekom Baskets Bonn

Koch-Team besiegt Hagen mit 103:101

Bonn.  Die Telekom Baskets Bonn haben dank eines 12:2-Laufs in den letzten zwei Minuten einen 103:101 (29:24, 19:28, 27:30, 28:19)-Sieg über Phoenix Hagen errungen. Kyle Weems avancierte mit neun Zählern in der Schlussphase zum Matchwinner.
Kein Halten mehr gibt es für Benas Veikalas (links) und Jonas Wohlfarth-Bottermann nach der Schlusssirene. Baskets-Coach Michael Koch kurvt über das Spielfeld, um mit seinen Spielern den Sieg zu feiern.
								Foto: Sebastian Derix
Kein Halten mehr gibt es für Benas Veikalas (links) und Jonas Wohlfarth-Bottermann nach der Schlusssirene. Baskets-Coach Michael Koch kurvt über das Spielfeld, um mit seinen Spielern den Sieg zu feiern. Foto: Sebastian Derix

Wie der Ball noch einmal zu Kyle Weems gekommen war, war im Tohuwabohu unter dem Korb kaum zu erkennen. Doch der US-Amerikaner nahm ihn auf und legte ihn behutsam in den Korb. Kein Risiko, vorsichtig, einfach rein ins Netz. Danach ähnelten die Bilder in der Hagener Enervie-Arena denen, die sich am Donnerstag im Bonner Telekom Dome abgespielt hatten: Eine Mannschaft springt völlig losgelöst durch die Halle, die andere steht mit gesenkten Köpfen da und kann nicht fassen, was gerade passiert ist.

Hatten die Telekom Baskets das Heimspiel gegen Tübingen in den letzten Spielminuten noch hergeschenkt, so waren sie es jetzt, die ein schon verloren geglaubtes Spiel umbogen. Mit einem 103:101 (29:24, 19:28, 27:30, 28:19)-Sieg bei Phoenix Hagen machte die Mannschaft von Trainer Mike Koch einen Schritt aus der Krise. "Ich kann mich gut in die Hagener reinversetzen", sagte Koch. "Es war genauso wie gegen Tübingen. Hagen brauchte noch eine gute Aktion, um zu gewinnen, das hat nicht geklappt. Wir sind immer näher gekommen und haben zum Schluss mit Glück gewonnen."

Die Erleichterung war dem Bonner Trainer deutlich anzumerken. Nach den letzten Niederlagen und der geplatzten Verpflichtung von Marqus Blakely waren ein bisschen Glück und ein Erfolgserlebnis dringend nötig gewesen. Und dieses Glück wollten seine Spieler sich verdienen. Das war von Beginn an zu sehen. Die Baskets starteten vor 3145 Zuschauern, darunter 200 mitgereiste Bonner, gut in die Partie - mit einem glänzend aufgelegten Jonas Wohlfarth-Bottermann, der die lange Hagener Garde unter den Körben vor erhebliche Probleme stellte. Bis zur dritten Minute hatte der junge Center schon acht von zehn Bonner Punkten im Korb untergebracht. Es stand 10:4 für die Baskets.

Doch es zeichnete sich bald ab, dass das Bonner Manko der letzten Wochen auch in diesem Spiel ein treuer Begleiter sein würde: Sie kassierten zu viele Punkte. Auf eine gute Offensivaktion erfolgte zumeist ein erfolgreicher Gegenangriff. Zeitweise hemmte offensichtliches "Zu-viel-Wollen" das Baskets-Spiel.

Bis zur Halbzeit gestaltete sich die Begegnung ausgeglichen. Wohlfarth-Bottermann brachte seine langen Arme immer wieder gewinnbringend ein - die Statistik wies nach Spielschluss ein Double-Double aus 23 Punkten und zwölf Rebounds für ihn aus. Und das bei nur 20 Minuten Spielzeit. Chris Ensminger sorgte nach zähem Kampf beim Rebound im dritten Versuch für den 48:52-Pausenstand.

Die Hagener hatten allerdings den deutlich besseren Start in die zweite Hälfte. Ein erfolgreicher Dreier von Davin White war Programm. Zwei weitere zum 68:57 in direkter Folge durch Mark Dorris und David Bell taten den Bonnern richtig weh und trieben die Lautstärke in der Arena gewaltig in die Höhe. Doch Robert Vaden ließ sich davon nicht beirren und brachte die Baskets mit neun Punkten wieder auf fünf Zähler heran, David McCray verkürzte auf drei (68:71, 27.).

Die Baskets blieben bissig, auch als Hagen mit Dreiern weitere Nadelstiche setzte und sich auf der Anzeigetafel von den Gästen entfernte. Die Magenta-Fans auf den Rängen gaben ebenso wenig auf wie ihr Team. "Auf geht's Baskets - kämpfen und siegen" riefen sie vier Minuten vor Schluss als Robert Vaden per Dreier aus 13 Punkten Rückstand zehn gemacht hatte. Die Baskets kamen immer näher. Wohlfahrth-Bottermann schmolz den Rückstand per Korbleger auf sieben Punkte zusammen, Weems machte sechs daraus, ehe sich "Wobo" mit dem fünften Foul verabschieden musste und Koch mit Weems auf der Center-Position weiterspielen ließ - ein Glücksgriff.

Die Spannung war zu greifen, und jeder Bonner Punkt machte die Halle stiller. Weems traf zum 95:99, Bell verwandelte zwei Freiwürfe zum 101:95. Es sollten die letzten Punkte für Hagen sein. Die Uhr ließ den Bonnern noch 57,5 Sekunden für ein Happy End. Weems traf per Dreier zum 98:101, Vaden egalisierte mit Extra-Freiwurf.

Noch 25 Sekunden, Auszeit Bonn, psychologischer Vorteil Bonn, Ballbesitz Hagen. Bell, der bis dahin viel richtig gemacht hatte, scheiterte mit einem Wurf, der den Bonnern noch ein paar Sekunden Zeit ließ. Fabian Thülig versuchte, zu Vaden zu passen, wurde geblockt - und trotzdem kam der Ball irgendwie zu Weems, der ihn behutsam ins Netz legte. Die Baskets rannten von der Bank quer übers Feld. Auch Koch. Sogar Koch. Das hat man selten von ihm gesehen. "Ich bin erleichtert für mein Team und bedanke mich. Es hat immer an sich geglaubt und nie aufgegeben", sagte er später.

Zuerst musste er allerdings seine Spieler noch einmal sammeln, es waren noch 0,5 Sekunden zu spielen. Daraus konnten die Hagener aber kein Kapital schlagen. Denn unter dem Bonner Korb stand Weems, der seine Punkte zum Sieg verteidigte und den Einwurf der paralysierten Hausherren in die Schlusssirene blockte.

Es meinten . . .

  • Benas Veikalas (Baskets-Spieler): "Am Ende haben wir alle zusammengehalten und füreinander gekämpft. Nach dem Spiel am Donnerstag wollten wir den Sieg heute einfach haben. Alle Spieler, die auf dem Feld standen, haben alles gegeben - und dieses Mal war das Glück auf unserer Seite. Es ist ein großartiger Sieg für uns und auch für die Fans."
     
  • David McCray (Baskets-Spieler): "Bei so einem Spiel denkst du nicht mehr an die vergangene Niederlage, da musst du einfach nur immer weiter kämpfen."
     
  • Jonas Wohlfarth-Bottermann (Baskets-Spieler): "Ich hatte heute einfach einen guten Tag, das Spiel lief einfach für mich. Wir sollten diese Euphorie jetzt mitnehmen, wissen aber auch, dass wir weiter hart arbeiten müssen. Wir haben heute wieder über 100 Punkte kassiert. Das muss besser werden. Meine Freiwürfe haben heute endlich mal funktioniert. Ich arbeite daran in jedem Training mit Co-Trainer Carsten Pohl."
     
  • Andrej Mangold (Baskets-Spieler): "Wenn man so ein Spiel in letzter Sekunde gewinnt, dann ist das etwas ganz Besonderes. Das gibt einem unglaublich viel Auftrieb." 

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