Die Krise der Baskets

"Kämpfen mehr mit uns als mit dem Gegner"

Hoffnung macht Baskets-Sportmanager Michael Wichterich die Qualität des Kaders: "Die haben wir ja schon bewiesen." FOTO: WOLTER

Hoffnung macht Baskets-Sportmanager Michael Wichterich die Qualität des Kaders: "Die haben wir ja schon bewiesen."

09.12.2015 TRIENT. Die Telekom Baskets Bonn stecken nach elf Niederlagen in Folge weiter im Abwärtsstrudel. Über die Krise sprach mit Baskets-Sportmanager Michael Wichterich vor der Partie in Trient Tanja Schneider.

Herr Wichterich, Platz zehn ist kein Playoff-Rang...
Michael Wichterich: Das ist unstreitbar richtig. Richtig ist aber auch, dass noch mehr als zwei Drittel der insgesamt 34 Hauptrundenspiele vor uns liegen.

Sehen Sie das Saisonziel inzwischen in Gefahr?
Wichterich: So wir uns in den vergangenen Wochen präsentiert haben, muss man das so sehen. Alles andere wäre ziemlich blauäugig. Ich gehe aber davon aus, dass wir uns zurückkämpfen werden.

Hatten Sie schon einen Anruf vom Hauptsponsor?
Wichterich: Nein. Die Deutsche Telekom AG mischt sich in sportliche Entscheidungen nicht ein. Unser Geschäftsführer Wolfgang Wiedlich steht aber fernab von Krisen- und Euphorie-Situationen immer in engem Kontakt zum Hauptsponsor.

Wo sehen Sie die Ursachen für die unrühmliche Serie?
Wichterich: Eine einzelne singuläre Ursache sehe ich nicht. Das wäre großartig, aber so leicht ist es leider nicht. Die anfängliche Verletzung und späte Integration von Michal Chylinski und dazu Isaiah Philmores Verletzung haben unsere Rotation deutlich nachhaltiger gestört, als wir das erwartet hätten. Es gibt sicherlich auch offensichtliche Dinge, die auf dem Parkett falsch laufen, aber in erster Linie erleben wir gerade eine Situation, in der wir mehr mit uns selbst als mit dem Gegner kämpfen. Die Niederlagen haben sich in den Köpfen festgesetzt, doch das wird kein Dauerzustand bleiben.

Unlängst sagten Sie, dass weder der Trainer noch sonst jemand zur Diskussion stünde. Ist das immer noch so?
Wichterich: Nein, wir werden etwas ändern, aber das zuerst intern beraten und entschieden.

Bei wie vielen Niederlagen liegt denn da die Schmerzgrenze?
Wichterich: Mit dem Spiel gegen Oldenburg - auch wenn es positive Momente gab - ist sie erreicht.

Was erwarten Sie jetzt von Mathias Fischer?
Wichterich: Er hat mit objektiven Widrigkeiten zu kämpfen und muss die Mannschaft erreichen, taktisch im Sinne einer erfolgreichen Umsetzung seiner Strategie auf dem Feld, sowie emotional. Er ist jetzt nicht nur als Trainer, sondern gerade auch als Psychologe gefragt.

Und von der Mannschaft?
Wichterich: Zusammenhalt, Kampf und Konzentration - und im Resultat bald Siege.

Muss im Kader nachgebessert werden?
Wichterich: Ja, das sehe ich inzwischen so. Wir haben unsere Schwachstellen analysiert, aber aktuell noch nichts entschieden. Nachverpflichtungen sind auch immer eine Frage der wirtschaftlichen Möglichkeiten. Letztlich entscheiden das die Gesellschafter der BonBas gemeinsam mit der Geschäftsführung.

An welchen Lösungen arbeiten Sie?
Wichterich: Wir versuchen eine taktische und inhaltliche Strategie zu finden. Es ist wirklich nicht einfach. Wäre es das, hätten wir es vor drei Wochen geändert. Außerdem müssen wir die offensichtlich in den Köpfen vorhandenen Blockaden lösen.

Wie?
Wichterich: Es werden zum Beispiel mehr Einzelgespräche geführt, sonst spielt man in der Spielnachbereitung die fehlerhaften Szenen vor, wir versuchen das Positive herauszuarbeiten und zu zeigen.

Was macht Ihnen Hoffnung?
Wichterich: Ich weiß, was der Kader für eine Qualität hat. Und die haben wir ja auch schon bewiesen. Sicher haben wir Defizite - zu den allerbesten Teams in der Verteidigung werden wir in dieser Saison nicht gehören. Aber unsere Qualität - offensiv und insgesamt - ermöglicht uns, bessere Gegner in die Knie zu zwingen. Gleichwertige sowieso.